In Nordirland gibt es seit rund einer Woche nächtliche Ausschreitungen. Am Donnerstagabend bewarfen über hundert Jugendliche im Westen von Belfast sich gegenseitig sowie die Polizei mit Molotowcocktails und Steinen, woraufhin diese Wasserwerfer einsetzte. Kommentatoren sehen die seit dem Brexit verschärften Spannungen zwischen pro-britischen und pro-irischen Kräften nicht als einzigen Grund.

Die Sitzordnung ist wohl das, was vom Besuch von EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen und Ratspräsident Michel in Ankara in Erinnerung bleiben wird - als "Sofagate". Denn während Michel und Erdoğan nebeneinander auf zwei Stühlen Platz nahmen, bekam von der Leyen nur einen Platz auf einem seitlich stehenden Sofa. Vergleichsfotos zeigen, dass in dem Raum durchaus schon drei Männer auf drei Stühlen saßen.

Putin-Gegner Nawalny ist aus Protest gegen die unzureichende medizinische Behandlung im Gefängnis in den Hungerstreik getreten. Sein Gesundheitszustand hat sich weiter verschlechtert, nach eigenen Angaben und Aussagen seines Umfelds leidet er unter starkem Husten und Fieber und verliert das Gefühl in Händen und Beinen. Kommentatoren sehen den Regimekritiker in akuter Lebensgefahr.

Trotz Covax-Hilfsprogramm: Weil reiche Länder sich die knappen Corona-Impfstoffe gesichert haben, gibt es bis heute Staaten, die noch keine einzige Dosis erhalten haben. Während China und Russland ihre Vakzine von Beginn an weltweit verkauft und teilweise verschenkt haben, lehnt die EU Spenden an Entwicklungsländer bisher ab. Für Kommentatoren würde das ohnehin nichts an der globalen Schieflage ändern.

Nach massivem Druck von Präsident Miloš Zeman ist am Mittwoch der bisherige tschechische Gesundheitsminister Jan Blatný nach nur fünfmonatiger Amtszeit durch Petr Arenberger ersetzt worden. Blatný hatte sich gegen die klinische Erprobung und Einführung von Sputnik V in Tschechien gesperrt, die Zeman vehement fordert. Kommentatoren sind vom Machtspiel Zemans wie Russlands wenig begeistert.

Die Europäische Arzneimittelbehörde Ema hat ihre neuerliche Prüfung des Astrazeneca-Impfstoffs abgeschlossen und empfiehlt, ihn weiterhin uneingeschränkt zu verwenden. Es gebe zwar einen möglichen Zusammenhang mit sehr seltenen Hirnvenenthrombosen, der Nutzen des Vakzins übertreffe aber mögliche Risiken. Europas Presse bezweifelt, dass die Skepsis nun ausgeräumt ist.

Russland hat nahe der ukrainischen Grenze seine Truppen zusammengezogen und Geschütze auf der annektierten Krim in Stellung gebracht - das sorgte in den vergangenen Tagen unter anderem für besorgte Stellungnahmen der Nato und Worte der Unterstützung von Joe Biden in Richtung Kyjiw. Kommentatoren diskutieren ganz unterschiedliche Szenarien des russisch-ukrainischen Konflikts.

Bei den grönländischen Wahlen ist die sozialistische Inuit Ataqatigiit (IA) mit Abstand stärkste Kraft geworden. Sie löst die sozialdemokratische Siumut ab, die seit Bestehen des Parlaments in Nuuk nur eine einzige Legislaturperiode nicht an der Macht war. Die IA punktete vor allem mit ihrer Opposition gegen ein riesiges Bergbauprojekt, das die Siumut unterstützte. Kommentatoren stimmt das optimistisch.

Am heutigen Donnerstag prüft die französische Nationalversammlung einen Gesetzesvorschlag, der todkranken Menschen das Recht auf die Beendigung ihres Lebens durch einen Arzt gäbe. Voraussetzung: Das körperliche oder psychische Leiden muss als unerträglich eingeschätzt werden. Bisher ist nur die palliative Begleitung mit Schmerz- und Beruhigungsmitteln legal, die hochdosiert allerdings nahezu narkotisch wirken.

In der Türkei sind zehn Ex-Admiräle festgenommen worden, weil sie den geplanten Istanbul-Kanal kritisiert hatten. Insgesamt 104 Admiräle im Ruhestand hatten sich zu dem Bauprojekt geäußert. Der 45 Kilometer lange Kanal soll den Bosporus entlasten. Kritiker fürchten Umweltschäden und einen Ausstieg der Türkei aus dem Vertrag von Montreux, der den freien Schiffsverkehr durch den Bosporus regelt.

Die Kommission für Demokratie durch Recht ("Venedig-Kommission") des Europarates hat die Reform der russischen Verfassung von 2020 stark kritisiert. Diese ermöglicht Wladimir Putin unter anderem, bis 2036 zu regieren. "Die Änderungen gehen weit darüber hinaus, was nach dem Prinzip der Gewaltenteilung angemessen ist", so die Experten, und bedrohten Russlands Rechtsstaatlichkeit. Zustimmung in den Medien.

US-Finanzministerin Janet Yellen wirbt für eine globale Mindeststeuer auf Unternehmensgewinne - auch vor dem Hintergrund von Joe Bidens Plan, diese Steuer in den USA von 21 auf 28 Prozent zu erhöhen. Ist der Vorschlag geeignet, multinationale Konzerne auszubremsen, die ihre Gewinne künstlich in Länder mit niedrigen Unternehmenssteuern verlagern? Europäische Kommentatoren sehen gute Chancen.

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