Wohin steuert Brasilien?

In Brasilien hat das Parlament für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidentin Dilma Rousseff gestimmt. Ihr wird vorgeworfen, den Haushalt manipuliert zu haben. Zudem leidet das Land unter der schwersten Rezession seit Jahrzehnten, Zehntausende demonstrieren auf den Straßen. Werden die Proteste gegen Rousseff etwas bewirken?

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NRC Handelsblad (NL) / 18. April 2016

Hoffentlich der Beginn einer Läuterung

Auf ein Großreinemachen in Brasilien hofft NRC Handelsbad:

„Der große Korruptionsskandal um das Staatsölunternehmen Petrobas hat die Politik gelähmt. … Die Regierung war nicht in der Lage, etwas gegen die schwerste Rezession seit einem Jahrhundert zu tun. Millionen verloren ihren Arbeitsplatz, und der Mittelstand - entstanden in einem Jahrzehnt des wirtschaftlichen Optimismus - ist desillusioniert. Das hat die Gesellschaft vergiftet, es gab monatelange Straßenproteste und die Bürger stehen einander frontal gegenüber. Das konnte nicht länger so weiter gehen. ... Hoffentlich ist diese Episode der Beginn einer brasilianischen Läuterung. Wer immer auch Rousseff folgt, er oder sie muss so schnell wie möglich Neuwahlen ausschreiben. ... Denn in einem sind sich die Brasilianer zu Recht einig: Der Besen muss erneut durch das System fegen.“

Jornal de Notícias (PT) / 19. April 2016

Ein zutiefst gespaltenes Land

Wie die explosive Stimmung in Brasilien entschärft werden kann, fragt sich Jornal de Notícias:

„Im größten Land Südamerikas läuft etwas grundlegend falsch. … Die Anhänger von Präsidentin Dilma Rousseff und Ex-Staatschef Lula sehen sich als Opfer eines regelrechten Staatsstreiches. Das andere Lager gibt zu, dass das laufende Amtsenthebungsverfahren die wirtschaftliche Lage des Landes nicht verbessern wird, will aber Dilma Rousseff und deren Arbeiterpartei PT bestrafen. Und das, obwohl letztere Millionen von Brasilianern aus der Armut geholt hat. Brasilien ist ein durch Hass tief gespaltenes Land - und es bleibt abzuwarten, wie die Menschen auf den Straßen diese Wut kanalisieren werden. Das ist die große Frage und zugleich die Herausforderung des brasilianischen Volkes. Denn der Coup ist bereits da.“

Mehr Meinungen

Die Presse (AT) / 19. April 2016
  Rousseffs Gegner wollen sich nur selber schützen

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