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  Impfungen gegen Covid-19

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Privilegien für Geimpfte oder gar eine Impfpflicht: Einige europäische Staaten sind bereits erste Schritte in diese Richtung gegangen - unter teils großen Protesten. Auch in Europas Presse sorgt die Frage, ob eine obligatorische Covid-Impfung gerecht sein kann oder was stattdessen in Frage käme, für kontroverse Diskussionen und neue Einfälle.

Europa verzeichnet inzwischen mit die höchsten Impfquoten weltweit. Zuletzt hat jedoch das Tempo der Impfungen vielerorts etwas abgenommen: Termine werden nicht wahrgenommen, der Sommer und niedrige Infektionszahlen lassen Menschen zögern, wenn sie nicht gar Impfgegner sind. Die Politik versucht mit teils drastischen Maßnahmen gegenzusteuern - was in den Kommentarspalten gleichermaßen Beifall und Entsetzen auslöst.

In Griechenland erhalten junge Leute künftig nach der ersten Corona-Impfung eine Guthaben-Karte im Wert von 150 Euro. Damit können zum Beispiel Fährtickets, Unterkünfte oder Eintrittskarten für Konzerte und Museen bezahlt werden. Das Angebot richtet sich an rund 940.000 Menschen zwischen 18 und 25, die Regierung hat 141 Millionen Euro budgetiert. Sie will damit bis Ende Juli eine Impfquote von knapp 60 Prozent erreichen.

Seit Ende Mai ist in der EU der erste Corona-Impfstoff für Jugendliche freigegeben: Comirnaty von Biontech/Pfizer darf nun auch ab dem Alter von zwölf Jahren verabreicht werden. Auch Moderna hat die EU-Zulassung seines Vakzins für die jüngste Altersgruppe bereits beantragt. Diese Entwicklung entfacht neue Diskussionen.

Die Slowakei hat als zweites EU-Land nach Ungarn mit der Verimpfung des in der EU bislang nicht zugelassenen russischen Impfstoffs Sputnik V begonnen. Igor Matovič, damals Premier, hatte Ende Februar 200.000 Dosen in Moskau bestellt, was ihn letztlich seinen Posten kostete. Die Impfbereitschaft der Slowaken zwischen 18 und 60 Jahren, denen Sputnik verabreicht werden soll, ist indes viel geringer als erwartet.

Die Politik in Europa steht vor einem neuen Problem: Nicht jeder, der sich impfen lassen könnte, tut dies auch. In Dänemark hat die Gesundheitsbehörde nun gemeinsam mit muslimischen Organisationen eine Info-Broschüre herausgegeben. Denn in Gegenden mit einem hohen muslimischen Bevölkerungsanteil wird weniger getestet und geimpft. Doch die Presse ist alles andere als begeistert.

In Zypern wird diese Woche der "Safepass" eingeführt, der den Bürgern in den kommenden Wochen erlaubt, öffentliche Orte aufzusuchen. Darin wird bestätigt, dass die Person entweder Covid-Genesener ist, mit mindestens einer Dosis geimpft wurde oder einen negativen Schnelltest in den vergangenen 72 Stunden gemacht hat. Die Anwaltskammer hat diesen Beschluss als verfassungswidrig bezeichnet und auch die Medien des Landes sind voller Kritik daran.

Die zentrale Rettungsstelle in der estnischen Hauptstadt Tallin hat ihren Mitarbeitern ein Ultimatum gestellt: wer sich bis Mitte Mai nicht gegen Covid impfen lässt, wird entlassen. Ein Betroffener wehrt sich nun in den Medien dagegen. Estlands Presse debattiert, ob eine solche Impfpflicht gerechtfertigt ist.

Mit seinem Vorschlag, den Patentschutz für Covid-19-Impfstoffe temporär aufzuheben, hat US-Präsident Biden eine globale Debatte ausgelöst. Kommissionschefin von der Leyen erklärte, die EU sei bereit, den Vorschlag zu diskutieren, betonte aber, dass es zunächst wichtiger sei, Exporte zu erlauben. Wie der Impfstoff am besten gerecht verteilt werden kann, diskutieren auch Europas Kommentatoren.

Die Verfügbarkeit der Impfstoffe stellt noch immer den engsten Flaschenhals im Kampf gegen die Pandemie dar. Entsprechend tobt der Streit um die Priorität beim Schützen bestimmter Bevölkerungsteile. Europas Presse führt darüber eine engagierte und facettenreiche Debatte.

