Zypern: Geteilte Öffentlichkeit

Seit der Besetzung Nordzyperns durch das türkische Militär 1974 ist auch die Medienlandschaft auf der Insel zweigeteilt. Dies zeigt sich auch in den Repressionen, die Journalisten fürchten müssen.

Eine Frau demonstriert gegen Angriffe türkischer Nationalisten auf die Zeitung Afrika im Norden Zyperns.
Eine Frau demonstriert gegen Angriffe türkischer Nationalisten auf die Zeitung Afrika im Norden Zyperns.
Im Süden der Insel wurde die Pressefreiheit in den vergangenen Jahren weitgehend geachtet. Als jedoch Journalisten 2017 private E-Mails einer ranghohen Staatsanwältin veröffentlichten, wurden sie von der Polizei verhört. Die Journalisten wurden sogar beschuldigt, eine Straftat begangen zu haben. Die Staatsanwältin soll russischen Beamten Informationen über sensible Auslieferungsfälle geschickt haben und wurde deshalb suspendiert. Im März 2018 wandten sich sechs zyperngriechische EU-Abgeordnete mit einem gemeinsamen Schreiben an die Europäische Kommission. Anfang April 2018 kündigte der Generalstaatsanwalt dann an, dass keine Strafverfolgung gegen die Journalisten stattfinden wird und die Verhöre im Rahmen der Untersuchung beendet sind.

Journalisten im türkisch besetzten Norden der Insel müssen bei kritischen Berichten mit Repressalien, Verhaftungen oder gar gewalttätigen Angriffen rechnen. Im Januar 2018 griffen beispielsweise Nationalisten die zyperntürkische Zeitung Afrika an, die zuvor die türkische Militäroperation im syrischen Afrin kritisiert hatte. Der türkische Präsident Erdoğan hatte in einer Rede diesen Artikel erwähnt und seine "nordzyprischen Brüder und Schwestern" zu einer "Antwort" aufgerufen.

Der Zeitungsmarkt im Süden der Insel wird von sechs großen Blättern in griechischer Sprache und einer englischsprachigen Zeitung bestimmt. Im Nordteil gibt es mindestens 19 türkischsprachige Tageszeitungen, die größte ist Kıbrıs. Mehrere Zeitungen sind stark mit zyperntürkischen Parteien verbandelt. Die Anzahl der Tageszeitungen in Nordzypern hat in den letzten Jahren stark zugenommen, nachdem Unternehmer aus der Türkei in diesem Bereich aktiv wurden.

Die jahrelang ergebnislosen Verhandlungen über die Lösung des Zypernkonflikts wurden von den zyprischen Medien stark verfolgt. Als im Sommer 2017 zum wiederholten Mal ein Versuch scheiterte, ein Abkommen zu erreichen, konnte man während der Verhandlungen im Vergleich zu vorherigen Anläufen einen stärkeren Pluralismus in der Mediendebatte beobachten. Außerdem hat sich die Zusammenarbeit zwischen Medien und Journalisten beider Seiten in den letzten Jahren durch verschiedene Projekte verstärkt. Im Oktober 2017 veröffentlichten Journalisten beider Seiten beispielsweise ein gemeinsames Glossar, um sensible Begriffe und potenziell hetzerische Äußerungen zu vermeiden.

Insgesamt sank die verkaufte Auflage der Zeitungen in der Krise stark. Die Löhne vieler Journalisten wurden gekürzt, zahlreiche Mitarbeiter wurden entlassen. Anders als in der Vergangenheit, als der Schwerpunkt der Berichterstattung auf politischen Themen lag, stehen heute auch wirtschaftliche Themen im Fokus. Die Bedeutung digitaler Medien - insbesondere der Nachrichtenportale und alternativer Onlinequellen sowie sozialer Medien wie Facebook und Twitter - nahm in den vergangenen Jahren zu. Im Allgemeinen gibt es in Zypern die Tendenz, das Internet als primäre Nachrichtenquelle zu nutzen.

Der Einfluss von Parteien und orthodoxer Kirche auf die Medien ist groß. So besitzt etwa die Kirche einen Teil des TV-Senders Mega. Die Tageszeitung Haravgi steht der Kommunistischen Partei nahe, ebenso wie der Radiosender Astra.

Bis in die 1950er Jahre stand der Rundfunk auf Zypern unter britischem Einfluss. Heute gibt es im Süden der Insel zwei staatliche und sieben private Fernsehkanäle. Die Zuschauer bevorzugen die privaten Kanäle wegen der griechischen Unterhaltungsprogramme und Serien. Im Norden werden eher Sender aus der Türkei konsumiert. Dort gibt es einen türkisch-zyprischen und sieben private TV-Sender.

Rangliste der Pressefreiheit (Reporter ohne Grenzen):
Zypern: Platz 30 (2018)
Nordzypern: Platz 77 (2018)

Stand: Mai 2018
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