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Islam in Beton. Zum Streit um den Bau der Freitagsmoschee in Köln-Ehrenfeld, von Necla Kelek

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Moscheen sind Männerhäuser

Moscheen sind der Ort, an dem sich die vertikale Trennung der Gemeinde in die der Männer und der Frauen manifestiert. Frauen sind – es soll eine Ausnahme geben – nur in separaten Räumen geduldet.

Eine Demokratie und vor allem unsere Gesellschaft leben aber davon, dass Männer und Frauen gemeinsam in der Öffentlichkeit Verantwortung tragen, gleiche Rechte haben und auch gleich behandelt werden. Die Trennung der muslimischen Gemeinde in die Männer, die in der Moschee sitzen, beten und ihre Geschäfte machen und die der Frauen, die in ihre Wohnungen verbannt sind, kann kein Integrationsmodell sein. Wenn über Moscheebau diskutiert wird, muss die Frage gestellt werden, welche Möglichkeiten der gleichberechtigten Teilhabe und Verantwortung die Frauen haben.

Solange die Moscheen nicht das partnerschaftliche Miteinander pflegen, sondern archaische und patriarchalische Strukturen befördern, solange sind solche Häuser für mich nicht akzeptabel. Und ich verstehe auch die Repräsentanten und Vertreter der meisten Parteien nicht, die Toleranz für die Muslime einfordern und gleichzeitig zulassen, dass Frauen auf diese Art diskriminiert werden.

Die Kuppel als Zeichen der Eroberung

Muslime beklagen oft, dass sie ihre Gebetsräume in Wohnungen oder stillgelegten Gewerbeeinheiten einrichten mussten. Dabei ist dies durchaus nicht unmuslimisch oder diskriminierend. Die Ur-Moschee war Muhammeds Wohnhaus in Medina: ein Hof mit offener Säulenhalle. Erst als der Islam christliche Kirchen eroberte, änderte sich auch die Architektur der Moscheen.
Die Kuppel wie sie jetzt auch den Kölner Entwurf ziert, verdankt ihre Idee dem Rundzelt, aber ihre Durchsetzung der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen. Durch die Umwidmung des gigantischen Kuppelbaus der byzantischen Hagia Sofia im damaligen Konstantinopel zur Moschee wurde eine christliche Kirche zum Vorbild für die türkische Moschee. Minarett und Kuppel wurden Zeichen osmanischer Herrschaft – auch in Mekka. Der Entwurf der Architekten für die Kölner Moschee nimmt diese Tradition des Gestus der Eroberung auf. Eine offene Kuppel mit stilisierter Weltkugel zeigt noch keine Weltoffenheit. Es ist entscheidend, was darunter passiert. Man könnte diese Kuppel und das Minarett auch als Hegemonieanspruch deuten, ganz so wie der Islam die christliche Hagia Sofia eroberte und sich als "Siegel", als Vollendung der Religionen begreift und Anspruch auf Weltherrschaft reklamiert. Jedenfalls steht er in osmanischer Tradition und zielt weder von der äußeren Form, noch von der inneren Funktion her auf Erneuerung oder Integration. Die Architekten haben geliefert, was ihre konservativen Auftraggeber wollten: ein politisches Statement des Islam in Beton. Damit steht das Ansinnen um den Bau in einer Linie mit dem Streit um das Kopftuch. Freitagsmoscheen im Stadtbild sind wie die Kopftücher auf der Straße ein sichtbares politisches Statement. Es soll sagen: Wir sind hier, wird sind anders und wir haben das Recht dazu. Das haben sie tatsächlich, nur müssen sie sich dann auch gefallen lassen, dass gefragt wird: Was macht ihr mit diesem Recht und was tut ihr für diese Gesellschaft? Oder grenzt ihr euch nur ab?

