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TOP-THEMA | 10.11.2008

Hoffnungen auf Bretton Woods II

Vertreter der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) treffen sich am kommenden Samstag zu einem Finanzgipfel in Washington. In Anlehnung an die Konferenz von 1944, auf der die globale Wirtschaftspolitik des 20. Jahrhunderts geschaffen wurde, sprechen viele von einem zweiten Bretton Woods. Die europäische Presse diskutiert die Erwartungen und Hoffnungen, die Europa mit dem Treffen verbindet.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Gândul - Rumänien, Financial Times Deutschland - Deutschland, Corriere del Ticino - Schweiz

Gândul - Rumänien

Die Tageszeitung Gandul meint, die europäischen Staaten werden sich nicht nur mit den USA einigen müssen, sondern auch unter sich: "Unterschiedliche Ansichten gibt es nicht nur zwischen den USA und der EU, sondern auch innerhalb der Union. Jene 27 sind sich in der großen Linie einig, eine deutlich verstärkte Kontrolle des Marktes zu fordern, dessen Schwächen sich jetzt klar in der aktuellen Krise gezeigt haben, doch gibt es Divergenzen in den Details. Ein Detail, über das sich die 27 einig werden müssen, ist die Rolle des IWF [Internationalen Währungsfonds] in der neuen Architektur des Weltfinanzsystems. Im Gegensatz zu den offiziellen Statements, dass es eine gemeinsame Position gebe, sorgen sich die liberaleren Länder (Großbritannien, Schweden) weiterhin über das sehr große Risiko einer Überreglementierung. … Der G-20-Gipfel ist damit nicht mehr als eine erste Etappe auf dem langen Weg das internationale Finanzsystem zu reformieren." (10.11.2008)

Financial Times Deutschland - Deutschland

Die Wirtschaftszeitung Financial Times Deutschland meint, Europa müsse auf dem G20-Gipfel standhaft bleiben: "Die Europäer fahren mit großem Selbstbewusstsein und noch größeren Erwartungen zu dem Treffen. ... Die EU-Staaten dürfen Konflikte in den Verhandlungen mit den Amerikanern und den Schwellenländern nicht scheuen. Das europäische Konzept, als Folge der Krise einen stärker regelgebundenen und überwachten Finanzkapitalismus zu fordern, ist die einzige überzeugende Antwort auf die aktuelle Lage. Stehen die Europäer in Washington vereint hinter ihrem Ansatz, dann kann die Kraft ihrer Argumente die Reform der globalen Finanzmärkte entscheidend prägen. Je mehr Zeit verstreicht und der Schock der Krise nachlässt, desto schwerer wird es, weltweit politische Energie für eine solche Reform zu mobilisieren." (10.11.2008)

Corriere del Ticino - Schweiz

Die Schweizer Tageszeitung Corriere del Ticino sieht das von China beschlossene 460 Milliarden Euro schwere Konjunkturprogramm als vorbildlich: "Die geeignete Antwort des G 20 ist eine gemeinsame Verabschiedung von Konjunkturpaketen nach dem Vorbild Chinas. Aber dazu fehlt das Geld. Doch ist man berechtigt zu hoffen, dass in Washington eine gemeinsame Erklärung erreicht wird, in der die Teilnehmer sich verpflichten, Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft zu ergreifen und weiterhin zusammenzuarbeiten, um die Implosion des Bankensystems zu verhindern. Es ist auf jeden Fall ein positives Ergebnis, weil es den Willen zeigt, gemeinsam zu handeln und nicht jeder für sich und folglich gegeneinander. Dieser Wille der Kooperation wird noch verstärkt werden, wenn die Zwanzig sich verpflichten, einen Prozess zur Neugründung der Weltordnung zu beginnen. Ein zweites Bretton Woods ist machbar, es wird aber auf den Widerstand der Finanzwelt stoßen, die die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat, die Gesten der letzten Jahre zu wiederholen." (10.11.2008)

