Europa ächzt unter hohen Mieten

Wohnungsnot, niedrige Zinsen und Immobilienspekulation lassen in Metropolen und Ballungszentren in Europa die Mieten seit Jahren stark ansteigen. Vielerorts gehen Menschen gegen diese Entwicklung auf die Straße. In Portugal und Berlin sollen Gesetzesvorhaben den Mietenwahnsinn nun bremsen. Kann das funktionieren?

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Zeit Online (DE) /

Mietendeckel das richtige Instrument für Berlin

Dass die Berliner Landesregierung die Mieten für rund 1,5 Millionen Wohnungen in Berlin für fünf Jahre einfrieren will, findet Zeit Online richtig:

„Die Menschen in Berlin verdienen seit langem viel zu wenig, um mit den Mietsteigerungen in ihrer Stadt mitzuhalten. Zeichnet man eine Linie für die Entwicklung der Mietausgaben und eine für die der Einkommen, klaffen sie immer weiter auseinander: unten die Gehälter, oben die Wohnkosten. ... Das kann auf Dauer nicht aufgehen, ohne den sozialen Frieden in Deutschlands Hauptstadt zu gefährden. ... Wer diese Entwicklung aufhalten will, muss entschlossen handeln. Für Berlin ist der Mietendeckel das richtige Instrument zur richtigen Zeit.“

Observador (PT) /

Portugiesisches Programm ist eine Lügengeschichte

In Portugal ist am 1. Juli ein staatliches Programm in Kraft getreten, das erschwingliche Mieten sichern soll: Vermieter, die daran teilnehmen, profitieren von steuerlichen Vorteilen, wenn sie im Gegenzug ihre Wohnungen für einen Betrag anbieten, der 20 Prozent unter dem Marktpreis liegt. Ein einziger Betrug, findet Observador:

„Die sogenannten 'erschwinglichen' Preise sind skandalös. Die Mehrheit hat nicht die Mittel, um Mieten von 600 und 700 Euro zu zahlen, geschweige denn über 1.000 Euro, die für die Städte Lissabon und Porto festgelegt wurden. ... Teilnehmer des Programms werden bald merken, dass sie zu Statisten einer weiteren Lügengeschichte geworden sind, in der alle getäuscht werden. Die gesuchten Häuser und Wohnungen existieren nicht und die versprochenen Steuervorteile gleichen nicht die Schwierigkeiten aus, in die man gerät.“