Marine Le Pen wähnt sich im Aufwind

Via Twitter hat Marine Le Pen als eine der ersten Donald Trump gratuliert. Sie sieht sich – wie andere rechtsextreme Politiker in Europa – nach dessen Wahlsieg im Aufwind. Steigen ihre Chancen, die Präsidentschaftswahlen in Frankreich zu gewinnen? Oder kann sie Trump nur bedingt nacheifern?

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Dennik N (SK) / 14. November 2016

In Frankreich entscheidet nicht Trump

Eine mögliche Stärkung Le Pens im Präsidentschaftswahlkampf hat allein mit den Verhältnissen in Frankreich zu tun, meint Dennik N:

„Der Gedanke, dass der Erfolg von Trump den Extremisten und Populisten in Europa Auftrieb gibt, hat einen rationalen Kern. Der neue US-Präsident ist zweifellos zu einem Vorbild geworden, dem man nacheifern möchte. ... Le Pens Front National aber wächst schon seit einigen Jahren. Dazu trug bei, dass Le Pen die Rhetorik der Partei glatt bürstete. Zudem ist die französische Wirtschaft in schlechter Kondition. Gewisse Hoffnung macht, dass in Frankreich in zwei Runden gewählt wird. Da kann Trump Le Pen schlecht helfen. ... Sieg oder Niederlage werden innerfranzösische Gründe haben und nicht davon beeinflusst werden, dass Trump im Weißen Haus sitzt.“

Marianne (FR) / 09. November 2016

Le Pens Strategie wird nicht aufgehen

Donald Trump hat gegenüber Marine Le Pen einen strategischen Vorteil, analysiert Marianne:

„Mittels seiner deutlichen und wiederholten Ausfälle und Provokationen, deren Verbreitung die entsetzten Medien verstärkt haben, hat Donald Trump den Teil der Wählerschaft mobilisiert, der bislang in Gleichgültigkeit verharrte. ... Indem Marine Le Pen jedoch alles auf Entdämonisierung setzt, indem sie ihre Äußerungen mäßigt, indem sie sich bemüht, als verantwortungsvolle Kandidatin aufzutreten, und indem sie sogar die Medien dem Rednerpult vorzieht, hat sie es zwar geschafft, ihre Zuhörerschaft zu vergrößern, doch kann sie auf diese Weise immer noch nicht die hinterste Reihe der Nichtwähler mobilisieren, mit deren Hilfe sie die 50-Prozent-Marke knacken könnte. Donald Trump ist dies offenbar gelungen, und das sogar in Staaten wie Florida und North Carolina, die seine Gegnerin sicher zu haben schien.“

Dagens Nyheter (SE) / 14. November 2016

Le Pen kann Trump nur bedingt nacheifern

Dagens Nyheter sieht durchaus Chancen, einen Wahlsieg Le Pens zu verhindern:

„Auch in Frankreich gibt es Wähler, die Angst vor der Zukunft haben. Vieles spricht aber auch gegen Le Pen. … Bei den Regionalwahlen vor einem Jahr wurde ihr Front National stark, kam aber nicht auf mehr als 30 Prozent. Sie ist kein unbeschriebenes Blatt, im Gegenteil, sie ist schon lange Zeit in der Politik. Die versteckte Unterstützung scheint nicht so groß zu sein, denn diejenigen, die für sie stimmen, schämen sich nicht. Die Forderung, den Franc wieder einzuführen, schreckt nicht nur die Wirtschaft, sondern auch Rentner und Sparer. ... Eine Präsidentschaft Le Pens wäre ein weiterer Schlag in den Magen einer liberalen und humanistischen Weltordnung. Die anständigen Parteien müssen deshalb zeigen, dass sie in der Lage sind, die politischen und wirtschaftlichen Probleme zu lösen.“

Financial Times (GB) / 14. November 2016

Newcomer gegen Rechtsextreme nominieren

Politiker, die sich wie Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron tatkräftig und optimistisch präsentieren, könnten Marine Le Pen aufhalten, glaubt die Financial Times:

„Es mag unwahrscheinlich sein, dass der frühere Wirtschaftsminister die Wahl gewinnt. Die politische Kultur hat nur selten einen Gemäßigten oder einen Wirtschaftsliberalen begünstigt. Doch er ist auf dem politischen Parkett noch relativ neu und bietet den dringend benötigten Optimismus sowie die Bereitschaft, umstürzlerische Ideen voranzubringen. Es ist zu hoffen, dass sich die etablierten Parteien auf Kandidaten einigen, die eine ähnlich positive Alternative zu den Rechtsextremen darstellen, und nicht auf eine verwässerte Version von deren Politik setzen. Le Pens Beliebtheit spiegelt die Unzufriedenheit der Wähler mit einem System wider, das sie im Stich gelassen hat. Doch sie bietet keine Antworten, und es darf ihr nicht erlaubt werden, die Form der Debatte zu diktieren.“

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