Die politische Absicht, solch eine repräsentative Moschee in Köln durchzusetzen, ist allzu deutlich. Es sollen und werden in anderen Städten weitere Moscheebauten folgen. Das wird den Initiatoren mit dem Kölner Beispiel im Rücken leichter fallen. In Duisburg entsteht gerade eine ähnliche Freitagsmoschee. Die islamischen Organisationen drängen auf öffentliche Anerkennung. Sie wollen mit den Kirchen gleichgestellt werden. Wie kann man diesen Anspruch besser verdeutlichen als mit Steinen, die sagen: "Seht her, wir haben auch solche Gebäude wie ihr Christen und Juden." Es ist nichts anderes als eine Manifestation und Missionierung durch Steine und Beton.

Eine beschämende Politik

Dass sich gegen eine solche Politik Widerstand erhebt, ist verständlich.
Denn die Muslime in Deutschland haben ein großes Problem: das der Glaubwürdigkeit. Wort und Tat liegen zu oft und zu weit auseinander. Öffentlich gibt man sich verfassungstreu, doch was in den Gemeinden gedacht und gemacht wird, dass wird verschleiert, dafür gibt es keine Offenheit. Mich beschämt was die Vertreter der Muslime in Deutschland auf diese Weise präsentieren. Es gibt eine Reihe großer sozialer Probleme mit der deutschen Sprache, in Familien, in der Erziehung, in Fragen der Gleichberechtigung der Frauen, Jugendkriminalität, der Gewalt in der Familie und der Integration. Drängende Fragen, deren Lösung den Einsatz und das Geld der Muslime eher bräuchten, als das sie mit Repräsentativbauten Stärke zeigen sollten. Immer wenn diese Probleme angesprochen werden, wird behauptet, dass habe nichts mit dem Islam zu tun. Aber eine Religion, die den Anspruch erhebt, alle Aspekte des öffentlichen und privaten Lebens eines Gläubigen in Vorschriften, Gebote und Traditionen zu fassen, kann sich nicht bei erstbester Gelegenheit vor den Folgen dieses Anspruches drücken. Als Antwort verweist man auf die Verantwortung der deutschen Gesellschaft und stellt Forderungen an die Gesellschaft.

Die Selbstverantwortung wird verweigert. Das ist zu durchsichtig und verärgert. Wo ist die öffentliche Spendenkampagne der muslimischen Organisationen, die es allen Muslimen ermöglicht, Deutsch zu lernen? Wo sind die Initiativen für frühkindliche Bildung, wo die Aktion für die Gleichberechtigung der Frau? Fehlanzeige. Man hat Geld für Architekten, Anwälte und Beton, man gründet Koordinierungsräte und fordert Anerkennung ohne auch nur einen Gedanken darauf zu verschwenden, was die Muslime für diese Gesellschaft tun können und was sie ihr verdanken. Religionsfreiheit zum Beispiel, die Christen, Aleviten undAramäern in der Türkei und anderen muslimischen Ländern verwehrt wird.

Unter den Organisationen der Muslime ist die Zahl der Sekten und Richtungen kaum zu überschauen, aber gegenüber den Deutschen wird gemeinsam aufgetreten und die taqiyya, die Kunst der Verstellung und des Verschweigens der wahren Haltung gegenüber Ungläubigen praktiziert. Die Initiatoren der Kölner Moschee sind Vertreter der türkischen Religionsbehörde. Was die DITIB in Deutschland vorführt, ist Politik im Auftrag der türkischen Regierung. Es sind nicht die Interessen der deutschen Muslime, die von ihnen vertreten werden. Die Organisationen sollen sich deshalb nicht wundern, wenn die Sorge und das Misstrauen über ihr Verhalten wächst, zumal sie auf Kritik beleidigt reagieren und sich als Opfer stilisieren. Für unsere "westliche" Gesellschaft gilt der Satz von Max Frisch: "Demokratie bedeutet, sich in die eigenen Angelegenheiten einzumischen." Der Islam ist eine Realität in Deutschland. Und deshalb ist er auch eine Angelegenheit der deutschen Gesellschaft. Die Muslime müssen es sich gefallen lassen, wenn andere fragen, in welcher Gesellschaft sie leben wollen und wie sie es mit den Werten dieser Gesellschaft halten.

 

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