Portugal: Nur leichte Erholung nach der Krise

Portugals krisengebeutelte Medienlandschaft scheint sich etwas erholt zu haben, doch sie bleibt weiterhin von Anzeigenrückgang, Personalabbau und hoher Verschuldung der Medienkonzerne gekennzeichnet. Auch die wirtschaftliche Situation der Journalisten in Portugal bleibt prekär.

Zeitungskiosk in Lissabon.
Zeitungskiosk in Lissabon.
Die Gesamtverschuldung der drei größten Medienkonzerne (Cofina, Media Capital und Impresa) belief sich 2017 auf mehr als 371 Millionen Euro und ist damit ähnlich hoch geblieben, wie zum Höhepunkt der Krise vor ein paar Jahren. Während einige renommierte Titel, wie etwa der Markt- und Meinungsführer Diário Económico, die Krise nicht überlebt haben, entstanden neue journalistische Projekte im Zuge der Krise neu, wie etwa die 2016 gegründete digitale Wirtschaftszeitung Eco oder die Wochenzeitung Jornal Económico.

Doch die Situation für Journalisten bleibt weiter hart: Laut einer 2017 veröffentlichten Studie verdient mehr als die Hälfte weniger als 1.000 Euro im Monat, 12 Prozent sogar weniger als 500 Euro.

Insgesamt sind die Verkaufszahlen der Zeitungen in den letzten Jahren stark gesunken. Auch die auflagenstarken Correio da Manhã und Jornal de Notícias, haben im Jahr 2017 ihre Auflagen wieder leicht senken müssen. Die Zahlungsbereitschaft für Online-Nachrichten ist in Portugal gering und der Großteil des Umsatzes kommt noch aus der Werbung.

Die Medien in Portugal litten lange unter Zensur, die erst mit der Nelkenrevolution 1974 wegfiel. Einige Zeitungen gelangten in Staatsbesitz und kamen erst ab Ende der 1980er Jahre wieder in die Hände privater Eigentümer. Ebenfalls in den späten 1980er Jahren begann die Öffnung des Rundfunks - bis dahin eine Domäne des Staats und der katholischen Kirche.

Beim Medien- und Zeitungsbesitz dominieren heute größere Medienholdings mit vorwiegend einheimischem Kapital und multimedialer Ausrichtung. Ihre Abhängigkeit von branchenfremden sowie ausländischen Investoren, die während der Krisenjahre zum Teil stark zugenommen hatte, ist seit Ende 2015 deutlich abgeflaut.

Die Zeitungsdichte in Portugal ist gering. Als wichtigstes Leitmedium gilt die 1973 noch während der Diktatur gegründete Wochenzeitung Expresso, die samstäglich erscheint und eine liberale Ausrichtung hat. Wichtigster Konkurrent unter den Tageszeitungen ist das 1990 von früheren Expresso-Journalisten gegründete Blatt Público. Zur Gruppe der fünf landesweiten Tageszeitungen zählen noch das traditionsreiche Diário de Notícias, das auflagenstarke Jornal de Notícias aus Porto, das 2009 gegründete Blatt i, sowie das Boulevardblatt Correio da Manhã, auflagenstärkste Zeitung des Landes. Visão ist das wichtigste Nachrichtenmagazin, bedeutendste börsentäglich erscheinende Wirtschaftszeitung ist Jornal de Negócios. Blogs spielen so gut wie keine Rolle.

Im Fernsehsektor stiegen 1992/93 neben den aktuell drei Kanälen der staatlichen Anstalt RTP die privaten Konkurrenten SIC und TVI in den Markt ein. Noch heute gibt es trotz Digitalfernsehen nur diese fünf frei empfangbaren Sender. Im Rundfunkbereich betreibt die katholische Kirche den einflussreichen Sender Rádio Renascença. Der private Hörfunksender TSF (1989) gilt als das führende portugiesische News-Radio.

Rangliste der Pressefreiheit (Reporter ohne Grenzen):
Platz 14 (2018)

Stand: Mai 2018
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