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Gesellschaft

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GESELLSCHAFT

Expresso - Portugal | 07.05.2012

Portugals Krise trifft nur die Verbraucher

Die Rabatt-Aktion der größten Supermarktkette Portugals zum Maifeiertag hat eine heftige Diskussion über die Preispolitik im Lebensmittelhandel entfacht. Die Händler haben ihren Kunden jedenfalls keinen Gefallen getan, meint die linksliberale Wochenzeitung Expresso: "Haben sie nun mit dieser Aktion Geld verloren oder gewonnen? Wenn sie Geld verloren haben, bedeutet dies, dass sie sich des Preisdumpings strafbar gemacht haben und dass ihre Gewinnspanne so hoch ist, dass sie sich es leisten können, freiwillig Geld zu verlieren. ... Und wenn sie sich gegenüber ihren sparwilligen Kunden so sozial verpflichtet fühlen, warum setzen sie, anstelle einer solch einmaligen 50-Prozent-Aktion, die uns für einen Tag in ein Viertweltland verwandelt hat - nicht einen Preisnachlass von zehn Prozent für die nächsten sechs Monate oder für ein Jahr an?" (07.05.2012)

Kaleva - Finnland | 07.05.2012

Klassenunterschiede in Finnland verringern

Laut einer aktuellen Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO sind finnische Kinder und Jugendliche mit ihrem Leben recht zufrieden, wenn sie einen guten Lebensstandard haben. Damit die sozialen Unterschiede im Land nicht größer werden, muss vor allem die Schule etwas tun, meint die liberale Tageszeitung Kaleva: "Der Lebensstandard hat der Studie zufolge Einfluss darauf, wie zufrieden Kinder und Jugendliche sind. Je reicher die Familie ist, aus der das Kind oder der Jugendliche kommt, desto eher sind diese mit ihrem Leben zufrieden. ... Die wirtschaftliche Situation der Familien scheint sich auch deutlich auf das Wohlbefinden auszuwirken: Je besser es der Familie finanziell geht, desto gesünder sind die Kinder. ... Der Schule kommt bei der Verringerung herkunftsbedingter Unterschiede eine große Rolle zu. Auch wenn das finnische Schulsystem Gleichberechtigung fördert, kann es die Unterschiede zwischen den sozialen Schichten nicht beseitigen. Falls diese Klassenunterschiede weiter zunehmen, ist in Zukunft mit großen Problemen zu rechnen. Deshalb muss man schon früh eingreifen." (07.05.2012)

Duma - Bulgarien | 04.05.2012

Unterforderte Akademiker fliehen ins Ausland

Laut Studien der bulgarischen Wirtschaftskammer und des staatlichen Statistikamts haben 80 Prozent der bulgarischen Arbeitgeber höchstens die mittlere Reife, wohingegen rund 70 Prozent der Akademiker keine Position finden, die ihrer Qualifikation angemessen ist. Die Tageszeitung Duma bangt um die Zukunft Bulgariens: "Einerseits fühlen sich die Arbeitgeber bedroht von selbstbewussten Angestellten, die ihnen in punkto Bildung überlegen sind und ihre Rechte als Arbeitnehmer kennen. Andererseits sind die Anforderungen an qualifizierte Kräfte völlig überzogen. Sie sollten am besten zwei bis drei Sprachen beherrschen, drei bis fünf Jahre Arbeitserfahrung vorweisen und nicht älter als 25 Jahre sein. Zu allem Überfluss sollten sie auch keine zu hohen Gehaltsvorstellungen haben. So bleiben den hochqualifizierten Arbeitnehmern nur zwei Möglichkeiten: Einen Job unter ihrem Niveau anzunehmen oder auszuwandern. ... Wenn die Regierung weiter nichts dagegen unternimmt, werden wir bald eine reine Bananenrepublik sein." (04.05.2012)

