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Kultur

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KULTUR

Observator Cultural - Rumänien | 20.11.2008

Die Illusion des rumänischen Antikommunismus

Nachdem 2006 eine Expertengruppe einen Bericht zu den Verbrechen des Kommunismus in Rumänien veröffentlicht hatte, beschäftigt sich nun ein neues Buch mit dem Erbe des Kommunismus in Rumänien: "Die Illusion des Antikommunismus". Vasile Ernu, der Herausgeber, erklärt in der Zeitung Observator Cultural: "Wir können den Kommunismus nicht so behandeln wie eine Missbildung: dass wir keine Schuld haben, denn der Kommunismus sei von den Nachbarländern gekommen. Die Verlagerung der Schuld und der Verantwortung ist bei uns eine landesweite Sportart. Ich sage immer: die Periode unter [Nicolae] Ceauşescu ist die monströseste Periode und leider auch die bezeichnendste politische Periode des modernen Rumäniens. Ceauşescu ist das wichtigste Ereignis der rumänischen Politik, ob uns das nun gefällt oder nicht. Ceauşescu ist ein perfekt rumänisches Fabrikat. Er ist kein Naturereignis, sondern ein kulturelles Produkt. ... Wir können uns nicht die Hände rein waschen, wir müssen Verantwortung übernehmen." (20.11.2008)

Romania Libera - Rumänien | 18.11.2008

Rumänisches Bildungssystem in Warteposition

Das Parlament hatte vor einigen Wochen für die rumänischen Lehrer eine 50-prozentige Lohnerhöhung verabschiedet, doch bisher ist nichts geschehen. Die Zeitung Romania Libera schreibt: "In Wirklichkeit beschreibt die ewige Warteposition das Bildungssystem der vergangenen 18 Jahre perfekt. Man hat auf Geld gewartet, auf Reformen, auf Dezentralisierung, auf eine veränderte Prüfungsstruktur, und in einigen Jahren wird man wegen des Geburtenrückgangs vergeblich auf Schüler warten. ... In diesem von Erwartungen geprägten Chaos gibt es nur wenige Reformen des Bildungsministeriums, die eine wichtige Verbesserung im Bildungssystem markieren: nämlich eine spezialisierte Uni-Ausbildung, um künftige Lehrer auszubilden. ... Mit dem erworbenen Wissen erreichen die Absolventen jedoch nicht einmal die Mindestnote bei der Prüfung, die sie machen müssen, um als Lehrer arbeiten zu dürfen. Die 30 pädagogischen Stunden und die zwei, drei Praxisstunden lassen sie unvorbereitet vor der Klasse stehen. So lange das so schlimm ist, kann man nicht von attraktiven Lehrstunden und gut ausgebildeten Lehrern sprechen." (18.11.2008)

La Repubblica - Italien | 15.11.2008

Kunst und Hot Dogs

Das italienische Kulturministerium bekommt einen neuen Super-Manager für Museen, der vor allem neue Geldquellen durch eine kommerzielle Leihpolitik von Kunstschätzen erschließen soll. Ohne die übliche öffentliche Ausschreibung nominierte Kulturminister Sandro Bondi den 62-jährigen Mario Resca, seit 12 Jahren Vorstand von McDonald's Italien. La Repubblica kritisiert die Personalentscheidung: "Kasse machen, Gewinne erzielen, aus den roten Zahlen kommen, das ist die Devise des Ministeriums, die mit der Ernennung von Mario Resca zum Super-Manager verfolgt wird. Ein erfahrener Techniker, der weiß, wie man Geld macht, eben wie bei McDonald's. Hot Dog wie Caravaggio - eine leichte Ironie, die aber gefährlich ist. Dabei vergisst man, dass das Kulturgut nicht ausgeschlachtet werden darf, sondern geschützt, bewahrt und an künftige Generationen weiter gegeben werden muss. Museen sind keine Unternehmen. ... Einen Kunsthistoriker zum Geschäftsführer von McDonald's zu ernennen, hätte den gleichen Effekt und die gleiche Empörung hervorgerufen." (15.11.2008)

