Portugal: Anzeigenrückgang und Personalabbau

Im Zuge der allgemeinen Wirtschafts- und Finanzkrise ist Portugals Mediensystem seit vielen Jahren von Anzeigenrückgang und Personalabbau gekennzeichnet. Einige Blätter, darunter auch renommierte Titel wie das Wirtschaftsblatt Diário Económico, das als Markt- und Meinungsführer in den Bereichen Wirtschaft und Finanzen galt, mussten aus finanziellen Gründen eingestellt oder umstrukturiert werden.

Jahrestag der Nelkenrevolution (© picture-alliance/dpa)
Jahrestag der Nelkenrevolution (© picture-alliance/dpa)
Die Medien in Portugal litten lange unter Zensur, die erst mit der Nelkenrevolution 1974 wegfiel. Einige Zeitungen gelangten in Staatsbesitz und kamen erst ab Ende der 1980er Jahre wieder in die Hände privater Eigentümer. Ebenfalls in den späten 1980er Jahren begann die Öffnung des Rundfunks - bis dahin eine Domäne des Staats und der katholischen Kirche.

Beim Medien- und Zeitungsbesitz dominieren größere Medienholdings mit vorwiegend einheimischem Kapital und meist multimedialer Ausrichtung. Die Abhängigkeit der Medienunternehmen von branchenfremden sowie ausländischen Investoren - die während der Krisenjahre zum Teil stark zugenommen hatte - ist seit Ende 2015 deutlich abgeflaut.

Die Zeitungsdichte in Portugal ist gering. Als wichtigstes Leitmedium gilt die 1973 noch während der Diktatur gegründete Wochenzeitung Expresso, die samstäglich erscheint und eine liberale Ausrichtung hat. Das Blatt, das vor allem bei den zwei wichtigsten Parteien des Landes gut vernetzt ist, war während der Diktatur das Sprachrohr einer moderaten Opposition. Wichtigster Konkurrent unter den Tageszeitungen ist das 1990 von früheren Expresso-Journalisten gegründete Blatt Público.

Eine klare politische Ausrichtung der landesweit erscheinenden Zeitungen ist schwer auszumachen. Blogs spielen überwiegend nur bei den Onlineauftritten der Nachrichtenseiten eine Rolle. Insgesamt sanken die Verkaufszahlen der Zeitungen stark. Der Fall von Diário Económico ist nur ein Beispiel dafür, wie die Krise Portugals Medienlandschaft zugesetzt hat. Viele Journalisten – so die Mehrheit der Mitarbeiter der Wochenzeitung Sol und der Tageszeitung Jornal i– wurden entlassen, nachdem deren Besitzer, die angolanische Holdinggesellschaft Newshold, beide Blätter Ende 2015 abgestoßen hatte und diese dann von ihrem neuen portugiesischen Besitzer umstrukturiert worden waren.

Doch aus Portugals krisengebeutelter Zeitungsbranche gibt es auch gute Nachrichten zu vermelden: Neue journalistische Projekte, wie die erst 2016 gegründete digitale Wirtschaftszeitung ECO oder die Wochenzeitung Jornal Económico, sind im Zuge der Krise entstanden.

Im Fernsehsektor stiegen 1992/93 neben den aktuell drei Kanälen der staatlichen Anstalt RTP die privaten Konkurrenten SIC und TVI in den Markt ein. Noch heute gibt es trotz Digitalfernsehen nur diese fünf frei empfangbaren Sender. Im Rundfunkbereich betreibt die katholische Kirche den einflussreichen Sender Rádio Renascença. Der private Hörfunksender TSF, der heute als das führende portugiesische News-Radio gilt, entstand 1989.

Ranglisten der Pressefreiheit:
Reporter ohne Grenzen: Platz 18 (2017)
Freedom House: Platz 21 – Status: frei (2016)

Stand: Mai 2017
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