Polens Bischöfe haben "ernsthafte moralische Bedenken" gegen die Corona-Impfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson. Katholiken sollten eine Impfung mit diesen Stoffen verweigern, da bei ihrer Produktion fötale Zellen verwendet werden, so der Vorsitzende des Bioethik-Gremiums der polnischen Bischofskonferenz, Józef Wróbel, am Mittwoch. Die Landespresse hält ihm kopfschüttelnd den Spiegel vor.

Trotz Covax-Hilfsprogramm: Weil reiche Länder sich die knappen Corona-Impfstoffe gesichert haben, gibt es bis heute Staaten, die noch keine einzige Dosis erhalten haben. Während China und Russland ihre Vakzine von Beginn an weltweit verkauft und teilweise verschenkt haben, lehnt die EU Spenden an Entwicklungsländer bisher ab. Für Kommentatoren würde das ohnehin nichts an der globalen Schieflage ändern.

Die Europäische Arzneimittelbehörde Ema hat ihre neuerliche Prüfung des Astrazeneca-Impfstoffs abgeschlossen und empfiehlt, ihn weiterhin uneingeschränkt zu verwenden. Es gebe zwar einen möglichen Zusammenhang mit sehr seltenen Hirnvenenthrombosen, der Nutzen des Vakzins übertreffe aber mögliche Risiken. Europas Presse bezweifelt, dass die Skepsis nun ausgeräumt ist.

Mitte Januar hatte die EU-Kommission ehrgeizige Ziele verkündet. Demnach sollten bis März mindestens 80 Prozent der Menschen über 80 sowie in Gesundheits- und Sozialberufen geimpft sein. Nun ist klar: Bis Ende März haben EU-weit nur knapp 60 Prozent der über 80-Jährigen die erste Dosis bekommen. Diesen Misserfolg auf die Bürokratie zu schieben ist naheliegend – aber ist es auch gerechtfertigt?

Spitzenreiter Israel, die USA, Großbritannien, Serbien: Sie alle schaffen es schneller, ihre Bevölkerung gegen Corona zu impfen als die EU-Staaten. Kommentatoren suchen nach Gründen, warum die Europäische Union noch immer so hinterherhinkt - und nach Lösungen, wie Tempo und Akzeptanz der Impfkampagnen erhöht werden können.

Die deutsche Bundesregierung hat Vorgespräche für eine Bestellung des russischen Corona-Impfstoffs durch die EU angeregt. Sputnik V sei zwar noch nicht von der Europäischen Arzneimittelbehörde Ema zugelassen, aber man habe auch bei den anderen Impfstoffen schon vorher Gespräche geführt. Kommentatoren unterstützen die Initiative und fordern, ideologische Differenzen beiseite zu lassen.

Weil Corona-Impfstoff in der EU nach wie vor Mangelware ist, hat Ursula von der Leyen mit Exportstopps gedroht. Nach Angaben Brüssels wurden seit Februar mindestens 41 Millionen Dosen aus der EU exportiert, allein zehn Millionen nach Großbritannien. Der britisch-schwedische Hersteller Astrazeneca wiederum habe im ersten Quartal nur 30 Prozent der vereinbarten Menge in die EU geliefert. Europas Presse diskutiert Sinn und Nutzen von Exportstopps.

Die Europäische Arzneimittelagentur Ema hat grünes Licht für die Weiterverwendung des Astrazeneca-Impfstoffs gegeben. Sie hatte eine Prüfung eingeleitet, nachdem diverse EU-Staaten die Impfungen mit dem Mittel ausgesetzt hatten, weil ein Zusammenhang mit sehr seltenen Hirnvenenthrombosen nicht ausgeschlossen werden konnte. Kommentatoren begrüßen das Prüfverfahren und dessen Ergebnis, warnen aber auch vor Dramatisierungen.

EU-Kommissionschefin von der Leyen hat am Mittwoch das lang erwartete Konzept zum „Grünen Zertifikat“ vorgestellt, das ab 1. Juni als Nachweis von Impfungen, Tests oder einer überstandenen Covid-Erkrankung dienen und damit auch Reisen wieder ermöglichen soll. Die Mitgliedstaaten können selbst entscheiden, welche Vorteile die Inhaber bekommen. Europas Presse betrachtet die Pläne mit Skepsis.

