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Reflexionen

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REFLEXIONEN

Népszabadság - Ungarn | 25.11.2008

Elemér Hankiss über die Stärkung der gesellschaftlichen Solidarität

In der linksliberalen Zeitung reflektiert der Soziologe Elemér Hankiss über die Möglichkeiten der Zivilgesellschaft, einen Beitrag zum staatlichen Krisenmanagement zu leisten. "Auch wenn wir nicht davon sprechen können, dass sich unser Lebensstil geändert hat, so hat er sich zumindest verändert. Wir sind sparsamer geworden: weniger Nahrungsmittel werden weggeworfen, Heizungen um einige Grad heruntergedreht, Autokäufe und Urlaube aufgeschoben, Kreditkarten geringer belastet, ein bisschen mehr Arbeit, ein paar Zigaretten weniger, einige Dosen Bier weniger. ... Es gibt im Leben aber einen Bereich, wo wir in schweren Zeiten nicht weniger, sondern mehr ausgeben müssten - nicht unbedingt Geld, aber Zeit und Energie. Diesem Bereich müssten wir heute mehr Aufmerksamkeit schenken, als wir es bisher gemacht haben. ... Es kommt der Winter: Es wäre nicht gut, wenn noch mehr Menschen frieren als bisher. Die Lebenshaltungskosten steigen: Es wäre nicht gut, wenn noch mehr Kinder hungrig in die Schule gingen. ... Die Reallöhne sinken: Es wäre nicht gut, wenn die Unternehmer, die Profiteinbußen hinnehmen müssen, ihre Angestellten noch mehr ausplündern und die Qualität ihrer Produkte senken. Und vor allem wäre es nicht gut, wenn jene, die finanziell besser gestellt sind, jetzt aus Angst, Vorsicht oder Verantwortungsgefühl gegenüber ihren Familien den bedürftigen Mitmenschen weniger helfen. Es wäre nicht gut, wenn die ohnehin schwache gesellschaftliche Solidarität weiter abnehmen und die Gesellschaft sich noch mehr atomisieren würde." (25.11.2008)

Les Echos - Frankreich | 25.11.2008

Laurent Cohen-Tanugi über die neue Agenda der USA

In der Wirtschaftszeitung Les Echos analysiert der Rechtsanwalt und Essayist Laurent Cohen-Tanugi, warum Europa nicht auf der neuen Agenda der Vereinigten Staaten steht: "[Bei der Wahl von Barack Obama] handelt es sich zuerst und vor allem um eine wichtige und bewegende amerikanische Angelegenheit. ... Wenn man zu dieser Realität den Ernst der Wirtschafts- und Finanzkrise hinzufügt, welche die größte Macht der Welt durchwirbelt, wird man verstehen, dass die Agenda der Obama-Berater ... zuerst national ausgerichtet sein muss. Das bedeutet nicht, dass sich das neue Team in Washington nicht stärker gegenüber Europa öffnet. Aber jene Amerikaner, die Europa am ehesten als privilegierten Partner sehen, erwarten auch am meisten von Europa. ... Das Trio Sarkozy-Brown-Merkel ist viel verlockender, kohärenter und konstruktiver als die Front Chirac-Schröder-Putin ... und die Europäische Union unter französischer Präsidentschaft hat echte Führungskraft bewiesen. ... Aber dies wird gegenüber einem Amerika, das durch einen historischen Wahlausgang neue Kraft gesammelt hat, und vor allem in Anbetracht der zahlreichen schwierigen und potenziell konfliktgeladenen Themen auf beiden Seiten des Atlantiks und innerhalb der Europäischen Union nicht reichen: Afghanistan und Pakistan führen die Liste Obamas an, das Nuklearprogramm in Iran, Russland, und die Fragen von Nato-Erweiterung und Raketenabwehrschild, nicht zu vergessen der Irak und der Nahe Osten." (25.11.2008)

