Kroatien: Journalisten leben gefährlich

Die Zahl der Angriffe und Drohungen gegen kroatische Journalisten nimmt stetig zu. Auch die versuchte Einflussnahme von Politikern bedroht die freie Presse.

Ein Wandbild von Slobodan Praljak nahe der Stadt Bilice in Kroatien. Der verurteilte Kriegsverbrecher beging im Gerichtssaal Selbstmord.
Ein Wandbild von Slobodan Praljak nahe der Stadt Bilice in Kroatien. Der verurteilte Kriegsverbrecher beging im Gerichtssaal Selbstmord.
Der kroatische Journalistenverband (HND) verzeichnete 2017 zwölf Zwischenfälle, darunter Morddrohungen und Angriffe auf Journalisten. Besonders deutlich wurde dies nach der Berichterstattung über den Selbstmord des verurteilten Kriegsverbrechers Slobodan Praljak vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, als vor allem im Internet eine massive Welle der Bedrohung und Einschüchterung gegen Journalisten verschiedener Medien losbrach.

Neben direkten Angriffen sieht Reporter ohne Grenzen die kroatische Pressefreiheit auch durch versuchte Einflussnahme von Politikern auf Journalisten, insbesondere durch die konservative Regierung auf das Staatsfernsehen sowie stete Budgetkürzungen von Non-Profit-Medien, bedroht. Außerdem gilt Verleumdung in Kroatien als Straftat und die Beleidigung der Republik, ihrer Symbole, der Nationalhymne oder Flagge können mit einer Gefängnisstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden.

Auch nach der Privatisierung der Medien in den 1990er Jahren standen vor allem während des Kriegs die meisten großen Printmedien und der öffentlich-rechtliche Rundfunksender HRT unter Einfluss, Manipulation und Kontrolle staatlicher Institutionen.

Mit der politischen Stabilisierung und Demokratisierung des Landes Anfang 2000 kauften sich immer mehr ausländische Medienhäuser ein, die heute den kroatischen Medienmarkt dominieren. Die auflagenstärksten Tageszeitungen werden von der ehemaligen Europapress Holding EPH, heute Hanza Media (Jutarnji List, Slobodna Dalmacija, Globus), sowie von der österreichischen Styria Media Group AG (24 Sata, Večernji List) herausgegeben.

Die Medienkonzentration führt in dem kleinen Staat zu einer für die Pressefreiheit gefährlichen Nähe zwischen den Medien und dem Staatsapparat sowie den großen Parteien HDZ und SDP. Immer wieder berichten Journalisten über die Einflussnahme ihrer Medienhäuser und von Staats- und Parteifunktionären auf ihre redaktionelle Arbeit. Besonders deutlich wurde dies 2016 in der nur sechsmonatigen Regierungszeit der nationalistisch-konservativen Koalition unter Premier Tihomir Orešković. Die Führungspositionen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk HRT wurden neu besetzt und die staatliche Unterstützung kritischer Onlinemedien eingestellt.

Der Onlinemarkt wird von den großen Medienhäusern dominiert. Dort versuchen sie ihre Verluste im Printgeschäft zumindest teilweise zu kompensieren. Die privaten Fernsehanstalten bieten auf ihren Internet-Portalen allgemeine Informationen frei an, führen aber verstärkt Bezahlmodelle für den Online-Abruf ihres TV-Angebots ein. Die gleiche Geschäftspolitik verfolgen auch die Verlagshäuser, deren Printausgaben online nur durch Bezahl-Abonnements abrufbar sind.

Aus wirtschaftlicher Not und journalistischem Engagement versuchen renommierte Journalisten das Internet zu nutzen, um sich mit unabhängigen Portalen wie autograf.hr oder forum.tm als Alternative zu den Mainstream-Medien zu etablieren. Seit Oktober 2016 wurde unter der konservativen Regierung von Tihomir Orešković die Unterstützung solcher Projekte eingestellt, was die alternativen Medienmacher an die Grenze des Ruins treibt. So reagierte zum Beispiel forum.tm mit einer Crowdfunding-Kampagne, während autograf.hr sein Angebot reduzierte und um Spenden bittet. Auch unter der ebenfalls konservativen Regierung von Andrej Plenković wurde dieser Kurs beibehalten.

Rangliste der Pressefreiheit (Reporter ohne Grenzen):
Platz 69 (2018)

Stand: Mai 2018
Zur Mediensuche

Medien aus Kroatien bei euro|topics

Zur Mediensuche