Luxemburg: Hilfe für Printmedien und Onlineangebote

Sinkende Leserzahlen, große Einbußen im Anzeigengeschäft und mangelhafte Online-Geschäftsmodelle bedrohen die pluralistische Medienlandschaft des Großherzogtums Luxemburg. Der Staat greift Printmedien unter die Arme – doch nur wenige profitieren.

Europas größter privater Fernseh- und Radiokonzern, die RTL Group (© picture-alliance/dpa)
Europas größter privater Fernseh- und Radiokonzern, die RTL Group (© picture-alliance/dpa)
Seit Jahrzehnten besteht im Großherzogtum eine Konkurrenz zwischen den beiden Verlagen Saint-Paul und Editpress. Erstere stehen den Christdemokraten nahe, letztere den Sozialisten. Die Rivalität zwischen den größten Zeitungsverlegern verschärfte sich 2007 noch weiter, als beide begannen, Gratiszeitungen herauszugeben, die von den Lesern gut angenommen wurden. Das von Editpress herausgegebene französischsprachige Gratisblatt L’essentiel erreicht heute mehr als 200.000 Leser in Luxemburg und den anliegenden Grenzregionen. Die dazugehörige Nachrichtenseite ist die meistgeklickte des Landes.

Seit der Einführung der Gratiszeitungen gab es insgesamt einen Leserrückgang bei den meisten kostenpflichtigen Tageszeitungen. Dies betrifft das von Editpress herausgegebene Tageblatt sowie das liberale Lëtzebuerger Journal und die kommunistische Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek. La Voix du Luxembourg, das französischsprachige Pendant zur traditionsreichsten Tageszeitung Luxemburger Wort, die zu Saint-Paul gehört, musste 2011 schließen. Ein leichtes Leserwachstum konnten dank ihres E-Paper-Angebots das Luxemburger Wort und das französischsprachige Angebot von Editpress Le Quotidien verzeichnen.

In Luxemburg zahlt der Staat zwar Beihilfen für Printmedien in Millionenhöhe, davon profitieren allerdings nur die drei Marktführer. Tageblatt, Luxemburger Wort und Le Quotidien erhalten den Löwenanteil der insgesamt 7,4 Millionen Euro, die im Jahr 2017 an zehn Printmedien flossen. Im gleichen Jahr wurden erstmals auch sieben Online-Medien unterstützt, mit jeweils 100.000 Euro.

Bei den Zeitschriften mussten die Kulturmagazine Télécran und Revue sinkende Leserzahlen hinnehmen. Andere, wie die politischen Wochenzeitungen Le Jeudi, D'Lëtzebuerger Land, Woxx oder das monatliche Wirtschaftsmagazin Paperjam, konnten hingegen von den Verlusten der Tagespresse profitieren.

Weiterhin bilden portugiesischsprachige (Contacto, Correio) und englischsprachige (Delano) Zeitschriften einen erwähnenswerten Teil der Medienlandschaft des Landes, in dem mehr als 40 Prozent Ausländer leben und das ohnehin stark von ihrer Mehrsprachigkeit geprägt ist. Das Land verfügt über drei Amtssprachen: Deutsch, Französisch und Luxemburgisch. Die meisten Zeitungen erscheinen jedoch nur auf Deutsch oder Französisch. Luxemburgisch wird selten als Schriftsprache verwendet, ist aber in der Radiolandschaft sehr präsent.

In Luxemburg sitzt Europas größter privater Fernseh- und Radiokonzern, die RTL Group. Das Unternehmen betreibt in Luxemburg unter anderem den Fernsehsender RTL Télé Lëtzebuerg und hatte bis 1991 eine Monopolstellung. Der einzige französischsprachige Radiosender l’Essentiel ging 2016 als Ableger der gleichnamigen Gratiszeitung auf Sendung.

Rangliste der Pressefreiheit (Reporter ohne Grenzen):
Platz 17 (2018)

Stand: Mai 2018
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