In der konservativen Wochenzeitung Heti Válasz reflektiert der Philosoph András Lánczi über den Niedergang und die Verlotterung der politischen Kultur in Europa. "Heute sagen wir nicht mehr 'Guten Tag', sondern 'Schönen Tag', was freilich ein Anglizismus ist, der von einem blasierten Snobismus herrührt. Zugleich drückt er aber auch eine Denkweise aus: Wir tauschen moralische Begriffe gegen pragmatische Begriffe aus, welche Positionen und Verhältnisse beschreiben. Um es verständlicher auszudrücken: An einem Tag kann der Mensch Kommunist, Liberaler oder Anarchist sein, am nächsten Tag kann er aber schon wieder das Gegenteil von sich behaupten. ... Früher wurde jemand bestraft, weil er gegen die moralischen und rechtlichen Regeln der Gemeinschaft verstoßen hat. Heute wird er dafür bestraft, dass er an einer moralischen Urteilsfindung festhält. Wir sprechen hier von zwei Sprachen. In Wirklichkeit hat sich die Sprache der politischen Eliten gespalten, deshalb können sie sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr verstehen. Die wechselseitige Missgunst tut ihr übriges. Sie entscheidet darüber, welche Interpretation gegenüber den [politischen] Feinden angewandt wird. Der europäischen Kultur lag einst eine moralische Weltordnung zugrunde. Haltungen wie Vertrauen, Treue, Aufrichtigkeit, Ehre, Scham und Großzügigkeit sind ins Hintertreffen geraten. Stattdessen können wir heute unter dem Anstrich der 'Toleranz' ein machtpolitisch orientiertes, verlogenes Denken und eine arrogante, skrupellose Verfolgung der Interessen beobachten." (21.11.2008)
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