Nach dem Alleingang von Premier Igor Matovič beim Einkauf des russischen Sputnik-Impfstoffs droht in der Slowakei die Regierung zu zerbrechen. Die Koalitionspartner verlangen den Rücktritt des Regierungschefs – auf den auch Kommentatoren zu hoffen scheinen. Zur Lösung der Krise bestellte Präsidentin Zuzana Čaputová am Dienstag Matovič und Vizepremier Richard Sulík ein.

Zuletzt auch noch Schweden: Die Liste der EU-Staaten, die Impfungen mit dem Mittel von Astrazeneca vorläufig ausgesetzt haben, wird immer länger. Die Europäische Arzneimittelbehörde Ema will nun bis Donnerstag prüfen, ob es einen Zusammenhang zwischen einigen Fällen von sehr seltenen Thrombosen und der Impfung gibt. Europas Presse diskutiert den Impfstopp kontrovers - und verweist auf ein Dilemma.

Erst gab es Kritik an der Beschaffung, nun auch an der Verteilung von Impfstoffen in der EU: Österreich, Bulgarien, Lettland, Slowenien, Tschechien und Kroatien haben in einem Brief an die Kommission bemängelt, dass das Bestellsystem riesige Ungleichheiten schaffe. EU-Haushaltskommissar Hahn verwies auf nicht genutzte Kontingente und die Probleme mit Astrazeneca. Auch Kommentatoren lassen die Kritik nicht durchweg gelten.

Italien wird voraussichtlich das erste EU-Land sein, in dem der russische Corona-Impfstoff Sputnik V produziert wird. Der italienisch-schweizerische Pharmakonzern Adienne kündigte an, den Impfstoff ab Juli in seinem Werk in Caponago in der Lombardei herstellen zu wollen – unabhängig davon, ob er eine Zulassung in der EU erhält. Kommentatoren beäugen den Vorstoß misstrauisch.

Nach dem Vorpreschen mit der frühen formellen Zulassung von Sputnik V geht Russland beim Thema Corona-Impfung erneut eigene Wege: Sputnik V wird - zumindest in Großstädten - ohne Priorisierung allen Interessenten verimpft. Der Andrang bleibt jedoch trotz relativ hoher Infektionszahlen überschaubar, und laut Umfragen will sich auch nur maximal die Hälfte der Bevölkerung impfen lassen. Was ist da los?

Nach Ungarn hat nun auch die Slowakei den in der EU bislang nicht zugelassenen russischen Impfstoff Sputnik V gekauft, zwei Millionen Dosen. In Tschechien wirbt Präsident Miloš Zeman schon länger für das russische Vakzin. Kommentatoren aus beiden Ländern sind nicht begeistert.

Knapp zwei Monate nach ihrem Start kommen die Impfkampagnen in Europa nicht so schnell voran, wie von vielen gewünscht. Innerhalb der EU treffen die gemeinsam beschafften Lieferungen langsamer als erwartet ein, außerhalb der EU impfen einige Länder wie Großbritannien oder Serbien sehr zügig, andere wie die Ukraine hinken hinterher. Europas Presse diskutiert, was an der Organisation noch verbessert werden könnte.

Die bulgarische Regierung hat ihren bisherigen, nach Bedarfsgruppen abgestuften Impfplan verworfen und ab sofort allen Menschen den Zugang zur Impfung erlaubt. Bisher verlief die Kampagne nur schleppend. Am Wochenende wurden 30.000 Dosen des Astrazeneca-Vakzins verabreicht, davor seit Dezember rund 120.000. Ein voller Erfolg auch gegen die verbreitete Skepsis also?

Großbritannien ist mit über vier Millionen Infizierten und mehr als 117.000 Toten eins der am stärksten von Corona betroffenen Länder Europas, sein Krisenmanagement wurde vielfach kritisiert. Nun aber hat das Königreich beim Impfen die Nase vorn: 90 Prozent der über 70-Jährigen haben bereits eine Spritze erhalten, Premier Boris Johnson versprach deshalb "vorsichtige, aber unumkehrbare" Lockerungen.

Seit dem Wochenende können sich alle Menschen in Lettland auf einem neuen Webportal für eine Impfung gegen Covid-19 anmelden. Bis Dienstag registrierten sich auf manavakcina.lv 62.000 Personen. Die Impfkampagne ist in Lettland sehr schleppend angelaufen; bisher wurden rund 18.000 der knapp zwei Millionen Einwohner geimpft. Die Landespresse glaubt nicht, dass das neue Portal eine große Hilfe ist.