TOP-THEMA | 07.11.2008

Russlands Drohgebärde

In seiner ersten Rede zur Lage der Nation kündigte Russlands Präsident Dimitrij Medwedjew an, er wolle Kurzstreckenraketen in Kaliningrad stationieren. Die Iskander-Raketen sollen den von den USA in Polen und Tschechien geplanten Raketenabwehrschild "neutralisieren". Die europäische Presse diskutiert die russische Drohgebärde und ihre politischen Konsequenzen.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Postimees - Estland, Latvijas Avīze - Lettland, Delo - Slowenien, The Irish Times - Irland

Postimees - Estland

Die estnische Tageszeitung Postimees ist von der Ankündigung Medwedjews wenig überrascht: "Stellen wir uns vor, im Gebiet Kaliningrad werden tatsächlich Iskander-Raketen stationiert. Was dann? Der Rede von Medwedjew ist schließlich auch die Jahresansprache seines Vorgängers Wladimir Putin vorangegangen, in der dieser eine verstärkte Aufrüstung Russlands ankündigte. … Moskau hat außerdem schon vorher gedroht, sein Atomwaffenarsenal auf Polen und Tschechien zu richten, als diese ihre Verträge mit den USA unterzeichneten. Und warum nicht auch auf die Ukraine, wenn diese nicht aufhört, in die Nato zu streben? Russland wird von nationalistischen Interessen diktiert und neigt zu Abenteuern mit einem aggressiven und expansionslüsternen Unterton, auch wenn das schon fast klingt wie ein Klischee." (07.11.2008)

Latvijas Avīze - Lettland

Die Tageszeitung Latvijas Avize kritisiert Medwedjews militärische Rhetorik, mahnt aber zur Besonnenheit: "Das Dümmste, was amerikanische, polnische, tschechische, lettische oder andere Politiker aus Nato-Mitgliedsstaaten jetzt tun können, ist zu versuchen, Moskau klarzumachen, dass unsere Schutzsysteme keine Bedrohung für Russland darstellen, sondern zur Abwehr von Angriffen terroristischer Regime gedacht sind. Sich rechtfertigen zu müssen, wäre für die stärkste Militärallianz der Welt nichts anderes als eine Erniedrigung. … Wir sollten einfach in aller Ruhe abwarten, was bei der angekündigten Stationierung von Iskander-Raketen am Ende tatsächlich herauskommt. Beim Georgien-Krieg wurde nur allzu deutlich, wie schadhaft und veraltet große Teile der russischen Rüstungstechnik sind. Die Leidtragenden der Drohungen von Medwedjew werden am Ende die Bewohner von Kaliningrad selbst sein, wenn ihr Gebiet weiter militarisiert wird." (07.11.2008)

Delo - Slowenien

Die baltischen Staaten aber auch Tschechien und Polen sind besorgt, schreibt die Tageszeitung Delo. Deshalb müsse die Politik der EU gegenüber Russland konsistenter und konsequenter werden: "Die EU Kommissarin für Außenbeziehungen Benita Ferrero-Waldner hat sich trotz der russischen Drohung, ein Raketenabwehrschild in Kaliningrad aufzustellen, für einen Beginn der Verhandlungen über Partnerschaft und Zusammenarbeit zwischen der EU und Russland eingesetzt ... Die EU-Politik ist inkonsistenter als die russische: Einerseits kritisiert Europa Russland, andererseits schmeichelt Europa dem Land wegen der Abhängigkeit von seiner Energie. ... Das neue Europa zweifelt nicht daran, dass die USA auch in Zukunft mehr Verständnis für ihre Ängste haben werden – und das trotz des Regierungswechsels ... In den Beziehungen zwischen den USA und Russland sind keine besonderen Verschiebungen zu erwarten. In den Beziehungen zwischen der EU und Russland jedoch wünschen sich zumindest die ehemaligen Mitglieder des Warschauer Pakts ein wenig mehr Konsistenz, wenn nicht sogar Schärfe." (07.11.2008)

