Will Parlament in Kiew Journalisten aussperren?

In der Ukraine diskutiert das Parlament eine Beschränkung des Zugangs für Pressevertreter, nachdem sich zwei Journalistinnen dort ungebührlich verhalten hatten und eine der beiden einem Fotografen den Stinkefinger zeigte. Die Werchowna Rada will Journalisten schon lange die Arbeit erschweren, kritisieren Kommentatoren.

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Unian (UA) /

Endlich einen Vorwand gefunden

Für die Parlamentarier ist der Vorfall ein willkommener Anlass, ein lange beabsichtigtes Vorhaben umzusetzen, glaubt Unian:

„Journalisten, die ständig im Parlament arbeiten, wissen schon lange, dass viele Abgeordnete, ihre Assistenten und Pressesprecher dazu bereit sind, die Presse in eine Box [hinter Plexiglas] zu jagen. Damit nur die Journalisten Zugang zu den Volksvertretern haben, welche die Fraktion mag. Schon jetzt geht ein Großteil der Parlamentarier über die Regierungsloge in den Sitzungssaal, um unbequeme Fragen und Gespräche mit der Presse in den Gängen zu vermeiden. Von Sitzungsperiode zu Sitzungsperiode scheint man in der Rada nur einen Anlass zu suchen, um die Journalisten von den Abgeordneten zu isolieren. Jetzt hat sich dieser Vorwand (obgleich ein hinreichend zweifelhafter) gefunden“

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LB (UA) /

Geringschätzung gepaart mit Angst

Ähnlich sieht die Dinge LB:

„Die Beziehung der Abgeordneten zur Presse spiegelte in allen acht Legislaturperioden immer eine Mischung aus Geringschätzung und Angst wider. Daher zerbrachen sich die Parlamentarier nicht nur einmal den Kopf: Wie die unkontrollierbaren Journalisten bändigen, die Abgeordnete am Revers packen, wenn diese die Parlamentsgänge entlang flüchten, weil sie nicht auf unbequeme Fragen antworten wollen. Ohne Zweifel, wenn es nach dem Willen der Abgeordneten ginge, würden sie die Journalisten mit Freude hinter einen hohen eisernen Zaun verfrachten. Oder sie würden sie überhaupt nicht in das Parlamentsgebäude lassen, damit sie die 'fruchtbare Arbeit' nicht behindern.“