Klimawandel: Hitzewelle macht Angst

Der vergangene Monat war in Europa und weltweit der heißeste Juni seit Beginn der Aufzeichnungen. Das berichten der EU-Klimawandeldienst und das World Weather Attribution Project. Extreme Hitzewellen werden den Forschern zufolge immer wahrscheinlicher und das liege auch am menschengemachten Klimawandel.

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The Guardian (GB) /

Gigantische Mobilisierung ist nötig

Dem Klimawandel sollte man mit einer positiven Vision statt mit Angstmacherei begegnen, fordert der ehemalige Labour-Chef Ed Miliband im Guardian:

„An Martin Luther King erinnert man sich wegen seiner Worte 'Ich habe einen Traum' und nicht 'Ich habe einen Alptraum'. Wir müssen diesen Traum gemeinsam skizzieren und entscheiden, wie unsere Gesellschaft aussehen soll. ... Der Kampf gegen die Klimakrise bietet die Möglichkeit, ein besseres Leben für uns Menschen zu kreieren. Wir müssen die Art und Weise ändern, wie wir 27 Millionen Häuser heizen und unsere Industrie mit Strom versorgen, 40 Millionen Benzin- und Dieselautos von der Straße entfernen und jedes Jahr Zehntausende Hektar Wald pflanzen. Mit anderen Worten: Wir brauchen die größte friedvolle Mobilisierung von Arbeitskraft, Land und Investitionen, die wir je gesehen haben.“

Avvenire (IT) /

Klima-Apartheid schon jetzt Realität

Angesichts der Erderwärmung warnt UN-Sonderberichterstatter Philip Alston vor einer "Klima-Apartheid". Schriftsteller Gerolamo Fazzini pflichtet ihm in Avvenire bei:

„In nicht allzu ferner Zukunft wird Diskriminierung wahrscheinlich nicht (nur) von der Hautfarbe abhängen, sondern von der Fähigkeit, mit den gravierenden Folgen des Klimawandels umzugehen. Mit anderen Worten: Die Welt wird eine neue Phase erleben, die von 'klimatisch bedingter Apartheid' geprägt ist. ... Das Thema, das darf man nicht vergessen, haben mahnende 'Missionare' schon lange auf der Agenda. Dass die UN es jetzt gewissermaßen offiziell 'zertifiziert', ist wirklich bedeutsam. Hoffentlich lassen sich diejenigen, die mehr besitzen und mehr tun können, in den Kampf gegen den Klimawandel einbinden, wenn sie der Gefahr der wachsenden Ungleichheiten ins Auge blicken.“

TSF (PT) /

Freut euch nicht zu früh!

Die Juni-Hitzewelle traf vor allem Zentraleuropa. In Portugal beschwert man sich eher darüber, wieder so einen laschen Sommer zu haben. In TSF warnt Nádia Piazza jedoch vor der Klimakrise:

„Das Schlimmste steht noch bevor! Dank unserer Azoren und der guten Tradition von São João [zum Mittsommerfest ist es dem Volksmund nach meistens kühl] blieb Portugal verschont und mit milden Temperaturen gesegnet. Doch die starke Hitze steht direkt vor unserer Haustür, das wurde bereits angekündigt. ... Man hört den alarmierenden Ton in meiner Stimme. Weil wir in einer bedrohlichen Zeit und in einem klimatischen Ernstfall leben. ... Deshalb müssen wir alle, wirklich alle, vorbereitet sein.“

Postimees (EE) /

Keine weitere Zeit vergeuden

Sander Jahilo, Experte für nachhaltige Produktionssysteme, ruft in Postimees die estnische Regierung zum Handeln auf:

„Premierminister Ratas sollte man zumindest dafür Respekt zollen, dass er den menschlich verursachten Klimawandel nicht anzweifelt. Als politisch kluger Mensch versteht er, dass es sich lohnt, in fachfremden Gebieten auf Experten zu setzen. Das sind Wissenschaftler, Umweltorganisationen und Behörden, die versichern, dass der Klimawandel größtenteils von menschlicher Hand verursacht wird und dass die Veränderungen mit einer hohen Geschwindigkeit geschehen. ... Wir haben keine Zeit mehr, uns über die kurzsichtigen Energieentscheidungen von einst zu ärgern. Wir müssen die Klimakrise ausrufen, denn wir haben schon hoffnungslos viel Zeit vergeudet.“