The Irish Times - Irland

Die Tageszeitung The Irish Times meint, dass auch der künftige demokratische US-Präsident Barack Obama strategische Entscheidungen vor sich habe: "[Medwedjews] unverblümte Drohung, dass die neue US-Regierung sich 'für eine vollwertige Beziehung mit Russland entscheiden' müsse ... kann als Eröffnungssalve in einem neuen Kalten Krieg gelesen werden oder – was vielleicht überzeugender ist – als ein klares Statement, dass russische Interessen in der Bestandsaufnahme der Politik nach dem Sieg Obamas nicht übersehen werden sollten. Die Demokraten sind viel skeptischer gegenüber der Raketenabwehr, weil sie glauben, dass sie technisch unbewährt und untragbar teuer ist. ... Obama kann sich nicht leisten, von der russischen Ankündigung in die Defensive gedrängt zu werden, aber er will auch keine zu feindliche Position einnehmen, bevor er das Amt übernimmt. Dieser politische Wechsel verspricht, viel aktiver und substanzieller als die vorherigen zu werden." (07.11.2008)

TOP-THEMA | 06.11.2008

Hohe Erwartungen

Nach dem Jubel über seine Wahl zum 44. US-Präsidenten hat die europäische Presse hohe Erwartungen an Barack Obama. Er soll die Vereinigten Staaten aus der Finanzkrise führen und vor allem die Beziehungen seines Landes mit Europa und der Welt verbessern. Doch die Medien warnen auch vor zuviel Euphorie.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Jyllands-Posten - Dänemark, Postimees - Estland, I Kathimerini - Griechenland, Népszabadság - Ungarn, Lidové noviny - Tschechien, NRC Handelsblad - Niederlande

Jyllands-Posten - Dänemark

Auf Obama kommen gewaltige Aufgaben zu, schreibt die Tageszeitung Jyllands-Posten: "Der neu gewählte Präsident hat die Macht offiziell noch nicht übernommen, da muss er schon die Wirtschaft in den Griff bekommen. Er soll einen verantwortungsvollen Rückzug aus dem Irak einleiten und die Bürgerrechte respektieren. Gleichzeitig sollen sich die USA an die Spitze stellen und ihrem Anspruch als Supermacht gerecht werden. Die Welt wartet auf eine neue Energiepolitik und einen verantwortungsvollen Kurs gegen die Klimaerwärmung. Die Amerikaner erwarten, dass alle ins Krankenversicherungssystem aufgenommen und die Löcher im sozialen Netz gestopft werden. Die Liste der Probleme ist noch länger und keiner kann sie alleine lösen. Deshalb ist es gut zu hören, dass der geschlagene John McCain die Hand zur Zusammenarbeit ausstreckt." (06.11.2008)

Postimees - Estland

Die Tageszeitung Postimees fragt, wie es mit der Außenpolitik aussehen wird: "Für uns in Estland und in ganz Europa ist es ganz besonders wichtig, welchen Kurs die USA hier einschlagen. Die Fehleinschätzungen von George W. Bush in Bezug auf den Nahen und Mittleren Osten haben hunderte Milliarden an Steuergeldern verschlungen, dafür aber lediglich in gefährlichem Maß die Glaubwürdigkeit der USA beschädigt. Zu den ersten Aufgaben des neuen Kapitäns wird es daher gehören, dieses verloren gegangene Vertrauen wiederherzustellen. Die Welt wird nach dem Ende des Kalten Krieges immer multipolarer, auch wenn für viele in den USA der Verlust der früheren Hegemonialstellung schmerzhaft ist." (06.11.2008)

I Kathimerini - Griechenland

Die Tageszeitung Kathimerini meint, Obama müsse mit der Wirtschaft beginnen: "Schließlich hat es sich auch in der Praxis erwiesen, dass es die Wirtschaft war, die Obama den Sieg gegeben hat … 1992 wurde Bill Clinton mit der Parole gewählt 'It's the economy, stupid'. Zum zweiten Mal innerhalb von 16 Jahren hat ein demokratischer Kandidat gewonnen, weil seine wirtschaftliche Botschaft akzeptiert worden ist ... Obama muss jetzt die von ihm versprochene fortschrittliche Wirtschaftspolitik umsetzen, die die Arbeiterklasse sowie die Mittelklasse ... fördern und gleichzeitig das Vertrauen der Märkte bewahren wird … 62% der Wähler haben in einer Umfrage angegeben, dass die Wirtschaftslage der wichtigste Faktor für ihre Entscheidung war. Nur 10% erwähnten den Terrorismus oder andere Themen." (06.11.2008)

