Ostsee verschmutzt: Skandal erschüttert Litauen

Litauische Ermittler haben vergangene Woche einen Umweltskandal aufgedeckt: Das Kartonage-Unternehmen Grigeo Klaipėda leitete jahrelang ungereinigte Abwässer direkt ins Kurische Haff. Für die Medien des Landes steht die Reaktion von Bürgern und Firmen in scharfem Kontrast zu der der Behörden.

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Delfi (LT) /

Diese roten Karten tun richtig weh

Seit der Aufdeckung des Skandals wächst eine Boykott-Bewegung, freut sich Delfi:

„Die Wirtschaftsgemeinschaft hat von selbst, ohne von jemandem gezwungen zu werden, den Haff-Verschmutzern die rote Karte gezeigt. Der Beschluss von [den Supermarktketten] Iki, Norfa und Senukai, nichts mehr von Grigeo zu kaufen, war ein echtes Novum. Doch er war noch nicht mal der schmerzhafteste Stich. Fünf Möbelunternehmen, inklusive SBA baldų kompanija und Vilniaus baldai, die im Auftrag von Ikea produzieren, haben bis auf Weiteres die Ankäufe von Grigeo Klaipėda eingestellt. ... Der Fabrik droht die Produktion fürs Lager, was einem echten Krisenszenario entspricht. Und was werden die Käufer im Rest der EU noch sagen?“

Lietuvos rytas (LT) /

Vogel-Strauß-Taktik der Beamten

Wie der Umweltskandal seit Jahrzehnten unter den Teppich gekehrt wurde, erläutert Lietuvos rytas:

„Für die Ermittlungen über die geheime illegale Röhre, über die Produktionsabfälle in das Haff und die Ostsee geflossen sind, wurden nicht die Umweltschutzbeamten aus Klaipėda, sondern aus [dem 170 Kilometer entfernten] Šiauliai zu Hilfe gezogen. Übrigens, auch die Ermittlungen wurden erst begonnen, als sich die örtliche Gemeinschaft nach jahrelangen Beschwerden wegen des Gestanks schlussendlich an die höchsten Instanzen in Vilnius wandte. … Die Beamten erklären hingegen, dass sie nicht nur nichts von der fast ein Jahrzehnt geschürten ökologischen Katastrophe geahnt haben, sondern sogar keine Möglichkeit hatten, um davon zu erfahren.“