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Top-Thema vom Montag, 3. November 2008


Antworten auf die Finanzkrise

Mit nationalen Konjunkturprogrammen und Reformplänen wollen die Staaten Europas der Finanzkrise trotzen. Ob Subventionen für Schlüsselindustrien oder Staatsfonds, Hilfe muss her. Wenn man der Finanzkrise richtig begegnet, könnte sie sogar zur Chance werden, meint die europäische Presse.


Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Die Süddeutsche Zeitung plädiert für flächendeckende Subventionen für die angeschlagene Autoindustrie. "Kaum ein Wirtschaftszweig ist so globalisiert wie die Autoindustrie. ... Nun ist Finanzkrise. Und die Konzerne im weltweiten Wettbewerb bekommen staatliche Hilfen. So ist es beschlossen in Amerika und so wird es wohl bald beschlossen auch für Europa und Deutschland. Nach der reinen Lehre sind Subventionen von Übel, weil sie das freie Spiel von Angebot und Nachfrage stören. ... Diesen freien Markt gibt es freilich nur in der Theorie. Die Japaner schotten ihr Autogeschäft brutal ab. Nicht nur in Osteuropa gibt es satte Ansiedlungshilfen für neue Werke. In Deutschland hilft der Staat auch, wenngleich dezenter: Hier wird gern Staatsgeld für Forschung und Entwicklung genommen. ... Das Ziel muss sein: Gleiche Hilfe für alle, sofort, befristet - und möglichst weltweit." (03.11.2008)


The Times - Großbritannien

Die konservative Tageszeitung The Times bricht eine Lanze für Staatsfonds, die dringend gebrauchtes Kapital in westliche Unternehmen stecken: "Die grenzüberschreitenden Investitionen dieser Fonds sorgen in entwickelten Volkswirtschaften für Streit. ... [Der französische] Präsident [Nicolas] Sarkozy hat versprochen, französische Unternehmen vor, wie er sie nannte, 'extrem aggressiven Staatsfonds, die nur einer ökonomischen Logik folgen' zu schützen. Im Unterschied dazu hat [der britische Wirtschaftsminister] Lord [Peter] Mandelson erklärt, dass Europa Investitionen nicht abschrecken soll, und dass London eine gute Heimat für die europäischen Operationen von Staatsfonds bieten würde. ... Westliche Regierungen haben ein Recht auf Transparenz in der Art und Weise wie Staatsfonds ihre Anteile an internationalen Reserven investieren. Aber diese Auflage sollte keine Entschuldigung für Protektionismus sein. ... Investoren mit einem langfristigen Horizont gibt es auf den heutigen Finanzmärkten auffällig selten. Sie sollten willkommen sein." (03.11.2008)


Polska - Polen

In der Tageszeitung Polska betrachtet die polnische Soziologin Jadwiga Staniszkis die Finazkrise als Chance für Polen: "Die Krise zerstört nicht nur nicht die Chance Polens auf eine Modernisierung, sondern kann geradezu eine Chance sein. Natürlich hängt das von der Strategie ab, die ihr gegenüber angewendet wird. In dem Moment zum Beispiel, wo die Krise auftritt, erweist sich das, was man bisher als Rückschlag empfunden hat, als eine wertvolle Reserve. Schauen wir mal auf die Chinesen - sie haben gerade wegen der Krise mit Reformen begonnen, die den Rechtehandel für den Nutzen von Grund und Boden ermöglichen. Das bedeutet, dass am Markt auf einmal über 730 Millionen potenzielle Kreditnehmer in Erscheinung treten. Das ist ein riesiger Impuls für die Wirtschaft. Auch bei uns schafft die Krise eine Situation, in der man leichter schwierige und bisher abgelehnte gesellschaftliche Reformen durchsetzen kann - ich denke dabei an die Überbrückungsrenten ... und ich denke dabei auch daran, den Złoty durch den Euro zu ersetzen." (03.11.2008)


Les Echos - Frankreich

Die Wirtschaftszeitung Les Echos analysiert den Aktionsplan Russlands in der Finanzkrise: "Im Land Wladimir Putins, das auch von der globalen Finanzkrise betroffen ist, werden jetzt die Karten auf russische Art neu gemischt. Es zeichnet sich eine neue Runde von Nationalisierungs-Privatisierungen ab, nicht weniger als die vierte seit dem Fall der UdSSR. Auf dem Spiel steht die Kontrolle der weltweit wichtigsten Firmen im Bereich der strategischen Rohstoffe: Öl, Gas, Stahl, Diamanten, Nickel, Gold und verschiedene Edelmetalle ... Das Regime wird wahrscheinlich versuchen, den Energiegruppen zuerst zu helfen, weil es davon überzeugt ist, dass die Kontrolle der Gas- und Ölversorgung Europas der Schlüssel zu einer Politik von nationaler Größe ist. ... Das Neumischen und Geben könnte ein größeres Ausmaß annehmen als die drei vorhergehenden Privatisierungswellen. ... Wenn man frühere Aktionen betrachtet, sollte es auch bei dieser Neuverteilung nicht an mehr oder weniger blutigen Intrigen fehlen. Von Ausnahmen abgesehen werden westliche Firmen offenbar nicht eingeladen." (03.11.2008)


» zur gesamten Presseschau vom Montag, 3. November 2008

 

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