El País - Spanien | 17.11.2008

Viel Stoff für Romane

Der Schriftsteller Manuel Rico fragt in der Tageszeitung El País, warum es so wenige Romane über das Leben während der Franco-Diktatur in Spanien gibt. Es gebe genügend Themen, die kaum behandelt worden seien: "Ich denke zum Beispiel an den Alltag in den 1950er und 1960er Jahren und an das Leben - und Gewissen - einer eingeschlafenen Gesellschaft, die in einem fiktiven Frieden zusammenlebt, während die Gefängnisse mit politischen Häftlingen gefüllt sind, mit der aufgezwungenen Gewohnheit an das Schweigen, an die Selbstzensur, an die Angst. Ist diese Wirklichkeit nicht ein Teil unserer Erinnerung und Grund für unsere heutigen Ängste und Komplexe? Warum nehmen wir es mit Normalität oder sogar mit Enthusiasmus auf, dass Ian McEwan die Anti-Vietnamkriegsproteste seiner Protagonisten beschreibt, bezeichnen aber die spanischen Erzähler als Pamphletisten, wenn sie über die Studentenunruhen der 1960er Jahre schreiben oder über die großen politischen und gesellschaftlichen Konflikte, die in den 1970er Jahren Risse in das Gebäude des Frankismus trieben?" (17.11.2008)

To Ethnos - Griechenland | 13.11.2008

Patriarch der Vergangenheit

Der serbisch-orthodoxe Patriarch Pavle, der sich seit einem Jahr in einem Belgrader Krankenhaus aufhält, hatte im Oktober seinen Rücktrittsantrag gestellt. Die Kirchenversammlung beschloss jedoch, er solle lebenslang im Amt bleiben. Die Tageszeitung To Ethnos sieht eine politische Dimension des innerkirchlichen Machtkampfes: "Die Kirchenversammlung hat sich aus Not entschieden, Pavle zu behalten, weil sie sich nicht auf einen Nachfolger einigen konnte. … Pavle ist ein Mensch der Vergangenheit. … Er ist in das Patriarchat aufgestiegen, als die Nationalisten zusammen mit [dem ehemaligen serbischen Präsidenten Slobodan] Milošević an die Macht kamen. … Außer dem großen Einfluss, den die Kirche Serbiens im politischen Leben des Landes hat … bezieht sich die Bedeutung ihrer politischen Kontrolle auf eine andere sehr bedeutende Tatsache: … Zur Kirche gehören nicht nur die Serben Serbiens, sondern auch die [Serben] aus Bosnien, Kosovo und Kroatien. Deswegen ist es für die USA und die EU von besonderer Bedeutung, dass ein pro-westlicher Patriarch gewählt wird." (13.11.2008)

Süddeutsche Zeitung - Deutschland | 13.11.2008

Revolution der Wohnästhetik?

Aufgrund der Finanzkrise entdecke der amerikanische Immobilienmarkt europäische Architektur-Vorzüge, schreibt die Süddeutsche Zeitung. "Nichts verkörpert den amerikanischen Geist, in dem sich Unabhängigkeit, Individualismus und die Liebe zur Scholle verbinden, so sehr wie das amerikanische Haus. ... Seit den fünfziger Jahren hat sich in den USA der Bedarf an persönlichem Wohnraum fast verdreifacht. Dieser Exzess scheint nun vorbei zu sein, bedingt auch durch die Benzinpreise und der damit einhergehenden Stagnation der gigantischen Pendlersuburbs. ... Stattdessen hat Amerika eher europäische Wohndimensionen und die Energieeffizienz für sich entdeckt. Das könnte einer Revolution der amerikanischen Wohnästhetik gleichkommen. ... Wenn die US-Häuser nun deutsche Solardächer, skandinavische Schlichtheit und dicke Schweizer Wände erhalten, wenn sie zugunsten energieeffizienter, also kompakter Kubaturen auf ihr romantisches Beiwerk verzichten, dann wird dies das endgültige Aus für die Welt der Waltons [US-amerikanische Familienserie] bedeuten." (13.11.2008)

Le Monde - Frankreich | 12.11.2008

Literaturpreise der Integration

Ein afghanischstämmiger und ein guineischer Schriftsteller haben in Frankreich renommierte Literaturpreise erhalten. Dies sei ein Zeichen, dass Frankreich seine Multikulturalität endlich akzeptiert, findet die Tageszeitung Le Monde: "Wenn noch jemand ... an der Fähigkeit dieses Landes zweifelt, seine [kulturelle] Mischung zu akzeptieren, und wenn sich noch jemand Fragen über die Verbreitung der Frankophonie stellt, dann gibt die Wahl des Afghanen Atiq Rahimi durch die Goncourt-Jury und die des Guineers Tierno Monénembo durch die Renaudot-Jury eine eloquente Antwort. Sicher schaffen zwei Literaturpreise unsere verachtenswerten identitären Empfindlichkeiten nicht ab. Doch für diese aus dem Ausland stammenden Schriftsteller ist Französisch die Sprache der Freiheit. Sie rufen den Franzosen zu Recht in Erinnerung, dass sie gut daran täten, ihre Belagerungsmentalität zu kurieren." (12.11.2008)

