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Wirtschaft

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WIRTSCHAFT

Les Echos - Frankreich | 13.11.2008

Problematischer Erdölpreis

Seit Jahresmitte unterliegt der Rohölpreis einem starken Abwärtstrend. Man sollte sich allerdings nicht zu früh über billiges Erdöl freuen, warnt die Tageszeitung Les Echos: "Was die Welt heute an billigem Erdöl verdient, könnte uns auf lange Sicht alle sehr teuer zu stehen kommen. Der Kurs des schwarzen Goldes, das als Echtzeit-Thermometer der Vitalität unserer Wirtschaft dient, ist das Symbol unserer derzeitigen Krankheit. Wenn man sich über das Sinken des Erdölpreises freut, so freut man sich über die Verlangsamung der Wirtschaft in entwickelten und Entwicklungsländern. Auch wenn man sie kaum betrauern kann, so haben die großen Erdöl-Exporteure auch nichts mehr zu feiern. Die Petrodollars, die als Sprit für die weltweite Wirtschaft dienten, werden rarer. Auf lange Sicht ist die Schwäche des schwarzen Goldes auch problematisch. Die Produzenten werden die derzeitigen Felder austrocknen lassen und der billige Baril wird sich also letztlich negativ auf die Produktion auswirken." (13.11.2008)

Hospodářské noviny - Tschechien | 13.11.2008

Ein Hoch auf die krummen Gurke

Der zulässige Krümmungswinkel der Gurke galt vielen Europäern bislang als Symbol für die Brüsseler Regulierungswut. Nun hat die EU die Schönheitsvorschriften für eine Reihe von Obst und Gemüsesorten gekippt. Das Wirtschaftsblatt Hospodářské noviny schreibt: "Die lächerlichste Regel der EU ist gefallen: die Gurke darf ab 1.7.2009 eine Krümmung von mehr als einem Zentimeter haben. ... Der Wahrheit halber muss man sagen, dass es immer etwas billig war, über die Vorschrift zu lachen, hatte sie doch für den Handel ganz praktische Vorzüge. Gerade gewachsene Gurken lassen sich nun einmal besser verpacken. ... Angesichts der weltweiten Verteuerung von Lebensmitteln ist es aber nicht mehr rational, Obst und Gemüse auszusortieren, das abgesehen von seinem Aussehen qualitativ in Ordnung ist. Europa regelt aber weiterhin 75 Prozent seines Gemüsemarktes. ... Dennoch, wir, die wir eine Schwäche für ungenormte Dinge und ungewöhnliche Menschen haben, dürfen zufrieden sein." (13.11.2008)

Etelä-Suomen-Sanomat - Finnland | 13.11.2008

Anstieg der russischen Holzzölle

Die Tageszeitung Etelä-Suomen-Sanomat weist darauf hin, dass die Probleme zwischen Finnland und Russland bezüglich des Holzexports im größerem internationalem Kontext gesehen werden müssen. "Die finnischen Behörden haben lange händeringend versucht, Russland die Bedrohung der finnischen holzverarbeitenden Industrie durch den dramatischen Anstieg der Exportzölle [für Rohholz aus Russland] nahezubringen. Die Argumente haben kein Echo gefunden. Und warum sollten sie auch? Wenn Finnland kein Holz bekommt, schadet das Russland nicht. ... Die Sache muss man im größerem Zusammenhang sehen, nicht nur zwischen Russland und Finnland. Russland erhöht die Holzzölle vor allem deshalb, weil die Nachfrage aus Asien steigt. Und das Wimmern des kleinen Finnlands ist dabei bedeutungslos. ... Finnen haben traditionell die Angewohnheit, Dinge rein aus ihrem Blickwinkel zu sehen, so als gäbe es den Rest der Welt nicht. ... Supermächte [aber] haben keine Freunde, sondern nur ihre eigenen Interessen, die auf dem Spiel stehen." (13.11.2008)

