Nach dem Ende der Jamaika-Sondierungen sehen Beobachter Angela Merkel so angeschlagen wie noch nie. Viele fürchten, dass mit ihr ein bedeutender Faktor der Integration und Stabilität für Europa verloren gehen könnte. Doch manche Kommentatoren hoffen auch auf einen politischen Neuanfang in Berlin - für Deutschland und für die EU.

Drei Szenarien scheinen nach dem Aus für Jamaika möglich: eine Minderheitsregierung, Neuwahlen oder eine Neuauflage der Großen Koalition. Letzteres hatte die SPD am Wahlabend ausgeschlossen. Um eine Lösung zu finden, trifft Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in diesen Tagen mehrere Parteichefs und die Präsidenten von Bundestag, Bundesrat und Bundesverfassungsgericht. Gespannt beobachten Europas Medien die Entwicklungen.

Nach dem Brexit müssen zwei EU-Behörden ihren Standort wechseln. Wie am Montag entschieden wurde, zieht die EU-Bankenaufsicht (EBA) von London nach Paris um, die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) nach Amsterdam. Was einige Kommentatoren freut, ist für andere eine herbe Enttäuschung und Symbol einer tiefen Spaltung der EU.

Kremlchef Putin wird am heutigen Mittwoch in Sotschi mit seinen Amtskollegen aus Ankara und Teheran zusammenkommen, um über gemeinsame Schritte für das Bürgerkriegsland Syrien zu beraten. Laut Medienberichten will er mit Erdoğan und Rohani vor allem über die Einrichtung von Sicherheitszonen sprechen. Wird das Treffen zum Wendepunkt für die Zukunft Syriens?

Am Dienstag hat der Parlamentspräsident von Simbabwe den Rücktritt von Präsident Robert Mugabe verkündet. Der 93-Jährige hatte Simbabwe fast vierzig Jahre mit harter Hand regiert, bis das Militär vergangene Woche die Kontrolle übernahm und ihn unter Hausarrest stellte. Europas Presse widmet sich den Ursachen des Putsches und drängt Europa, sich stärker für einen Wandel in Simbabwe einzusetzen.

Frankreichs Präsident Macron hat sich nach dem Aus der Jamaika-Sondierungen sehr besorgt gezeigt. Der niederländische Außenminister Zijlstra sprach von einer schlechten Nachricht für Europa. Und EU-Kommissionspräsident Juncker fürchtet, dass ohne stabile Regierung in Berlin der Reformmotor der EU stockt. Doch nicht alle Medien blicken nun so düster auf die Zukunft Europas.

Ein New Yorker Strafprozess könnte den türkischen Präsidenten Erdoğan in Bedrängnis bringen: Angeklagt ist der türkisch-iranische Geschäftsmann Reza Zarrab wegen Verstößen gegen die Iran-Sanktionen. Doch da er als Schlüsselfigur des Korruptionsskandals gilt, der Ankara 2013 erschütterte, könnten beim Prozessauftakt in der kommenden Woche auch neue Details darüber bekannt werden. Türkische Medien sind unterschiedlicher Ansicht, wie die türkische Regierung und ihre Bevölkerung damit umgehen sollten.

EU-Ratspräsident Donald Tusk hat die polnische PiS-Regierung mit einem Tweet gegen sich aufgebracht: Auf seinem persönlichen Account fragte er am Sonntag, ob hinter der EU-skeptischen polnischen Politik ein Plan des Kreml stecke. Einige Medien quittieren den Einwurf des polnischen Ex-Premiers und Mitglieds der oppositionellen PO mit harscher Kritik.

Auf einem Gipfel in Göteborg haben sich die EU-Staaten zu gemeinsamen sozialen Mindeststandards bekannt, darunter faire Löhne, Hilfe bei Arbeitslosigkeit und angemessene Renten. Die "Soziale Säule" genannte Charta war im April von der EU-Kommission vorgelegt worden. Rechtlich ist die Erklärung allerdings unverbindlich. Entsprechend wenig euphorisch bewertet sie Europas Presse.

Irlands Regierung hat ein Veto gegen den Abschluss der ersten Brexit-Verhandlungsrunde angekündigt, sollte London nicht schriftlich zusichern, dass die Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland nach dem Brexit offen bleiben werde. Für Kommentatoren ist der Schritt nachvollziehbar. Sie warnen, dass Londons harte Haltung hinsichtlich eines Austritts aus dem Binnenmarkt für Irland fatal sein könnte.

Die Partei von Frankreichs Präsident Macron hat den bisherigen Regierungssprecher Christophe Castaner zu ihrem neuen Chef gekürt. Der Macron-Vertraute soll La République en marche nach dem Sprung an die Macht nun festigen und weiterentwickeln. Macron macht seine Partei zukunftsfähig, meinen einige Journalisten. Andere sehen aber auch Gefahren.

In Bonn geht am heutigen Freitag die Weltklimakonferenz von rund 200 Staaten zu Ende. Streit gab es zuletzt unter anderem darum, wie die Industrieländer künftig ärmere Staaten unterstützen sollen. Die mangelnde Solidarität der reichen Länder kritisieren Kommentatoren scharf und diskutieren kontrovers die Initiative einiger Länder zum Kohleausstieg.

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