Népszabadság - Ungarn

Der Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses im ungarischen Parlament, Zsolt Németh, schreibt in der linksliberalen Zeitung Népszabadság: "Wir brauchen die USA, besonders in einem Moment, da die Außenpolitik Russlands wieder von einer Einteilung in Interessensphären bestimmt ist. Die Zerbrechlichkeit des transatlantischen Verhältnisses stellt heute das wahre Sicherheitsrisiko für Osteuropa dar. ... Der Wahlsieg von Barack Obama gibt uns Hoffnung, diese Fragilität im Verhältnis zwischen den USA und Europa zu überwinden. ... Das tschechisch-polnisch-amerikanische Raketenabwehrsystem etwa ... birgt auch eine politische Botschaft: Die USA bleiben weiterhin in der Region. ... Es bleibt nun zu hoffen, dass im Kreis der Demokraten nicht jene Fachmeinungen die Oberhand gewinnen, die in Sicherheitsfragen einen schrittweisen Rückzug der USA aus unserer Region befürworten, sondern dass jene Außenpolitiker aus der Ära von Bill Clinton bestimmend sein werden, die uns den Weg in die Nato geebnet ... haben." (06.11.2008)

Lidové noviny - Tschechien

"Mit Obama kommt die Wende. Das wissen seit mindestens einem Jahr auch die Tschechen", schreibt die konservative Tageszeitung Lidové noviny. "Aber wie wird sich diese Wende auf den tschechischen Beitrag zum US-Raketenschild auswirken? Wie wird sie die tschechische EU-Ratspräsidentschaft beeinflussen? Wird Obama Europa als einem einheitlichen Ganzen gegenüber treten, oder wird er zwischen altem und neuem Europa unterscheiden? Die Antwort werden wir im Januar aus erster Hand bekommen, wenn Prag mit dem EU-Vorsitz Obamas Partner für ganz Europa sein wird. ... Derzeit machen alle Obama zur Projektionsfläche ihrer Erwartungen. Obama ist ihr Winnetou, sie selbst sind Old Shatterhand. Mit einem solchen 'roten Gentleman' lässt es sich verhandeln, mit ihm kann man Hoffnungen verknüpfen. Willkommen, Blutsbruder Obama!" (06.11.2008)

NRC Handelsblad - Niederlande

Die Wirtschaftszeitung NRC Handelsblad warnt vor falschen Hoffnungen: "Die Erwartungen sind ... hoch. Auch in Europa. Hier ist das Ergebnis mit unverhohlener Erleichterung aufgenommen worden, auch wenn das Programm von Obama auch Opfer verlangen wird, zum Beispiel in Afghanistan. Außer der Hoffnung ist nun auch Realitätssinn nötig. Die Präsidentschaft von Obama erzwingt nämlich überall neue Allianzen." (06.11.2008)

TOP-THEMA | 05.11.2008

Wandel in den USA

Der Demokrat Barack Obama hat die US-Wahlen gewonnen und wird als erster schwarzer Präsident ins Weiße Haus einziehen. Die europäische Presse begrüßt den Wandel in den Vereinigten Staaten.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
NRC Handelsblad - Niederlande, El País - Spanien, Handelsblatt - Deutschland, Les Echos - Frankreich, De Morgen - Belgien, Ta Nea - Griechenland, Corriere del Ticino - Schweiz, Hírszerző - Ungarn, The Independent - Großbritannien, Correio da Manhã - Portugal

NRC Handelsblad - Niederlande

Obama sei das Symbol "für ein multikulturelles Ideal, das seit den 1990er Jahren weltweit auf dem Rückzug zu sein schien", meint das überregionale NRC Handelsblad. "Doch seine Ambition, das Land wieder zu vereinigen, steht im Gegensatz zu dem progressiven Programm, das seine Partei und progressive Lobbygruppen von ihm erwarten. ... Die Haltbarkeit der multikulturellen Koalition wird schneller auf die Probe gestellt werden, als es gestern an dem historischen Wahltag der Fall schien." (05.11.2008)