Göteborgs-Posten - Schweden | 04.05.2012

Baseballschläger zerstören Schwedens Offenheit

In Schweden hat eine Aktion für Kinder für Empörung gesorgt, die die Linkspartei am 1. Mai in Malmö veranstaltete. Die Kinder schlugen dabei mit Baseballschlägern auf Pappfiguren ein, die Minister der bürgerlichen Regierung darstellten und nach dem Platzen Bonbons freigaben. Solche Aktionen gefährden die Offenheit der schwedischen Gesellschaft, warnt die liberale Tageszeitung Göteborgs-Posten: "In den vergangenen 25 Jahren sind im friedfertigen Schweden zwei Minister ermordet worden. Mit politischer Gewalt ist nicht zu spaßen. Das schwedische Fernsehen brachte kürzlich einen Beitrag über verschärfte Sicherheitsmaßnahmen in mehreren Kommunalverwaltungen im ganzen Land. Es ist wichtig, dass die schwedische Gesellschaft auch künftig so offen wie möglich bleibt. Das setzt aber voraus, dass wir die politische Debatte sauber halten. Baseballschläger sind da fehl am Platz." (04.05.2012)

NRC Handelsblad - Niederlande | 03.05.2012

Gedenktag gebührt nur den Weltkriegsopfern

In den Niederlanden ist ein Streit um den nationalen Totengedenktag am 4. Mai ausgebrochen. An einigen Orten soll nicht nur der Opfer des Zweiten Weltkriegs gedacht werden, sondern auch gefallener deutscher Wehrmachtssoldaten. Der Tag muss den Opfern gelten, meint die liberale Tageszeitung NRC Handelsblad: "Es gibt ein hartnäckiges Missverständnis über gut und schlecht im Krieg. Es ist ein Missverständnis, dass es keine moralischen und politischen Grenzen mehr gibt, weil zwischen schwarz und weiß alles mehr oder weniger grau sei. ... Die Deportation und Vernichtung der Juden, die Folter (ideologischer) Gegner, die Plünderung und Gleichschaltung eines pluralen Landes, die unglaubliche Gewalt gegen hunderttausende, oft hilflose Opfer - hier kann man nicht differenzieren. Diejenigen, die daran mitwirkten, standen auf der falschen Seite. Diejenigen, die Widerstand leisteten, taten das Richtige." (03.05.2012)

Blog Arrastão - Portugal | 03.05.2012

Portugiesen im Kaufrausch am Tag der Arbeit

Eine Supermarkt-Kette in Portugal hat am 1. Mai 50 Prozent Rabatt versprochen auf Einkäufe über 100 Euro, woraufhin Massen von Menschen die Läden stürmten und die Aktion vorzeitig abgebrochen werden musste. Sérgio Lavos zeigt sich in seinem Blog Arrastão empört über eine solch stumpfe Konsum-Aktion am Tag der Arbeit: "Die Supermarktkette, die erst kürzlich einen Teil ihres Kapitals in die Niederlande transferierte, erlebte einen großen Tag. Die Marketingabteilung kann man zu dieser Initiative, die eine klare Provokation gegen die Gewerkschaften war, nur beglückwünschen: Die meisten ihrer Supermärkte versanken dank einer Horde Konsum-Zombies im Chaos. ... Zu beglückwünschen ist aber auch ein Volk, welches buchstäblich gezeigt hat, dass es sich um die Krise und die Rechte der Arbeiter einen Dreck schert." (03.05.2012)

De Morgen - Belgien | 02.05.2012

Haschpass bringt Dealern goldene Zeiten

Seit dem 1. Mai dürfen sogenannte Coffee Shops im Süden der Niederlande weiche Drogen nur noch an Einwohner des Landes mit einem Haschpass verkaufen. Ein fataler Rückschritt, klagt die linksliberale Tageszeitung De Morgen: "Jahrelang war die niederländische Maxime, dass die Legalisierung des Verkaufs große Vorteile bietet: die Kontrolle des Produkts und der Finanzströme, und somit die Möglichkeit, den Handel vor den Klauen der Unterwelt zu schützen. Durch den Ausschluss belgischer, französischer und deutscher Käufer drängt der niederländische Staat einen großen Teil des Handels erneut in die Illegalität. Die Folgen kann man sich ausrechnen: Straßendealer erleben goldene Zeiten. Der Grund für die ganzen Probleme ist die Scheinheiligkeit und Halbherzigkeit der belgischen, französischen und deutschen Drogenpolitik. ... [In Belgien] ist der Besitz von bis zu fünf Gramm Haschisch erlaubt, aber kaufen kann man es nirgendwo. Nur bis vorgestern in den Niederlanden, wo der Staat einst den Mut hatte zuzugeben, dass man das Zeug lieber legalisiert und kontrolliert." (02.05.2012)

