Zypern: Geteilte Öffentlichkeit

Die Medienlandschaft Zyperns war bis zur Unabhängigkeit 1960 von der britischen Kolonialmacht geprägt. Die Pressefreiheit wurde im selben Jahr in der Verfassung festgeschrieben und 1989 mit einem Gesetz erweitert. Seit der Teilung Zyperns im Jahr 1974 ist faktisch auch die Medienlandschaft der Insel geteilt.

Grenzstreifen in Zypern  (© picture-alliance/dpa)
Grenzstreifen in Zypern (© picture-alliance/dpa)
Der Zeitungsmarkt im Süden der Insel wird von sechs großen Blättern in griechischer Sprache und zwei großen englischsprachigen Zeitungen bestimmt. Im Nordteil gibt es 16 türkischsprachige Tageszeitungen, die größte ist Kıbrıs. Mehrere Zeitungen sind stark mit zyperntürkischen Parteien verbandelt. Die Anzahl der Tageszeitungen in Nordzypern hat in den letzten Jahren stark zugenommen, nachdem Unternehmer aus der Türkei in diesem Bereich aktiv wurden. Während die Pressefreiheit im Süden weitgehend geachtet wird, müssen Journalisten in dem von der türkischen Armee besetzten Norden bei kritischen Berichten mit Repressalien oder gar Verhaftungen rechnen.

Die Bankenkrise im Jahr 2013 beeinflusste die Medienberichterstattung wesentlich. Die Sicht der zyperngriechischen Medien auf die Entwicklungen war durch die politischen und wirtschaftlichen Interessen des jeweiligen Mediums und seiner Eigentümer geprägt. Die Krisenberichterstattung reichte von Panikmache über einen möglichen Staatsbankrott bis hin zu einem kollektiven Schuldgefühl, der Überbetonung von Korruption und einer zunehmenden Anlehnung an Europa. Letztere verstärkte sich durch den Streit zwischen Nikosia und Ankara um das Gasvorkommen vor Zypern zusätzlich.

Die jahrelang ergebnislosen Verhandlungen über die Lösung des Zypernkonflikts werden von den zyprischen Medien stark verfolgt. Als im Jahr 2016 zum wiederholten Mal ein Versuch unternommen wurde, ein Abkommen zu erreichen, konnte man im Vergleich zu den Vorjahren einen stärkeren Pluralismus in der Mediendebatte beobachten. Außerdem hat sich die Zusammenarbeit zwischen Medien und Journalisten beider Seiten in den letzten Jahren durch verschiedene Projekte verstärkt.

Insgesamt sank die verkaufte Auflage der Zeitungen in der Krise stark. Die Löhne vieler Journalisten wurden gekürzt, zahlreiche Mitarbeiter wurden entlassen. Anders als in der Vergangenheit, als der Schwerpunkt der Berichterstattung auf politischen Themen lag, stehen heute auch wirtschaftliche Themen im Fokus. Die Bedeutung digitaler Medien – insbesondere der Nachrichtenportale und alternativer Onlinequellen sowie sozialer Medien wie Facebook und Twitter – nahm in den vergangenen Jahren zu. Im Allgemeinen gibt es in Zypern die Tendenz, das Internet als primäre Nachrichtenquelle zu nutzen.

Der Einfluss von Parteien und Kirche auf die Medien ist groß. So besitzt etwa die Kirche einen Teil des TV-Senders Mega. Die Tageszeitung Haravgi steht der Kommunistischen Partei nahe, ebenso wie der Radiosender Astra.

Bis in die 1950er Jahre stand der Rundfunk auf Zypern unter britischem Einfluss. Heute gibt es im Süden der Insel zwei staatliche und sieben private Fernsehkanäle. Die Zuschauer bevorzugen die privaten Kanäle wegen der griechischen Unterhaltungsprogramme und Serien. Im Norden werden eher Sender aus der Türkei konsumiert. Dort gibt es einen türkisch-zyprischen und zehn private TV-Sender.

Ranglisten der Pressefreiheit:
Reporter ohne Grenzen: Platz 30 (2017)
Freedom House: Platz 38 – Status: frei (2016)

Stand: Mai 2017
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