Politis - Zypern | 11.11.2008

Türkische Zyprer möchten den Euro

Die Arbeitnehmer in Nordzypern befinden sich in einer schwierigen Lage, weil sie die neue türkische Lira verwenden, schreibt der türkische Zyprer Erdogan Ozbaliktzi in der Tageszeitung Politis. "Während das Pfund Sterling 2,2 neue türkische Lira kostete, ist es heute 2,7 wert. Es ist sicher, dass die neue türkische Lira demnächst mehr an Wert verlieren wird. Weil im Norden die Raten für den Hauskauf und den Autokauf gewöhnlich in Lira bezahlt werden, werden die Arbeitnehmer schneller arm. … Die Lehrergewerkschaften ... die auf die Wiedervereinigung der Insel hoffen, … fordern die sofortige Euro-Einführung. ... Die sozialen Bewegungen bereiten sich auf Mobilisierungen vor. … Es ist sicher, dass sie bei diesen Mobilisierungen auch politische Ziele haben werden. Unter ihren Forderungen werden die Gleichheit der Rechte innerhalb der Zypriotischen Republik sein, die unmittelbare Lösung des Zypernproblems und die Befreiung vom Einfluss der Türkei." (11.11.2008)

Rzeczpospolita - Polen | 12.11.2008

Staat soll Mütter am Arbeitsplatz schützen

Der jährliche Bericht des Weltwirtschaftsforums über Frauenrechte weltweit ist für die Zeitung Rzeczpospolita Anlass, sich für den Schutz von Müttern einzusetzen: "Im Gegensatz zur Mehrzahl der Experten, die sich seit Jahren den Kopf darüber zerbrechen, warum eine Frau auf der gleichen Position weniger als ein Mann verdient, wage ich es, eine einfache These aufzustellen: Weil sie schlechter verhandeln. ... Und es ist ein Fehler, den Unternehmer dafür verantwortlich zu machen: Warum sollte er mehr bezahlen, wenn er es doch nicht muss? ... Wichtig ist nun festzustellen, warum Frauen [dazu] bereit sind, ... weil sie glauben, dass sogar das Vertrauen in sich selbst in einer Situation nicht ausreicht, in der der Staat nicht in der Lage ist, die Diskriminierung junger Mütter zu schützen. Erst die Einführung von Mechanismen, die es Frauen erlauben, zu arbeiten, aber trotzdem nicht ihre gesellschaftlichen Rolle als Mutter aufgeben zu müssen, wird bewirken, dass die Frauen in den Augen der Arbeitgeber nicht schlechter angesehen werden als Männer." (12.11.2008)

Gândul - Rumänien | 11.11.2008

Krise könnte Rumänen heimkehren lassen

Spanische und italienische Gewerkschaften schätzen, dass in wenigen Monaten bis zu 500.000 rumänische Arbeiter in ihre Heimat zurückkehren werden. Das könne eine Chance für Rumänien sein, meint die Tageszeitung Gandul. "In einem anderen Land nach Arbeit zu suchen, ist chancenlos: die Krise hat ganz Europa getroffen … Die einzige Lösung ist, nach Hause zurückzukehren. … Wenn man auf dem Land lebt, muss man keine Angst davor haben, Hunger zu leiden, egal wie viel Hektar man besitzt – ein Huhn, eine Kartoffel, eine Tomate wird man da immer haben. … Und wie schlimm die Krise auch enden wird, ein paar Arbeitsplätze werden bleiben. Seit einem Jahr, in dem es an Arbeitskräften mangelte, haben die Unternehmer nicht darüber gemurrt, dass die Gehälter wachsen und dass Rumänien die guten Arbeitskräfte ausgehen, sondern über die Tatsache, dass sie keine Spezialisten und qualifizierten Arbeitskräfte finden. Der Druck der Rückkehrer könnte einen positiven Effekt haben: Die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt wird zu mehr Produktivität führen." (11.11.2008)

ABC - Spanien | 11.11.2008

Zapatero muss auf G20 glänzen

Weil Frankreich einen seiner beiden Sitze an Spanien abgegeben hat, kann Spaniens Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero nun doch am Weltfinanzgipfel teilnehmen. Eine große Verantwortung, meint die Tageszeitung ABC: "Es würde sich sehr negativ auf Spaniens Interessen auswirken, wenn der Regierungschef nach dem Druck, den er auf mehrere Regierungen ausgeübt hat, um an diesem Treffen teilzunehmen, nicht auf der Höhe der Zeit wäre. Die Gesprächsreihe, die gestern mit Banken, Gewerkschaften und Unternehmern begonnen hat und die ein Treffen mit [Oppositionschef] Mariano Rajoy abschließt, sollte Rodríguez Zapatero dazu dienen, den Mitgliedern der G20 angemessene und überzeugende Vorschläge zu präsentieren." (11.11.2008)