Standart - Bulgarien | 01.05.2012

Beamte müssen effektiv sein, nicht mobil

Die bulgarische Regierung will Teile von Ministerien und Ämtern von der Hauptstadt Sofia in andere Städte verlegen, hat Premier Bojko Borisov am Sonntag bekannt gegeben. Ziel sei es, die Administration zu dezentralisieren und die Mobilität der Beamten zu erhöhen. Aber es wäre viel wichtiger, die Effektivität der Beamten zu steigern, findet die Tageszeitung Standart: "Zuallererst müssten die Ämter mehr Kompetenz und bessere Leistungen zeigen und im Einklang damit auch höhere Gehälter einführen. Dann kann man immer noch überlegen, ob man sie aus Sofia heraus verlegt. Im Moment ist es viel wichtiger, die Beamtenzahl zu verringern und den Verwaltungsdruck auf die Privatwirtschaft zu mindern, als die Beamten in alle Winde zu zerstreuen. ... Eine solche Maßnahme muss gut überlegt sein. Man muss genau abwägen, inwiefern die zu erwartenden Ergebnisse die Mühe wert sind. Sind sie es nämlich nicht, werden diejenigen darunter leiden, die der Kontrolle dieser Ämter unterliegen und stark von deren Arbeit abhängig sind." (01.05.2012)

Rednotebook - Griechenland | 01.05.2012

Prostituierte neues Feindbild der Griechen

Griechische Behörden haben am Dienstag Fotos von elf zum Teil ausländischen Prostituierten veröffentlicht, die mit HIV infiziert sind. Damit wollen sie bisherige Kunden zu einem HIV-Test auffordern und zukünftige Kunden warnen. Doch das linke Nachrichtenportal Rednotebook sieht andere Gründe hinter dieser Zurschaustellung: "Die überfürsorgliche griechische Mutter kann nun ihre Schuld für die Ungezogenheit des Muttersöhnchens auf die Prostituierte schieben. Die ahnungslose Freundin oder Frau projiziert das Scheitern ihrer sexuellen Erwartungen auf die listige Ausländerin. Und der griechische Kunde verflucht sein Schicksal wegen der exotischen Krankheiten dieser Nutten. … Alle kommen zu dem Schluss: Die Immigrantinnen bringen die Krankheiten, also muss unsere Gesellschaft von ihnen gesäubert werden. Der innere Feind ist also konstruiert. ... Die demokratischen Sensibilitäten der zuständigen Ministerien für öffentliche Gesundheit sind nichts weiter als ein großer Schritt Richtung Faschismus." (01.05.2012)

ABC - Spanien | 02.05.2012

Gewerkschaften in Spanien ohne Zuspruch

Trotz harter Sparmaßnahmen und Arbeitslosigkeit auf Rekordhöhe in Spanien haben die Mai-Kundgebungen der Gewerkschaften am Dienstag recht wenige Menschen auf die Straßen gelockt, beobachtet die konservative Tageszeitung ABC: "Nicht einmal bei einem Rückenwind von 250 Arbeitslosen pro Stunde gelingt es den Gewerkschaften abzuheben. Natürlich gibt es eine Unzufriedenheit in der Gesellschaft. Aber sie befindet sich im unauffälligen Tiefflug, die nicht auf dem Radar erscheint, sie ist eher wie eine kollektive Depression. Die Regierung macht sich mit harten Sparmaßnahmen unbeliebt, ohne dass die Umfragen einen ernsthaften Anstieg von Wählern für die Sozialisten feststellen. Und die Muskelspiele der Gewerkschaften haben eher mittelmäßigen Erfolg. Es dominiert eine pessimistische Stimmung und die Niederlage der Linken ist zu frisch, als dass sie Profit aus der wachsenden Unzufriedenheit schlagen könnten. Die zaghaften Mai-Kundgebungen zeigen das Imageproblem der Gewerkschaften, und dass sich die Schuldigen für den Trümmerhaufen eben noch nicht als Retter aufspielen können." (02.05.2012)


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