Fast ein Messias? Klima-Aktivistin Greta Thunberg

Spätestens nach ihrem Auftritt in Katowice hat das umweltpolitische Engagement der Schwedin Greta Thunberg weltweit Aufmerksamkeit erregt. Die 15-Jährige hatte im Sommer mit einem Streik begonnen. Anstatt in die Schule zu gehen, forderte sie vor dem Parlament in Stockholm Maßnahmen gegen den Klimawandel. Doch die Reaktionen auf Gretas Aktivitäten treiben mitunter merkwürdige Blüten, berichtet Schwedens Presse.

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Göteborgs-Posten (SE) /

Schülerin wird instrumentalisiert

Zu weit gegangen ist der von der Zentrumspartei finanzierte Thinktank Fores, der Greta Thunberg zur Klimaexpertin erkoren hat, meint Göteborgs-Posten:

„Es ist ausgezeichnet, wenn junge Menschen sich für wichtige Fragen interessieren. Aber Kinder sind keine Orakel, keine Erlöser, die man krönen und denen man folgen muss. Sie sind verwundbar und beeinflussbar, weil sie eben Kinder sind, und sie haben ein Recht auf Würde und Integrität. Das gilt unabhängig davon, wie begründet ihre Ansichten sind und wie sehr sie im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen wollen. Und ungeachtet dessen, wie gut die Sache ist, für die sie sich engagieren. Wenn Fores jetzt seine Plattform einer 15-Jährigen anbietet, droht die Debatte zu verflachen. Darüber hinaus wird ein Kind auf ungesunde und unethische Weise ausgenutzt.“

Aftonbladet (SE) /

Kindermund tut Wahrheit kund

Manche der Lorbeeren, mit denen Greta Thunberg nun bedacht wird, sollten mit heiterer Gelassenheit genommen werden, empfiehlt Aftonbladet:

„Dass Kinder und Betrunkene die Wahrheit sagen, ist allgemein bekannt. Selten war diese Redensart zutreffender als im Fall von Greta Thunberg. Ihre Botschaft ist kristallklar: Reiche Länder wie Schweden müssen ihre Emissionen um mindestens 15 Prozent jährlich reduzieren, um das Ziel von zwei Grad zu erreichen. … Limhamns Kirche hat mit einem Augenzwinkern auf Twitter geschrieben, dass Jesus jetzt Greta Thunberg zu seiner Nachfolgerin erkoren hat. Doch das haben natürlich manche als unangebracht und blasphemisch kritisiert. Die Welt hat anscheinend nicht nur ein Problem mit einer beschleunigten Klimakrise, sondern auch mit einem Mangel an Humor, was fast genauso beunruhigend wirkt.“