Das Treffen mit Putin am Mittwoch in Genf war US-Präsident Bidens letzte Station auf der Europareise, die mit EU-, G7- und Natogipfel sowie diversen bilateralen Gesprächen einem regelrechten Marathon glich. Deutlich wurde, dass die USA nach der Trump-Ära wieder eine stärkere Kooperation mit Europa anstreben, vor allem im Hinblick auf China. Europas Presse diskutiert die Tragweite dieser Bestrebungen.

US-Präsident Joe Biden und Russlands Präsident Wladimir Putin haben sich am Mittwoch in Genf getroffen. Sie einigten sich auf die Rückkehr der Diplomaten in ihre jeweiligen Botschaften, steckten ansonsten aber vornehmlich ihre Interessen ab. Die Erwartungen waren wegen des angespannten Verhältnisses zwischen den Staaten eher verhalten gewesen, die Bilanz der Kommentatoren ist nun ebenfalls gemischt.

Die griechische Regierung stuft die Türkei neu als "sicheren Drittstaat" ein. So wie bisher schon Syrer, sollen nun auch Menschen aus Afghanistan, Somalia, Pakistan und Bangladesch, die über die türkische Grenze ins Land gelangen, ohne Prüfung zurückgeschickt werden. NGOs klagen, damit würde fast allen in Griechenland ankommenden Flüchtlingen das Asylrecht verwehrt - egal, was ihnen in ihren Herkunftsländern widerfahren ist.

Cristiano Ronaldo hat auf einer Pressekonferenz während der Fußball-EM zwei Flaschen Coca Cola zur Seite gestellt und dann eine Wasserflasche hochgehalten und laut "água" gesagt. Der Börsenwert von Coca Cola gab anschließend drastisch nach. Bei einer weiteren Pressekonferenz räumte dann der französische Spieler Paul Pogba eine Flasche (alkoholfreies) Heineken-Bier aus dem Bild.

Anders als im Großteil der europäischen Länder gab es in Russland monatelang kaum Corona-Einschränkungen. Geimpft sind aber bislang weniger als 10 Prozent der Bevölkerung und nun steigen die Fallzahlen deutlich. Entsprechend diskutiert man mittlerweile eine Impfpflicht (in Moskau wurden Firmen bereits verpflichtet, für 60 Prozent geimpfte Mitarbeiter zu sorgen) - und vor allem die Gründe des Desasters.

Die EU und die USA haben sich im Streit um Subventionen für die Konzerne Boeing und Airbus auf einen Kompromiss geeinigt: Für vorerst fünf Jahre setzen sie gegenseitige Strafzölle aus. Damit entschärften sie einen ihrer schwerwiegendsten Handelskonflikte. Einige Kommentatoren werten dies als wegweisende Verständigung. Andere warnen, dass damit noch gar nichts gewonnen ist.

Die Nato-Staaten haben sich auf ihrem Gipfel am Montag zum ersten Mal klar zu China positioniert, das in der Abschlusserklärung als systemische Herausforderung beschrieben wird. Das bedeutet aber laut Generalsekretär Jens Stoltenberg nicht, dass China Gegner oder Feind sei. Kommentatoren beleuchten, wie Peking selbst auf die Sache blickt.

Nachdem Recep Tayyip Erdoğan in den Beziehungen zum Westen zuletzt viel Porzellan zerschlagen hatte, versuchte er sich beim Nato-Gipfel als Brückenbauer. US-Präsident Joe Biden nannte sein Treffen mit Erdoğan positiv und produktiv – wenige Wochen, nachdem er ihn als "Autokraten" bezeichnet und den Genozid an den Armeniern anerkannt hatte. Kommentatoren sind skeptisch.

Estlands Regierung will dem staatlichen Energieunternehmen 10 Millionen Euro Zuschuss über zwei Jahre zahlen, um in alten Kraftwerken Holz zu verbrennen. Ziel: die Energiekosten im strukturschwachen Nordosten des Landes niedrig halten. Estland ist sehr waldreich, doch seit Tallinn 2015 Kahlschlag auch in Naturschutzgebieten erlaubte, schrumpfen die Flächen. Die Landespresse schüttelt den Kopf.

Am heutigen Mittwoch treffen sich US-Präsident Joe Biden und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin in Genf. Dabei soll es unter anderem um die Pandemie, regionale Konflikte und Atomwaffen gehen. Biden betonte im Vorfeld, trotz Dialogs rote Linien aufzeigen zu wollen. Putin erklärte, die Beziehungen seien auf einem extrem niedrigen Niveau. Bei Europas Presse sind die Erwartungen aber nicht durchweg niedrig.

In fast allen europäischen Ländern sinken die Covid-Zahlen derzeit kontinuierlich. Ist nach den Lockerungen bei den Ladengeschäften, in der Gastronomie und teilweise in der Kultur die Zeit gekommen, auch die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes schrittweise aufzuheben? In den Kommentarspalten ist man sich nicht einig.

Ungarns Regierungspartei Fidesz hat am Dienstag ein "Anti-Pädophilie-Gesetz" beschlossen. Es untersagt die "Darstellung und Förderung" von Homo- und Transsexualität zum Beispiel in Lehrplänen, Büchern und Filmen. Geschlechtswechsel werden für Jugendliche unter 18 verboten. Kommentatoren sprechen von perfiden Methoden mit weitreichenden Folgen.

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