El Mundo - Spanien | 12.11.2008

Kunst stillt keinen Hunger

Der spanische Bildhauer Miquel Barceló steht kurz vor dem Abschluss eines riesigen Werks, das die Kuppel des Menschenrechtssaals des Uno-Gebäudes in Genf ausschmückt. Die 20 Millionen Euro für das Werk stammen teilweise vom spanischen Staat. 500.000 Euro wurden anscheinend einem Topf für Entwicklungshilfe entnommen. Dies kritisiert El Mundo: "Es geht natürlich nicht darum, den künstlerischen Wert des Werks des mallorquinischen Künstlers zu hinterfragen - worüber es unterschiedliche Meinungen geben kann - sondern sich die Frage zu stellen, ob öffentliche Gelder dafür benutzt werden sollten, die so genannte Allianz der Zivilisationen auszuschmücken, eine schnell verdampfte Initiative, die von [dem spanischen Regierungschef José Luis Rodríguez] Zapatero während seiner ersten Legislaturperiode angestoßen wurde und die heute fast vergessen ist. Und wenn dies schon diskutierenswert ist, ist es tatsächlich ein starkes Ding, Geld zu benutzen, das laut Gesetz für Entwicklungsländer bestimmt ist. Die Kuppel von Barceló ist wohl ein Kunstwerk, aber sie verbessert nicht das Leben der Armen." (12.11.2008)

La Repubblica - Italien | 11.11.2008

Rettung der Kultur ist erste Bürgerpflicht

Im Vorfeld der Tagung Alarm Kulturgüter in Rom lanciert der Gründer der italienischen Tageszeitung La Repubblica Eugenio Scalfari einen Appell, die Hoheit über das Kulturgut nicht aus der Verantwortung des Staates zu geben. "In der tiefen Umwälzung unserer Gesellschaft auf Grund der Wirtschaftskrise läuft die Kultur Gefahr, das schwächste Glied in der Kette und gar das Opfer zu werden. Kultur und Forschung gelten als optional, die Kürzungen im Haushaltsplan haben vor allem sie getroffen. Dabei hat man nicht erkannt, dass es hier nicht um Ausgaben sondern um Investitionen geht. Die Gesamtheit der Kulturgüter, ihre Bewahrung und ihre Bewertung, haben eine direkte Auswirkung auf die Wirtschaft unseres Landes, denn sie sind an die Tourismusindustrie, eine der größten Einnahmequellen unseres Landes, gekoppelt. … Der Föderalismus wird die Zerstörung des Kulturguts voran treiben, wenn die öffentliche Meinung die Rettung der Kultur nicht zur allerersten Bürgerpflicht macht." (11.11.2008)

NRC Handelsblad - Niederlande | 11.11.2008

Kultursektor als Opfer der Kreditkrise

Die niederländische VSB-Bank wird als Folge der Kreditkrise ihren Kulturfonds um 30 Millionen Euro kürzen. Auch andere Sponsoren kündigten Sparmaßnahmen an. Muss Kulturminister Ronald Plasterk "jetzt die Schatzkiste öffnen", fragt das überregionale NRC Handelsblad: "Nein. Es gibt keinen Grund, den Kunstsektor durch den Staat zu sozialisieren, wenn die private Welt wegen der ökonomischen Rezession unerwartet versagt. Die Regierung schafft die Rahmenbedigungen für ein langfristiges florierendes kulturelles Leben. Das tut sie mit Strukturen, mit Geld und manchmal mit guten Worten. Mit diesen guten Worten kann Plasterk die Sponsoren davon überzeugen, dass der Kultursektor nicht das erste Opfer der Rezession werden darf. Aber er darf nicht den Eindruck erwecken, dass der Staat einspringt, wenn andere Parteien ausfallen. Die Kreditkrise trifft viele Sektoren in der Gesellschaft, die Kultur trifft es leider auch." (11.11.2008)


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