Langsam steigt die Zahl der gegen das Coronavirus geimpften Menschen. Sollen diese Personen dank Impfpässen bald wieder in ein normaleres Leben zurückkehren können, wie es beispielsweise Dänemark plant - vielleicht sogar, bevor andere Bevölkerungsgruppen überhaupt die Chance auf eine Impfung hatten? Für die europäische Presse geht Solidarität hier mehrheitlich über individuelle Freiheit.

Die Kritik an Europas Vorgehen bei der Impfstoffbeschaffung hält auch nach dem weitgehend beigelegten Streit mit Astrazeneca weiter an. Komissionspräsidentin von der Leyen räumte inzwischen Fehler ein, verteidigte jedoch die gemeinsame Beschaffungsstrategie. Europas Kommentarspalten bilden die Kontroverse exemplarisch ab.

Während die EU mit Astrazeneca um Zusagen und Liefermengen streitet, haben Staaten mit geringer Finanzkraft vor allem auf der Südhalbkugel noch weit größere Probleme, Impfstoffdosen in ausreichender Zahl zu bekommen. Wie kann mehr Impfgerechtigkeit erreicht werden?

In den meisten europäischen Ländern sind die Corona-Impfungen in vollem Gange – so weit der Vorrat reicht. Priorität genießen meist Alte, Pflegeheimbewohner und systemrelevante Berufsgruppen - je nach nationalem Impfplan. Doch fast überall gibt es auch Privilegierte, die sich über die Bestimmungen hinwegsetzen, um schneller geimpft zu werden. Kommentatoren macht das wütend.

Italien hat die Ausfuhr von 250.000 Dosen des britisch-schwedischen Astrazeneca-Impfstoffs an Australien gestoppt. Damit hat erstmals ein EU-Land den im Januar beschlossenen Exportkontrollmechanismus genutzt, wonach Impfstoffe Europa nur mit Genehmigung verlassen dürfen. Steht die EU in der Auseinandersetzung mit den Herstellern und der globalen Konkurrenz doch nicht so schwach da?

Im Streit der EU mit Astrazeneca haben sich die Wogen über das Wochenende weiter geglättet. Der Impfstoffhersteller kündigte an, bis Ende März doch mehr Dosen zu liefern, kommt damit aber weiterhin nur auf die Hälfte der ursprünglich anvisierten Menge. Kommentatoren sparen nicht mit Kritik an der Strategie der EU.

In Europa wächst die Kritik am Tempo der Corona-Impfkampagne. So warf unter anderem Biontech-Chef Uğur Şahin der EU eine zu zögerliche Bestellung vor. Länder wie Israel, die USA oder Großbritannien sind bei der Zahl der verabreichten Impfdosen pro 100 Einwohner deutlich weiter. In der Frage, ob die EU oder eher ihre Mitglieder Schuld sind, beißt sich die Katze laut Kommentatoren in den Schwanz.

Die Staats- und Regierungschefs der EU haben sich auf ihrem Gipfel hinter die Ziele der Kommission gestellt: Bis Ende März sollen mindestens 80 Prozent der Über-80-Jährigen sowie das Pflegepersonal geimpft werden, bis zum Ende des Sommers möglichst 70 Prozent der Gesamtbevölkerung. Nicht nur angesichts des vielerorts schleppenden Verlaufs der Impfkampagne haben Kommentatoren kritische Nachfragen.

Nach der bedingten Marktzulassung für den ersten Corona-Impfstoff wollen die EU-Staaten ab dem 27. Dezember mit Impfungen beginnen. "Wir fügen dem Kampf gegen Covid-19 ein wichtiges Kapitel hinzu", sagte EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen. Auch Europas Presse sieht den Schritt als Meilenstein.

Großbritannien hat am Dienstag begonnen, Bürger gegen das Coronavirus zu impfen. Die 90-jährige Margaret Keenan war die erste, die das Vakzin von Biontech und Pfizer gespritzt bekam. Sie forderte ihre Landsleute auf, ebenfalls am größten Impfprogramm der Geschichte des Landes teilzunehmen. So betrachten europäische Medien die Vorreiterrolle des Brexit-Staates.

Am heutigen Montag will die Europäische Arzneimittel-Agentur über die Zulassung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer entscheiden. Die anschließend notwendige Zustimmung der EU-Kommission gilt als sicher. Noch vor Jahresende soll dann eine EU-weite Impfkampagne starten. Kommentatoren beschäftigt, was Europa auf dem langen Weg zur Impfstoffzulassung gelernt hat.