El País - Spanien

Die spanische Tageszeitung El País schreibt: "Es ist schwierig die Bedeutung der Tatsache zu überschätzen, dass die USA erstmals in ihrer Geschichte einen schwarzen Präsidenten gewählt haben. Es hat ebenso viel Überraschendes wie Revolutionäres. Dieses Wort ist wohl keine Übertreibung, wenn man bedenkt, dass die Schwarzen in dem Land der Möglichkeiten vor einem halben Jahrhundert in einigen Staaten noch den Platz im Autobus räumen mussten, während ihnen in anderen Staaten das Heer den Zugang zur Schule sicherte." (05.11.2008)

Handelsblatt - Deutschland

Das Handelsblatt zeigt Respekt vor der Wahlentscheidung der Vereinigten Staaten. "Es ist eine Fähigkeit, um die die Welt das Land beneidet: Es kann sich immer wieder selbst erneuern. ... Wo andere Völker angesichts von Krisen und Kriegen auf die sichere Karte setzen, wo sie das Risiko scheuen, unternimmt Amerika das Gegenteil. Es baut auf einen Mann, der Hoffnung und Wandel verkörpert – mit allen Chancen und auch Unsicherheiten, die dies birgt. Es wählt nicht nur zum ersten Mal einen Afro-Amerikaner zum Präsidenten. Die Bürger der USA entscheiden sich für [einen] klaren Schnitt, für den Neuanfang." (05.11.2008)

Les Echos - Frankreich

Die Wirtschaftszeitung Les Echos meint, Wandel sei für die USA zentral: "Amerika hat seinen neuen Präsidenten gewählt, aber der Rest der Welt wird mit einem neuen Amerika rechnen müssen. ... In der Wahl dieser Nacht hat sich eine Sehnsucht nach Wandel gezeigt. ... [Der neue Präsident] soll mehr überzeugen und verführen als sich durchsetzen. Kurz gesagt, er soll uns ein liebenswürdiges Amerika wieder geben." (05.11.2008)

De Morgen - Belgien

Mit der Wahl eines Schwarzen wird auch Martin Luther Kings Traum zum Teil wahr, schreibt die Tageszeitung De Morgen: "Das Versprechen des Traumes, das irgendwann einmal die Spaltung und der Rassismus überwunden sein werden, dass Veränderung und Verbesserung möglich sind, dass langsam aber sicher eine gerechtere und ethische Welt möglich ist. Die Wahl Obamas zaubert die Kluft zwischen den Hautfarben nicht weg, aber sie ist doch ein unglaublich starkes Signal, dass Amerika für jeden Einzelnen noch immer das Land der unbegrenzten Möglichkeiten bleibt." (05.11.2008)

Ta Nea - Griechenland

"Der Sieg Obamas hat unser Bild von Amerika verändert," schreibt die Tageszeitung Ta Nea. "Das Unmögliche ist passiert. ... Die Methode Obamas hat unser Bild von der Politik verändert. Und dies wird wesentlich die Art und Weise beeinflussen, wie zukünftig in jedem demokratischen Land um die politische Macht gekämpft wird." (05.11.2008)

Corriere del Ticino - Schweiz

Für die Tageszeitung Corriere del Ticino bedeutet Obamas Wahl Hoffnung: "Amerika ist mitten in der Finanzkrise ... an die Urnen getreten. Derweil haben die militärischen und politischen Schwierigkeiten im Irak und in Afghanistan ... die Sicherheit, die einzige Supermacht zu sein, schwer geschädigt. Amerika hat in einem so schwierigen Moment mit einer Übung der Demokratie seine Rolle als Brutstätte des Mutes für den Westen bewiesen. Amerika hat seine Wahl getroffen und die Wende gewählt: einen jungen Präsidenten, schwarz und verhältnismäßig unerfahren, der aber ein Symbol der Hoffnung ist und den amerikanischen Traum verkörpert." (05.11.2008)

