Im Vorfeld des EU-Gipfels Ende Juni suchen führende Politiker nach einer Lösung im Flüchtlingsstreit. Ratspräsident Tusk sprach sich für Zentren außerhalb der EU zur Prüfung von Asylanträgen aus. Kommentatoren sind skeptisch, ob dies den entscheidenden Kompromiss im immer unversöhnlicher geführten Streit um Flüchtlingsaufnahme oder Abschottungspolitik bringen kann.

Die Euro-Finanzminister haben am Donnerstag eine letzte Zahlung an Griechenland beschlossen, damit das Land ab August wieder eigenständig auf den Kreditmärkten agieren könne. Zudem wurden Fristen zur Rückzahlung von Krediten um zehn Jahre verschoben. Lob und Kritik für die Rückkehr auf einen vorsichtigen Wachstumskurs verteilen Kommentatoren ungleich zwischen Athen und seinen Geldgebern.

Eine Rede Merkels am Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung - und gleichzeitig dem Weltflüchtlingstag - hat in Tschechien scharfe Reaktionen ausgelöst. Merkel hatte gesagt, dass es für Vertreibung "weder eine moralische noch eine politische Rechtfertigung" gebe. Einige Kommentatoren schließen sich der Empörung seitens der Politik an. Für andere wird die Sache unnötig aufgebauscht.

Russland ist besser als jeder WM-Gastgeber zuvor in das Turnier gestartet. Jubelnde Fans und Autokorsos bestimmten das Bild in vielen Städten des Landes, nachdem auch das zweite Spiel gegen Ägypten gewonnen war. Kommentatoren prophezeien jedoch, dass der Freudentaumel über die Leistungen des Teams bald in politischen Verdruss umschlagen wird.

Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen am Sonntag könnten die Türkei grundlegend verändern: Gewinnen Präsident Erdoğan und seine AKP, wird dieser seine Machtstellung durch die Einführung des Präsidialsystems konsolidieren und das parlamentarische System abschaffen. Ein Blick in die Kommentarspalten zeigt, dass sich kurz vor dem Stichtag gerne auch türkische Autoren in westlichen Blättern zu Wort melden.

Die USA kündigen ihre Mitgliedschaft im UN-Menschenrechtsrat. Washington begründet dies damit, dass der Rat voreingenommen sei - insbesondere gegen Israel. Als weiteren Schritt in die amerikanische Isolation kritisieren einige Kommentatoren diese Entscheidung, während andere Verständnis dafür zeigen.

In Ungarn droht Menschen ab sofort eine Gefängnisstrafe, wenn sie "Beihilfe zur illegalen Migration" leisten und zum Beispiel Flüchtlingen, die nicht verfolgt werden, helfen, Asylanträge einzureichen. Mit nur fünf Gegenstimmen verabschiedet wurde zudem eine Verfassungsänderung, wonach künftig keine "fremde Bevölkerung" in Ungarn angesiedelt werden darf. Kommentatoren, nicht nur in Ungarn, sind bestürzt.

Das rumänische Parlament hat am Montagabend eine umstrittene Änderung der Strafprozessordnung verabschiedet. Kritiker fürchten, dass sie den Chef der regierenden sozialdemokratischen PSD, Liviu Dragnea, begünstigt, gegen den wegen Korruptionsvorwürfen ermittelt wird. Rumänische Medien üben scharfe Kritik.

Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Macron haben sich am Dienstag in Meseberg auf Reformvorschläge für die EU geeinigt - unter anderem ein Eurozonen-Budget. Für Kommentatoren wurde das Treffen allerdings komplett überlagert vom Ärger in der Flüchtlingspolitik, den Merkel zu Hause hat. Sie ziehen unterschiedliche Schlüsse, wie sich dieser auf den deutsch-französischen Motor auswirkt.

Italiens Innenminister Salvini von der rechtsextremen Lega will Roma erfassen und alle ausweisen, die keinen italienischen Pass haben. Premier Conte vom Movimento Cinque Stelle und die EU-Kommission erinnerten daran, dass ein solches Vorgehen verfassungswidrig ist. Journalisten sind empört und hoffen, dass sich die Provokateure in Rom nicht durchsetzen werden.

Die Regierung in Wien ist empört über die mutmaßlich in großem Stil durchgeführte Bespitzelung österreichischer Institutionen durch den Bundesnachrichtendienst (BND). Medien berichteten, dass zwischen 1999 und 2006 systematisch die Kommunikation von unter anderem Ministerien und Firmen überwacht wurde. Kommentatoren glauben, dass der Zeitpunkt der Skandalisierung geschickt gewählt ist.

Der Aufschrei in sozialen Medien zeigte wohl Wirkung: Die bulgarische Kuh Penka wird nicht geschlachtet, obwohl sie im Mai einen Ausflug ins Nicht-EU-Land Serbien unternommen hatte. Die Veterinärbehörden wollten sie mit dem Verweis auf Einfuhrvorschriften töten. Doch nachdem dem Tier ein makelloser Gesundheitszustand bescheinigt wurde, darf es weiterleben. Die Episode ist ein gefundenes Fressen für Journalisten.

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