(© picture-alliance/dpa)

  Pressefreiheit in der Türkei

  8 Debatten

Der türkische Mischkonzern Doğan verkauft laut Insidern seine Mediensparte an den regierungsnahen Demirören-Konzern - und damit unter anderem die auflagenstärkste Tageszeitung der Türkei Hürriyet und den einflussreichen Nachrichtensender CNN-Türk. Hürriyet hatte zuletzt eine deutlich regierungsnähere Linie verfolgt. Reichte dies nicht aus?

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat die Türkei wegen der Inhaftierung von zwei Journalisten verurteilt. Die Kläger Mehmet Altan und Şahin Alpay hoffen nun, dass dies den Weg für ihre dauerhafte Freilassung bereitet. Denn als Mitglied des Europarats ist die Türkei verpflichtet, das Urteil umzusetzen. Kommentatoren hoffen außerdem, dass der Straßburger Richterspruch eine Wende markiert.

Schon seit dem 9. April sitzt der italienische Journalist Gabriele Del Grande in der Türkei im Gefängnis. Laut Medienberichten wurde er verhaftet, als er an der syrisch-türkischen Grenze Flüchtlinge interviewte. Rom forderte Ankara auf, den 34-Jährigen freizulassen. Bisher gibt es keine offizielle Anklage gegen Del Grande. Die italienische Presse kennt die Gründe für seine Inhaftierung.

Als Reaktion auf die Haft von Deniz Yücel, Türkei-Korrespondent der Welt, fordern mehrere deutsche Politiker ein Einreiseverbot für Erdoğan, der in Deutschland für sein Referendum werben will. Dem 43-jährigen Reporter wird Propaganda für eine terroristische Vereinigung vorgeworfen. Was sind Ankaras Motive und wie sollte Berlin sich nun verhalten?

In der Türkei sind Anfang der Woche der Chefredakteur und weitere Mitarbeiter der wichtigsten Oppositionszeitung Cumhuriyet festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, die kurdische PKK sowie die Bewegung des Predigers Fetullah Gülen unterstützt zu haben. Europaweit beobachtet die Presse die Entwicklungen mit großer Sorge.

Vertreter der EU haben die Übernahme der oppositionellen türkischen Zeitung Zaman kritisiert. Das Blatt war am Freitag unter staatliche Verwaltung gestellt und von der Polizei gestürmt worden. Doch für die meisten Kommentatoren ist die Kritik an Ankara viel zu zahm.

Nachdem der deutsche Botschafter in der Türkei wegen einer NDR-Satire einbestellt wurde, sorgt nun Jan Böhmermann mit einem "Schmähgedicht" für Ärger in Ankara. Der türkische Präsident Erdoğan stellte persönlich Anzeige gegen den Satiriker. Wie lässt sich der Streit lösen?

Am Freitag wird der Prozess gegen die zwei türkischen Journalisten Can Dündar und Erdem Gül von Cumhuriyet eröffnet. Sie sind angeklagt, weil sie Berichte über angebliche Waffenlieferungen des Geheimdienstes nach Syrien veröffentlichten. Die türkische Presse stellt sich überwiegend hinter die Journalisten.