Hírszerző - Ungarn

Der Blogger Miklós Tallián betrachtet den Wahlsieg Obamas als negativ. "In der vergangenen Nacht wurde Wirklichkeit, was wir bislang nur geahnt hatten: Amerika hat den ersten schwarzen Präsidenten seiner Geschichte gewählt. Doch in Bezug auf Obama ist die Tatsache, dass er schwarz ist, am wenigsten interessant. Viel interessanter ist, wo er sich unter den schlechtesten US-Präsidenten des 20. Jahrhunderts, also F. D. Roosevelt, Lyndon B. Johnson und natürlich Jimmy Carter, einreihen wird. ... Amerika ist ein starkes und stolzes Land, es hat zwei Weltkriege gewonnen, es hat die vorhin genannten schlechten Präsidenten überlebt, es wird auch Obama überleben." (05.11.2008)

The Independent - Großbritannien

Die liberale Tageszeitung The Independent meint: "Obama kommt ins Amt mit einem Fundus an gutem Willen, zu Hause und im Ausland. Er mag sich als eine Enttäuschung herausstellen, nicht zuletzt, weil die Erwartungen so unvernünftig hoch sind. Aber die größten Präsidenten - George Washington, Abraham Lincoln und Franklin Roosevelt - waren groß, genau weil sie große Herausforderungen überwunden haben. Die heutige angespannte Situation bedeutet, dass Barack Obama die Chance hat, sich ihrer Zahl anzuschließen." (05.11.2008)

Correio da Manhã - Portugal

Für die Tageszeitung Correio da Manhã hat die Demokratie gesiegt. Die US-Wahlen seien, die "wichtigsten des Jahrhunderts" gewesen: "Es mag voreilig sein, dies zu sagen, da das Jahrhundert erst vor kurzem begonnen hat, doch sie sind sicher ein wichtiger Baustein dieses Jahrhunderts. ... Ein Land, das eine der besten Wahlkampagnen der Geschichte hervorgebracht hat, das Lösungen für die politische und wirtschaftliche Krise gefunden hat, aber vor allem, die ganze Gesellschaft in der Debatte über die Zukunft des Landes involviert hat, ist ein Beispiel für die Welt. ... In diesen Präsidentschaftswahlen, in denen die Beteiligung so groß war, ist der wahre Sieg der der Demokratie." (05.11.2008)

TOP-THEMA | 04.11.2008

Ende und Anfang

Egal wie die US-Präsidentschaftswahlen in dieser Nacht ausgehen, der Republikaner George W. Bush wird das Weiße Haus 2009 verlassen. Die europäische Presse kommentiert das Ende einer Ära und die Erwartungen an den neuen US-Präsidenten, unabhängig davon, ob er John McCain oder Barack Obama heißen wird.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
The Guardian - Großbritannien, To Ethnos - Griechenland, Luxemburger Wort - Luxemburg, Diário de Notícias - Portugal, Magyar Nemzet - Ungarn

The Guardian - Großbritannien

Sidney Blumenthal, früherer Berater des ehemaligen demokratischen US-Präsidenten Bill Clinton, sieht in den US-Präsidentschaftswahlen das Ende der republikanischen Ära. Zentrale Politik-Ansätze der Republikaner seien gescheitert, schreibt er in der links-liberalen Tageszeitung The Guardian : "Bestimmte Faktoren, die die US-Politik seit 40 Jahren dominiert haben, scheinen dazu bestimmt, in entfernte Ecken zu verschwinden. In der Wirtschaft haben angebotsorientierte Heilmittel und Deregulierung die schlimmste Krise seit der Großen Depression geschaffen. ... In der Außenpolitik hat der Neokonservatismus in den Morast von Irak und Afghanistan geführt, während er die westliche Allianz unterminierte. In der Sozialpolitik hat die evangelikalische Rechte auf die Wissenschaft, die Trennung von Staat und Kirche und das Recht auf Privatsphäre eingeschlagen. Und schließlich: Das konservative Prinzip der begrenzten Regierung wurde zum Kennwort für Inkompetenz, Vetternwirtschaft, Korruption, Heuchelei und Verachtung für den Rechtsstaat." (04.11.2008)