Irish Independent - Irland | 24.11.2008

James Downey über den Vertrag von Lissabon

Die Tageszeitung Irish Independent kommentiert die wieder entbrannte Debatte über den Vertrag von Lissabon: "Die Frontlinien in der Debatte über den Lissabon-Vertrag sind erneut gezogen worden. Wir können sie jetzt mit einer Klarheit sehen, die uns vor dem Juni-Fiasko verwehrt war, als das Nein-Lager mit ihrem Gerede über Souveränität, Abtreibung und die Verhaftung von dreijährigen Kindern so viele Wähler verwirrte. Wir - und Europa - sind mit nichts weniger als mit der Wahl zwischen liberaler Demokratie und der unheiligen Allianz der 'ökonomisch Rechten' und der Fundamentalisten konfrontiert . ... Wir haben möglicherweise eine irreparable Verschlechterung unseres Status' erlebt. Das ist jedoch eine Kleinigkeit, verglichen mit dem schlimmsten Szenario für Europa und Irland. Die EU könnte zersplittern und somit desaströsen Wirtschafts- und Sicherheitskonsequenzen ausgesetzt sein. In solch einem Szenario würden sich die großen Länder selbst schützen. Sie hätten wenig Interesse, Irland zu beschützen. Unsere Währung würde wertlos werden, wie die Islands, sollten wir es nicht schaffen, in der Währungsunion zu verbleiben. Und unsere Abhängigkeit von Großbritannien in Sachen Wirtschaft und Sicherheit würde steigen. Mit anderen Worten: Wir würden die Unabhängigkeit verlieren, für die irische Politiker in der Vergangenheit gekämpft haben. Will das irgendjemand?" (24.11.2008)

Les Echos - Frankreich | 24.11.2008

Jean-Marc Vittori über die Rückkehr des Doktor Keynes

In der heutigen Wirtschaftskrise kehrt der Keynesianismus zurück, analysiert Jean-Marc Vittori in der Wirtschaftszeitung Les Echos: "Dies ist die Rückkehr von [John Maynard] Keynes. Und der zweite Tod von Milton Friedman. Die Krise, die die globale Wirtschaft durchschüttelt, ... schüttelt auch die globalen Wirtschaftstheorien gut durch. John Maynard Keynes, Held der 1930er Jahre, steht wieder ganz oben. ... Nach dem Platzen der größten Finanzblase der Geschichte, stürzen die Preise der Aktiva genau wie das Immobiliengeschäft oder die Aktien ab. Das Geld fehlt. Die Banker müssen ihre Bilanzlöcher stopfen, was ihren Verleiheifer bremst. Und die Verbraucher haben kaum noch Lust, sich überhaupt Geld zu leihen. Die Nachfrage sinkt. Sie sorgt nicht mehr für Vollbeschäftigung. Wir befinden uns wirklich in einer 'keynesianischen' Situation, die einen starken öffentlichen Eingriff vertretbar macht. Der Staat muss viel mehr ausgeben, um die Katastrophe zu vermeiden - je eher desto besser. ... In diesem Tohuwabohu kommen die Stimmen der Befürworter eines freien Marktes nicht durch. Die Dringlichkeit besteht darin, die Wirtschaft nach dem Rezept des Doktor Keynes zu retten. Milton Friedman bleibt daneben seiner Rolle als Architekt treu. Möglicherweise kann sein Laisser-faire uns dabei helfen, ein wirksameres System zu errichten, wenn es der Wirtschaft gut geht, aber nicht wenn sie kurz vor dem Ersticken ist." (24.11.2008)

Heti Válasz - Ungarn | 21.11.2008

András Lánczi über den Wandel der politische Kultur in Europa

In der konservativen Wochenzeitung Heti Válasz reflektiert der Philosoph András Lánczi über den Niedergang und die Verlotterung der politischen Kultur in Europa. "Heute sagen wir nicht mehr 'Guten Tag', sondern 'Schönen Tag', was freilich ein Anglizismus ist, der von einem blasierten Snobismus herrührt. Zugleich drückt er aber auch eine Denkweise aus: Wir tauschen moralische Begriffe gegen pragmatische Begriffe aus, welche Positionen und Verhältnisse beschreiben. Um es verständlicher auszudrücken: An einem Tag kann der Mensch Kommunist, Liberaler oder Anarchist sein, am nächsten Tag kann er aber schon wieder das Gegenteil von sich behaupten. ... Früher wurde jemand bestraft, weil er gegen die moralischen und rechtlichen Regeln der Gemeinschaft verstoßen hat. Heute wird er dafür bestraft, dass er an einer moralischen Urteilsfindung festhält. Wir sprechen hier von zwei Sprachen. In Wirklichkeit hat sich die Sprache der politischen Eliten gespalten, deshalb können sie sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr verstehen. Die wechselseitige Missgunst tut ihr übriges. Sie entscheidet darüber, welche Interpretation gegenüber den [politischen] Feinden angewandt wird. Der europäischen Kultur lag einst eine moralische Weltordnung zugrunde. Haltungen wie Vertrauen, Treue, Aufrichtigkeit, Ehre, Scham und Großzügigkeit sind ins Hintertreffen geraten. Stattdessen können wir heute unter dem Anstrich der 'Toleranz' ein machtpolitisch orientiertes, verlogenes Denken und eine arrogante, skrupellose Verfolgung der Interessen beobachten." (21.11.2008)