Die britischen Gesundheitsbehörden haben eine Notfallzulassung für den Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer erteilt. Den ersten 800.000 Britinnen und Briten soll BNT162b2 bereits kommende Woche verabreicht werden. Gesundheitsminister Hancock sagte, er sei stolz, dass das Königreich dies als erster Staat ermögliche. Nicht alle Kommentatoren sehen die schnelle Zulassung als bedeutenden Meilenstein.

Auch Wochen nach Start der Impfkampagne in ganz Europa wird deren Strategie in den Kommentarspalten noch immer rege debattiert: Es gibt kein einheitliches Vorgehen und in jedem Land erregt etwas anderes die Gemüter der Journalisten.

Am heutigen Dienstag hat Großbritannien damit begonnen, seine Bürger gegen Covid-19 zu impfen. Bereits am Montag verabreichte Russland seinen Impfstoff an 25.000 Freiwillige. Auch andere Staaten wollen möglichst bald mit ihren Kampagnen beginnen. Das stellt viele Menschen in Europa vor die Frage: Soll ich mich impfen lassen oder nicht? In den Kommentarspalten finden sie unterschiedliche Antworten.

Nach dem Anlaufen der Impfkampagnen in der EU beschäftigt nicht nur deren träges Tempo die Presse. Auch die vielerorts mangelnde Impfbereitschaft bietet Diskussionsstoff. Laut einer Ipsos-Studie wollen sich in den EU-Staaten teils deutlich weniger Menschen gegen Covid-19 impfen lassen als in anderen Weltregionen. Kommentatoren überlegen, wie damit umzugehen ist.

Die Meldungen aus der Pharmaindustrie zur Wirksamkeit ihrer Covid-Impfstoffe machen Hoffnung auf ein absehbares Ende der Pandemie. Doch viele Fragen sind noch ungeklärt, darunter vor allem jene, wie die Impfstoffe global gerecht verteilt werden können. Medien streiten darüber, ob der Markt diese heikle Frage lösen soll oder ob die Weltgesundheit über dem wirtschaftlichen Erfolg der Hersteller steht.

Nachdem Biontech und Pfizer und kurz darauf auch der US-Konzern Moderna einen Durchbruch bei der Entwicklung hochwirksamer Corona-Impfstoffe vermeldet hatten, ist die Hoffnung auf eine Überwindung der Pandemie durch flächendeckende Immunisierung gestiegen. Während einige Kommentatoren geradezu euphorisch werden, sehen andere noch erhebliche Hürden und Gründe für Skepsis.

Weltweit wird in hohem Tempo an einem Corona-Impfstoff geforscht. Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn rechnet "Anfang nächsten Jahres" mit einem Impfstoff, wie er am Freitag erklärte. Doch Kommentatoren zweifeln, ob das Virus dadurch tatsächlich so weit zurückgedrängt werden kann, dass ein Leben ohne Einschränkungen wieder möglich ist.

Der Pharmakonzern Astra Zeneca hat die klinische Studie zur Erforschung eines Covid-Impfstoffs vorübergehend gestoppt, da bei einem Probanden gesundheitliche Probleme aufgetreten waren. Nun werde von unabhängiger Seite geprüft, ob die Erkrankung mit dem Serum zu tun habe, so der Konzern. Für Europas Medien ist das eher ein Grund zur Freude denn zur Enttäuschung.

Die EU-Kommission will sich 80 Millionen Dosen des potenziellen Corona-Impfstoffs des US-Unternehmens Moderna sichern. Der Wirkstoff ist einer von acht, die bereits in der klinischen Erprobungsphase sind. Von weiteren Unternehmen hatte die Kommission sich bereits zuvor Millionen Impfeinheiten gesichert. Wohin führt der Wettlauf um den Impfstoff?

Russland hat als erstes Land einen Impfstoff gegen das Coronavirus zur allgemeinen Anwendung zugelassen. Sputnik V sei effektiv und sorge für eine beständige Immunität, sagte Kremlchef Putin am Dienstag. Wissenschaftliche Daten wurden aber noch nicht veröffentlicht. Journalisten warnen nicht nur vor gesundheitlichen Risiken.

Der Chef des französischen Pharmariesen Sanofi, Paul Hudson, hat mit Aussagen für Empörung gesorgt, wonach die USA wegen ihrer finanziellen Unterstützung der Sanofi-Forschung bei der künftigen Versorgung mit einem Corona-Impfstoff bevorzugt würden. Obwohl Hudson mittlerweile zurückruderte, stellt sich für Hersteller wie Politik die Frage nach Gesundheit und Gerechtigkeit.