To Ethnos - Griechenland

Die Tageszeitung To Ethnos schreibt über das politische Erbe, das George W. Bush hinterlassen wird: "Der ganze Planet wird erleichtert stöhnen über das Ende des Alptraums ... Bush und die Neokonservativen haben das Guantanamo-Lager zum Symbol Amerikas gemacht, zum Dachau des 21. Jahrhunderts. ... Sie haben für die modernen Staaten ein Überwachungs-Regime durchgesetzt ... wie es keine Diktatur sich je erträumen und schaffen könnte. Die Kriege … in Irak und Afghanistan waren schon seit längerem geplant, damit ... der Nahe Osten und sein Erdöl unter amerikanische Kontrolle kommen. ... Die USA sind dafür verantwortlich, dass die Zivilisation zurück fiel. Die Menschheit wird erstaunt sein, wenn die Amerikaner jemals für den Völkermord verurteilt werden, den sie gegen die Unbewaffneten im Irak geführt haben, wo sie Tausende von Menschen umgebracht haben." (03.11.2008)

Luxemburger Wort - Luxemburg

Die Tageszeitung Luxemburger Wort kommentiert die Hoffnung Europas auf neue Ansätze bei globalen Problemen. "Schreitet Amerika zur Wahl, blickt ihm die Welt über die Schulter. Dies war immer schon so, nicht nur weil die USA eine Supermacht sind, sondern auch weil sie wie keine andere Nation der Erde den Traum von Hoffnung, Aufbruch, Neuanfang verkörpern. Und selten war die Sehnsucht nach Wandel so greifbar wie im Wahljahr 2008. Das Erbe der Ära Bush wiegt schwer, diesseits wie jenseits des Atlantiks. ... Nach den bitteren Jahren der Entfremdung ist die Sehnsucht nach Erneuerung der traditionellen transatlantischen Partnerschaft übermächtig. Finanzkrise, Klima, Terrorismus, das sind weitere Themengebiete, auf denen die Europäer starke Lösungsansätze vom neuen amerikanischen Präsidenten erwarten." (04.11.2008)

Diário de Notícias - Portugal

Für Portugals ehemaligen Staatschef Mário Soares würde der Sieg des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama "positive Folgen für die USA und die Europäische Union haben und eine Wende in der politischen und geopolitischen Welt darstellen." Der Sieg seines republikanischen Gegenkandidaten John McCain und seiner Vizepräsidentschaftskandidaten Sarah Palin dagegen wäre für ihn "die Fortsetzung von Bushs desaströser Administration," schreibt Soares in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung Diário de Notícias. "Zudem stellt ein Afro-Amerikaner im Weißen Haus sowieso schon eine riesige kulturellen Wende dar," schreibt Soares weiter. "So führten auch diese Präsidentschaftswahlen angesichts der hohen Beteiligung bereits zur Änderung der amerikanischen Mentalitäten. Man kann jedoch nicht erwarten, dass mit Obamas Sieg gleich alles besser sein wird. Er hat keinen Zauberstab, um die weltweite Krise zu lösen." (04.11.2008)

Magyar Nemzet - Ungarn

Die konservative Tageszeitung Magyar Nemzet sieht die USA vor erheblichen Veränderungen. "Der Platz der USA auf der weltpolitischen Bühne wird sich grundlegend verändern. Die Prozesse, die hierzu geführt haben, sind nicht allesamt auf die Vereinigten Staaten zurückzuführen. ... Andere Mächte und Zentren sind einerseits aufgestiegen [China] und andererseits wieder auf die Beine gekommen [Russland]. ... Sowohl Barack Obama als auch John McCain stehen für eine gemäßigte politische Linie. Keiner der beiden steht jener Elite nahe, die für die destruktive US-Politik der vergangenen Jahre verantwortlich ist. ... Aufgrund seines Alters und seiner Dynamik scheint der schwarze Senator für das US-Präsidentenamt geeigneter zu sein. Barack Obama hat nicht einmal des Wahlkampfes zuliebe seine Bereitschaft verschleiert, mit jenen Staaten in einen Dialog treten zu wollen, die von George W. Bush als 'Achse des Bösen' stigmatisiert worden waren. Wenn Obama die USA wirklich in eine neue Richtung führen will, wird er die meisten Kämpfe wohl im eigenen Land auszutragen haben." (04.11.2008)


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