Postimees - Estland | 10.11.2008

Fehlender Wettbewerb auf Estlands Energiemarkt

Das staatliche estnische Energieunternehmen Eesti Energia hat ein umfassendes Investitionsprogramm aufgelegt, das von der Regierung zusätzlich subventioniert wird. Die Tageszeitung Postimees sieht darin eine Behinderung des freien Markts: "Binnen fünf Jahren muss Estland seine bislang strikt regulierte Energiewirtschaft öffnen, und die Preise werden dann nicht mehr von den estnischen Behörden festgelegt, sondern von den Strombörsen, beispielsweise der nordischen Nord Pool. Die Frage ist außerdem, ob dann noch weitere Energieanbieter auf den estnischen Markt kommen. Eesti Energia hat den Staat um Hilfe gebeten und diese auch bekommen. Aber warum gehen diese Mittel ausgerechnet an dieses eine Unternehmen? Von freiem Wettbewerb in Estland kann hier jedenfalls keine Rede sein. Und solange es die nicht gibt, wird beispielsweise Finnland auch kein weiteres Stromkabel über den Meeresgrund nach Estland verlegen wollen." (10.11.2008)

Göteborgs-Posten - Schweden | 10.11.2008

Pensionsalter erhöhen?

Die Menschen werden immer älter und gesünder, stellt die Tageszeitung Göteborgs-Posten fest. Vor dem Hintergrund, dass in der EU bald zwei Werktätige für einen Rentner sorgen müssen statt bisher vier, müsse neu nachgedacht werden: "So kann das natürlich nicht sein. Wenn die durchschnittliche Lebenserwartung steigt und wir gesünder und vitaler im Alter werden, ist eine Erhöhung des Rentenalters völlig natürlich – aber deshalb dennoch nicht ohne Probleme. Unsere Arbeitsplätze sind angepasst an 35-Jährige ohne Kinder. So lange man diese Anforderungen erfüllt, ist alles OK. Wenn das nicht länger geht, wartet im besten Fall die Frühpension. Dass wir nicht immer 35 sind, zeigt sich in der Statistik über das tatsächliche Rentenalter. Das liegt zurzeit bei 61,9 Jahren, was eine erfreuliche Verbesserung ist. Vor wenigen Jahren ging die Mehrheit mit 59 Jahren in die Rente. Der Vorschlag, das Rentenalter auf 70 zu erhöhen wird sicher kommen. Die Entscheidung kann aber warten bis das tatsächliche Rentenalter 65 erreicht hat. Der Weg dorthin führt über Verbesserungen im Arbeitsumfeld und einer Organisation, die nicht von 35-jährigen ohne Kinder ausgeht." (10.11.2008)

Financial Times Deutschland - Deutschland | 07.11.2008

IWF ruft Weltrezession aus

Weltrezession mit Verlusten von 1.400 Milliarden Dollar – so lautet eine neue Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Wirtschaftszeitung Financial Times Deutschland meint, vor allem der Realwirtschaft müsse nun durch Konjunkturprogramme geholfen werden. "Wenn ... die Wirtschaft aller Industrieländer im Schnitt zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg schrumpft, ist die Lage wahrhaft dramatisch. Spätestens jetzt muss jedem klar sein, dass diese Krise sich schon längst nicht mehr auf die Finanzbranche beschränkt. Es geht auch nicht mehr bloß darum, das Bankensystem vor dem Untergang zu bewahren oder das System in Zukunft mit neuen Regeln zu stabilisieren. Es muss nun in erster Linie darum gehen, die Realwirtschaft so sanft wie noch irgend möglich landen zu lassen. Angesichts der jüngsten Treffsicherheit der IWF-Befunde besteht zumindest Hoffnung, dass seine Botschaft von den politischen Entscheidern diesmal ernst genommen wird." (07.11.2008)


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