Finnland: Eifrige Zeitungsleser

Die Medienkrise und der Umbruch der Medienlandschaft sind Dauerthemen in Finnland. Zwei umstrittene Steuerentscheidungen haben die Debatte befeuert: die Einführung der Mehrwertsteuer für Printprodukte 2012 - zunächst neun, mittlerweile zehn Prozent - und ein Jahr später die Einführung der sogenannten Yle-Steuer, benannt nach der finnischen Rundfunkanstalt, die die gerätebezogene Fernsehgebühr ersetzte. Die Zeitungsverlage machen die Mehrwertsteuereinführung mitverantwortlich für den fortschreitenden Auflagenrückgang.

Medienhaus Sanoma in Helsinki (© picture-alliance/dpa)
Medienhaus Sanoma in Helsinki (© picture-alliance/dpa)
Mittlerweile hat sich die Einführung der Mehrwertsteuer auf Printprodukte auch für den Staat als Fehler erwiesen. Spülte die Steuer 2013 noch 31 Millionen Euro in die Staatskasse, waren es 2015 nur noch 15 Millionen. Die Steuer lässt sich nämlich umgehen. So verschicken mittlerweile die beiden Medienunternehmen A-Lehdet und Sanoma ihre Zeitschriften von Norwegen aus. Werden die Zeitschriften aus einem Nicht-EU-Land versendet, ist das Abo mehrwertsteuerfrei.

Trotz des Auflagenrückgangs sind die Finnen im internationalen Vergleich weiterhin eifrige Zeitungsleser. Auf 1.000 Einwohner kommen 338 Zeitungsexemplare (2014). Finnland rangiert damit weltweit an dritter Stelle.

Kennzeichnend für die finnische Medienlandschaft ist eine hohe Konzentration. Zwei Medienkonzerne, Sanoma und Alma Media, kontrollieren einen großen Teil der Tageszeitungsauflage. Beide Unternehmen sind darüber hinaus noch im Fernsehen, Hörfunk und Internet engagiert. Die mit Abstand auflagenstärkste und einflussreichste Tageszeitung ist die vom Sanoma Konzern herausgegebene Helsingin Sanomat. Neben den finnischsprachigen Zeitungen gibt es eine Reihe schwedischsprachiger Zeitungen, die sich an die schwedischsprachige Minderheit richten.

In den vergangenen Jahren haben die Verlage ihre Zusammenarbeit verstärkt, um Kosten zu senken. 2014 schlossen zwölf Regionalzeitungen eine Kooperationsvereinbarung, die die gemeinsame Produktion von Inhalten für Print- und Internet vorsieht. Darüber hinaus haben die Verlagshäuser ihre Internetaktivitäten deutlich ausgebaut, verzeichnen eine kräftige Zunahme der Internet-Werbeeinnahmen und bieten Inhalte teilweise oder vollständig nur noch gegen Bezahlung an. Im selben Maße wie Verlagshäuser und Privatfernsehanstalten ihre Position im Internet stärken, wächst die Kritik an der steuerfinanzierten Rundfunkanstalt Yle, die mit ihren online angebotenen kostenlosen Nachrichten und Filmen den Privatunternehmen Konkurrenz macht.

Fernsehen gibt es in Finnland seit Mitte der 1950er Jahre und wird heute ausschließlich digital ausgestrahlt. Von Beginn an gab es eine Mischung aus öffentlichem und privatem Rundfunk, wenn auch die werbefinanzierten Programme des Senders MTV anfangs nur stundenweise auf den Kanälen der staatlichen Rundfunkanstalt Yle ausgestrahlt wurden. Erst 1993 erhielt MTV einen eigenen Kanal. Heute gibt es eine breite Palette von öffentlichen und privaten Kanälen, die Yle-Kanäle vereinigen laut Erhebungen von 2015 aber mehr als 40 Prozent der Zuschauer auf sich.

Ranglisten der Pressefreiheit:
Reporter ohne Grenzen: Platz 3 (2017)
Freedom House: Platz 2 – Status: frei (2016)

Stand: Mai 2017
Zur Mediensuche

Medien aus Finnland bei euro|topics

Zur Mediensuche