Slowakei: Wenig Abwechslung auf dem Markt

In der Slowakei prägen die wenigen Blätter, die landesweit erschienen, den politischen Diskurs. Audiovisuelle Medien spielen in der Slowakei eine untergeordnete Rolle, und das Web bietet wenig Alternativen. Mit der publizistischen Vielfalt ist es daher nicht weit her in der Slowakei.

Slowakische Zeitungen (© picture-alliance/dpa)
Slowakische Zeitungen (© picture-alliance/dpa)
An einem Tag im Oktober 2014 erschien die liberale Tageszeitung Sme mit einem überdimensionalen Titelbild, das ihren von den Redakteuren verlassenen Newsroom zeigte. Das Foto hatte Symbolkraft: Gerade hatte der bisherige deutsche Miteigentümer des Verlags, die Rheinische Post, ihren 50-prozentigen Anteil indirekt an die Investmentgruppe Penta verkauft. Penta war mutmaßlich in den bislang größten Korruptionsskandal des Landes verwickelt. Die Redakteure der Sme gehörten zu denen, die hier viel Aufklärungsarbeit leisteten.

Die Chefredaktion und etwa die Hälfte der Redakteure wollten nicht unter Penta arbeiten, weil das mit ihrem Selbstverständnis als unabhängige Berichterstatter kollidieren würde. Dies sollte mit dem erwähnten Titelfoto ausgedrückt werden. Besagte Redakteure gründeten die neue unabhängige Zeitung Dennik N, die am 1. Januar 2015 erstmals erschien. Die Rheinische Post hatte als Miteigentümer nie Einfluss auf den politischen Inhalt der Sme genommen und zog sich allein aus wirtschaftlichen Gründen zurück.

Dieser Einschnitt in der Zeitungslandschaft ist deshalb bedeutsam, weil die wenigen landesweit erscheinenden Blätter entscheidend die politische Meinung prägen. Seit Jahren ist die Sme beispielsweise die eigentliche Opposition zur linkspopulistischen Regierung von Premier Fico. Wie gespannt das gegenseitige Verhältnis ist, wird durch die Tatsache belegt, dass Fico bei Pressekonferenzen Fragen der Sme prinzipiell nicht beantwortet.

Ein Gesetz, das mit der Mehrheit von Ficos Regierungspartei verabschiedet wurde und das tägliche Gegendarstellungen der Regierenden in den Zeitungen befürchten ließ, ist in der Wirklichkeit ohne Auswirkungen geblieben. Gegen dieses Gesetz hatten auch internationale Journalistenorganisationen protestiert.

Die elektronischen Medien sind vergleichsweise schwach: Der öffentlich-rechtliche Hörfunk und das Fernsehen sind regierungsnah und publizistisch zahnlos. Gleiches gilt für den privaten Info-TV-Kanal TA3. Die Informationssendungen der großen Privat-TV-Stationen Markiza und Joj werden von Boulevard-Themen bestimmt.

Sme und Pravda haben die Zeitungskrise mit Auflagenrückgängen und Einnahmeneinbußen bezahlt. Sie regierten gemeinsam mit anderen Medien mit Hilfe eines landesweit einheitlichen Bezahlmodells für die Kommentare in ihren Internetausgaben. Die Pravda ist davon 2014 wieder abgerückt. Beide Internetausgaben erzielen hohe Besucherzahlen, wobei die Sme klar vorn liegt.

Politische Blogs spielen in der Slowakei weiterhin eine völlig untergeordnete Rolle. Das hängt in gewisser Weise mit der immer größer werdenden Politikverdrossenheit zusammen.

Ranglisten der Pressefreiheit:
Reporter ohne Grenzen: Platz 17 (2017)
Freedom House: Platz 38 – Status: frei (2016)

Stand: Mai 2017
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