Malta: Mord erschüttert Medienlandschaft

Im Oktober 2017 erschütterte die Ermordung der Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia die maltesische Medienlandschaft schwer. Sie hatte sich als Aufdeckerin von politischer und wirtschaftlicher Korruption auch im Ausland einen Namen gemacht.

Vor dem Justizpalast in Valletta erinnert ein Foto an die ermordete Journalistin Daphne Caruana Galizia.
Vor dem Justizpalast in Valletta erinnert ein Foto an die ermordete Journalistin Daphne Caruana Galizia.
Eine Bombe unter dem Sitz ihres Autos beendete am 16. Oktober 2017 das Leben von Daphne Caruana Galizia. Sie war dort von zwei Männern platziert worden, die Kontakt zum maltesischen Wirtschaftsminister gehabt haben sollen.

Auch viele Monate später ist wenig über die Hintermänner des Mordes bekannt. Klar ist aber, dass Galizia die Verstrickungen des maltesischen Premiers und seiner Frau in die Panama Papers und Energiedeals mit Aserbaidschan untersuchte.

Zum Zeitpunkt ihrer Ermordung waren 42 Verleumdungsklagen gegen Caruana Galizia anhängig, ein Zeichen dafür, wie aggressiv Maltas Politiker und Wirtschaftsbosse gegen kritische Journalisten vorgehen.

Dabei verfügt Malta im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl über eine enorm vielfältige Medienlandschaft: Es gibt 14 Tages- und Wochenzeitungen, sechs landesweite Fernsehkanäle, mehr als ein Dutzend Radiosender und mehrere Onlineportale.
Zwischen 1814 und 1964 stand Malta unter britischer Herrschaft und noch heute ist Englisch neben Maltesisch Amtssprache.

Das Erbe der ehemaligen Kolonialmacht spiegelt sich auch in den Medien wider: Die Hälfte der Printmedien, zwei Tages- und fünf Wochenzeitungen, werden auf Englisch veröffentlicht. Auflagenstärkste Tageszeitung ist die seit 1935 erscheinende englischsprachige Times of Malta, die mit rund 55.000 Lesern als Referenzblatt gilt und wie ihr englisches Vorbild The Times online teilweise auf Bezahlinhalte setzt. Die Auflagen von Maltas Printmedien sind durchgängig rückläufig, Onlineangebote verzeichnen einen rapiden Zuwachs. Malta hat im Vergleich zu anderen EU-Ländern eine sehr hohe Social-Media-Nutzungsrate pro Person.

Während die englischsprachigen Publikationen kommerziell orientiert sind, subventionieren die beiden großen politischen Parteien des Landes ihre eigenen maltesisch-sprachigen Blätter. Hier geht es weniger um Wirtschaftlichkeit als um mediale Präsenz. Der institutionelle Einfluss erstreckt sich auf zahlreiche Medien: Die seit 2013 regierende Labour-Partei besitzt neben einer Wochenzeitschrift einen Fernsehsender und eine Radiostation. Die oppositionelle Nationalist Party gibt eine Tageszeitung heraus. Die Kirche besitzt ihren eigenen Radiosender sowie ein Online-Nachrichtenportal und auch die Gewerkschaft GWU demonstriert mit einer Tages- und einer Wochenzeitung sowie einem Newsportal, wie stark Interessengruppen den Medienmarkt Maltas als Sprachrohr nutzen.

Rangliste der Pressefreiheit (Reporter ohne Grenzen):
Platz 65 (2018)

Stand: Mai 2018
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