Schweden: Kahlschlag bei den Printmedien

Der Auflagenschwund bei Schwedens Zeitungen hat sich noch einmal beschleunigt. Es trifft dabei hauptsächlich die größeren Akteure, während sich örtliche Gratiszeitungen besser behaupten und sogar teilweise ihre Auflagen steigern können.

Werbung für Aftonbladet am Umweltministerium in Stockholm (Flickr, Arjan Richter, CC BY 2.0)
Werbung für Aftonbladet am Umweltministerium in Stockholm (Flickr, Arjan Richter, CC BY 2.0)
Ende 2017 musste der Neuling in der Tageszeitungsbranche, ETC, aufgeben. Erst 2014 erweiterte das Magazin sein Angebot mit einer linken, durch Crowdfunding finanzierten Tageszeitung, doch der Auflagenschwund führte schließlich zur Schließung von 15 Lokalredaktionen. Die Großen der Branche, wie Dagens Nyheter und Svenska Dagbladet, hatten schon zu Beginn der 2010er Jahre Entlassungen in großem Stil hinnehmen müssen. Sydsvenskan und Helsingborg Dagblad strichen 2014 sogar 180 Stellen. Jüngstes Opfer waren dann die Zeitungen des Stampen-Konzerns, zu dem beispielsweise Göteborgs-Posten gehört, der im Laufe des Jahres 2016 wegen seiner aggressiven Expansionsstrategie in große finanzielle Schwierigkeiten geriet.

Gleichzeitig setzen sich Onlineangebote immer stärker durch, deren Inhalte vermehrt nur noch gegen Bezahlung zugänglich gemacht werden. Während beispielsweise die Druckauflage von Aftonbladet sinkt, nimmt gleichzeitig der Verkauf von digitalen Abos zu. Mehrere Blätter setzen deshalb massiv auf digitale Verbreitung, insbesondere auf Apps für Smartphones oder Tablets. Auch Fernsehen und Radio spielen in diesem Segment eine immer aktivere Rolle. Bisher gibt es allerdings keinen bedeutenden Akteur, der ausschließlich auf Onlineangebote setzt.

Somit ändert sich in Schweden sehr viel und das in einem raschen Tempo, einem Land, das 1766 als eines der ersten Länder der Welt die Freiheit der Presse in seinem Grundgesetz verankerte. Sie ist ein grundlegendes Element des Rechts auf Meinungsfreiheit, das in dem Land traditionell eine starke Stellung hat. Diese Veränderungen sollen sich auch in Reformen der staatlichen Unterstützung von Tageszeitungen und der Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Anstalten widerspiegeln. Wie diese Reformen konkret aussehen werden, war bis Anfang 2018 noch nicht geklärt.

Kennzeichnend für die schwedische Medienlandschaft ist die noch immer relativ starke Rolle der öffentlich-rechtlichen Medien Sveriges Television und Sveriges Radio. Sveriges Radio sendet in den Sprachen der Minderheiten. Die Sender werden über Gebühren finanziert und spielen keine Werbung aus. In Zukunft sollen sie jedoch über eine Abgabe finanziert werden. Die Kontrollstrukturen sind darauf ausgerichtet, den Einfluss der Politik so gering wie möglich zu halten. Doch hat der Aufstieg von privaten Fernseh- und Hörfunksendern (vor allem TV3, TV4 und Canal+) seit Anfang der 1990er Jahre auch das Programmangebot der Öffentlich-rechtlichen stark beeinflusst, indem diese verschiedene Formate aus den Privaten kopiert haben, etwa Daily Soaps oder Gewinnspiel-Shows.

Die öffentliche Debatte wird weitgehend von den öffentlich-rechtlichen Medien und den großen Tageszeitungen geprägt. Der Zeitungsmarkt wird nach Aufkäufen und Konzentrationsprozessen in den 1990er und 2000er Jahren vom norwegischen Schibstedt-Konzern und der schwedischen Bonnier-Media dominiert.

Rangliste der Pressefreiheit (Reporter Ohne Grenzen):
Platz 2 (2018)

Stand: Mai 2018
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