Schweden: Kahlschlag bei den Printmedien

Der Auflagenschwund bei Schwedens Zeitungen setzt sich seit Jahren fort. Es trifft dabei hauptsächlich die größeren Akteure, während sich örtliche Gratiszeitungen besser behaupten und sogar teilweise ihre Auflagen steigern können.

Werbung für Aftonbladet am Umweltministerium in Stockholm (Flickr, Arjan Richter, CC BY 2.0)
Werbung für Aftonbladet am Umweltministerium in Stockholm (Flickr, Arjan Richter, CC BY 2.0)
Die Folge der sinkenden Auflagen sind Entlassungen im großen Stil. So kündigte etwa der Verlagskonzern Mittmedia im Dezember 2012 die Streichung von 150 Stellen an, bei Dagens Nyheter mussten im Frühjahr 2013 80 Mitarbeiter gehen. Svenska Dagbladet reduzierte im Dezember des gleichen Jahres seine Redaktion um 15 Stellen. Im Juni 2014 wurde bekannt gegeben, dass Sydsvenskan und Helsingborg Dagblad bis zu 180 Stellen streichen werden. Jüngstes Opfer sind die Zeitungen des Stampen-Konzerns zu der beispielsweise Göteborgs-Posten gehört, der im Laufe des Jahres 2016 wegen seiner aggressiven Expansionsstrategie in massive finanzielle Schwierigkeiten geraten ist.

Gleichzeitig setzen sich Onlineangebote immer stärker durch, deren Inhalte vermehrt nur noch gegen Bezahlung zugänglich gemacht werden. Während beispielsweise die Druckauflage von Aftonbladet sinkt, nimmt gleichzeitig der Verkauf von digitalen Abos zu. Mehrere Blätter setzen deshalb massiv auf digitale Verbreitung, insbesondere auf Apps für Smartphones oder Tablets. Auch Fernsehen und Radio spielen in diesem Segment eine immer aktivere Rolle. Bisher gibt es allerdings keinen bedeutenden Akteur, der ausschließlich auf Onlineangebote setzt.

Somit hat sich in Schweden viel verändert, einem Land, das 1766 als eines der ersten Länder der Welt die Freiheit der Presse in seinem Grundgesetz verankerte. Sie ist ein grundlegendes Element des Rechts auf Meinungsfreiheit, das in dem Land traditionell eine starke Stellung hat. Diese Veränderungen sollen sich auch in Reformen der staatlichen Unterstützung von Tageszeitungen und der Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Anstalten widerspiegeln. Wie konkret diese Reformen aussehen werden, wird frühestens 2017 geklärt sein.

Kennzeichnend für die schwedische Medienlandschaft ist die noch immer die relativ starke Rolle der öffentlich-rechtlichen Medien Sveriges Television und Sveriges Radio. Sveriges Radio sendet in den Sprachen der Minderheiten. Die Sender werden über Gebühren finanziert und senden keine Werbung. Die Kontrollstrukturen sind darauf ausgerichtet, den Einfluss der Politik so gering wie möglich zu halten. Doch hat der Aufstieg von privaten Fernseh- und Hörfunksendern (vor allem TV3, TV4 und Canal+) seit Anfang der 1990er Jahre auch das Programmangebot der Öffentlich-rechtlichen stark beeinflusst, indem diese verschiedene Formate aus den Privaten kopiert haben, etwa Daily Soaps oder Gewinnspiel-Shows.

Die öffentliche Debatte wird weitgehend von den öffentlich-rechtlichen Medien und den großen Tageszeitungen geprägt. Der Zeitungsmarkt wird nach Aufkäufen und Konzentrationsprozessen in den 1990er und 2000er Jahren vom norwegischen Schibstedt-Konzern und der schwedischen Bonnier-Media dominiert.

Ranglisten der Pressefreiheit
Reporter Ohne Grenzen: Platz 2 (2017)
Freedom House: Platz 2 – Status: frei (2016)

Stand: Mai 2017
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