Spanien: Neue Spaltungen

Das für illegal erklärte katalanische Unabhängigkeitsreferendum im September 2017 spaltete nicht nur die spanische Gesellschaft, sondern führte auch dazu, dass sich die Medien eindeutig positionierten. Dabei hatte sich vorher ein inhaltlicher Umbruch angekündigt.

Spanische Zeitungen, die am 22. Dezember 2017 vom Ausgang der Parlamentswahl in Katalonien berichten.
Spanische Zeitungen, die am 22. Dezember 2017 vom Ausgang der Parlamentswahl in Katalonien berichten.
Im Herbst 2017 positionierten sich neben den konservativen Medien auch die linksliberale El País und die katalanischen Tageszeitungen La Vanguardia und El Periódico de Catalunya eindeutig gegen eine Abspaltung Kataloniens. Den nicht geringen Anteil der pro-separatistischen Leserschaft überließ man kleinen Zeitungen wie El Punt Avui und Ara. Exemplarisch für die Spaltung ist der Wandel bei La Vanguardia: Der langjährige Chefredakteur José Antich wurde 2013 durch Màrius Carol ersetzt, der sich nun klar für die spanische Einheit ausspricht. Antich hingegen gründete 2015 das pro-separatistische Nachrichtenportal elnacional.cat.

Vorher hatte sich die Medienlandschaft Spaniens allerdings stärker aufgefächert. Der bisherige Konsens, die aktuelle Verfassung von 1978 und damit die nach der langen Militärdiktatur (1939-1975) entstandene parlamentarische Monarchie mit Madrid als politischem Zentrum nicht zu hinterfragen, bröckelte an allen Fronten. Das etablierte Zwei-Parteien-System, in dem sich konservative Volkspartei (Partido Popular, PP) und Sozialisten (PSOE) über Jahrzehnte an der Macht abwechselten, wird durch die liberale Partei Ciudadanos und die Linkspartei Podemos herausgefordert.

Entsprechend fächerte sich auch das politische Spektrum der Medien neu auf. Die konservativen Blätter (ABC, El Mundo, La Razón) propagierten weiter die starke Stellung des Königshauses, der katholischen Kirche und des Zentralstaats und die linksliberalen Medien (El País, El Periódico de Catalunya) forderten einen laizistischen und dezentralen Staat. Indes entstanden am linken Rand neue Akteure (eldiario.es, La Marea, ctxt.es), die schonungslos mit staatlichen Strukturen, Skandalen im Königshaus und den Korruptionsaffären der großen Parteien abrechnen.

Die ohnehin hohe Medienkonzentration - wenige Konzerne dominieren den Großteil der großen Verlage, Fernsehkanäle und Radiosender - nahm während der Wirtschaftskrise weiter zu. 2010 fusionierten die landesweiten Fernsehsender Cuatro und Telecinco, zwei Jahre später die Sender La Sexta und Antena 3. Auch die Qualität innerhalb des aus Steuergeldern finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunks (RTVE) ist durch Etatkürzungen bedroht.

Rangliste der Pressefreiheit (Reporter ohne Grenzen):
Platz 31 (2018)

Stand: Mai 2018
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