Helsingin Sanomat - Finnland | 21.11.2008

Marjut Jyrkinen und Suvi Keskinen über Gewalt gegen Frauen in Finnland

Gewalt gegen Frauen ist in Finnland ein großes gesellschaftliches Problem, zeigen Marjut Jyrkinen und Suvi Keskinen von der Universität Tampere in ihrem Gastbeitrag in Finnlands größter Tageszeitung Helsingin Sanomat: "Die jüngsten Familientragödien - vier Tote in Oulu, je zwei in Porvoo und Helsinki - werden mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten, Depressionen oder dem 'Schmerz des Scheiterns' erklärt. Irreführend spricht man von Todesfällen in der Familie und erweiterten Selbstmorden. ... Finnland ist ein wohlhabender Staat, in dem es den Menschen ziemlich gut geht, aber immer noch wird fast jede zweite Woche eine Frau durch ihren aktuellen oder ehemaligen Ehemann getötet. ... Im Verhältnis zur Bevölkerung gehört Finnland zu den Ländern, in denen Frauen am häufigsten getötet werden. Gewalt von Männern gegen Frauen ist ein verbreitetes und ernstes Problem in Finnland. ... Bei Gewalt gegen Frauen handelt es sich nicht um einzelne Entgleisungen, sondern um stetige und sich intensivierende Gewalt. ... Gewalt und Missbrauch von Macht sind selten zufällig. ... In Finnland ist ein traditionelles Männerbild nach wie vor stark verbreitet, auch wenn sich die Rolle der Frauen und ihr Bildungsstand in den letzten Jahrzehnten radikal gewandelt haben." (21.11.2008)

Világgazdaság - Ungarn | 20.11.2008

Joseph E. Stiglitz über die globale Wirtschaftskrise

In der Wirtschaftszeitung Világgazdaság macht sich der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz über die globale Wirtschaftskrise Gedanken. "Die Welt versinkt derzeit in einer Wirtschaftskrise, die voraussichtlich die schlimmste seit einem Vierteljahrhundert sein wird, vielleicht sogar die schlimmste seit der Weltwirtschaftskrise 1929. Diese Krise ist in vieler Hinsicht 'Made in America'. ... Diejenigen, die schon vor der Krise große Handelsbilanzdefizite und eine hohe Staatsverschuldung hatten, werden stärker zu leiden haben als die anderen. Die Länder, die ihre Kapital- und Finanzmärkte nicht vollständig liberalisiert haben, wie China, werden dankbar sein, dass sie dem Drängen des US-Finanzministeriums nicht nachgegeben haben. ... Die alten Institutionen haben den Reformbedarf erkannt, doch haben sie sich im Schneckentempo bewegt. Sie unternahmen nichts, um die aktuelle Krise zu verhindern. Zudem stellt sich die Frage, wie wirksam die Reaktionen dieser Institutionen sind. ... Nach der Weltwirtschaftskrise benötigte die Welt 15 Jahre und einen Weltkrieg, um an einem Strang zu ziehen und auf die Schwächen des globalen Finanzsystems einzugehen, die zur Krise beigesteuert hatten. Bleibt zu hoffen, dass wir dieses Mal nicht so lange dafür brauchen: Angesichts der starken globalen Verflechtungen wären die Kosten einfach zu hoch. ... Es ist deutlich geworden, dass die wirtschaftlichen Lehrsätze, die den bestehenden Bretton-Woods-Institutionen [Weltbank, Internationaler Währungsfond] zugrunde liegen nicht nur in den Entwicklungsländern, sondern auch in den Kernländern des Kapitalismus gescheitert sind." (20.11.2008)

Financial Times - Großbritannien | 20.11.2008

Marta Dassù über das europäische Paradox

Marta Dassù, Direktorin des Aspen Instituts in Italien, schreibt in der Tageszeitung Financial Times, dass ein fragmentiertes Europa dem erklärten Ziel multilateralen Handelns der EU im Weg stehe: "Hierin liegt das europäische Paradox. Seit einem Jahrzehnt sind die Europäer die größten Verfechter eines 'reformierten' multilateralen Regierens. Sie haben eine entscheidende Rolle bei der Antwort auf die Finanzkrise gespielt und haben sich die Idee eines neuen 'Bretton Woods' (was immer das im Detail heißen mag) einfallen lassen. Jedoch ist ein fragmentiertes Europa auch ein Hindernis für genau dieses Ziel [des multilateralen Regierens]: Warum sollte der Rest der Welt mit einer Fülle von Völkern umgehen, die alle behaupten, für 'Europa' zu sprechen? Die einfache Wahrheit ist, dass die Europäer heute in allen internationalen Institutionen überrepräsentiert sind. Eine einzige Eurozonen-Stimme beim Internationalen Währungsfonds würde eindeutig Sinn ergeben. Jeder weiß jedoch, dass das nicht bald passieren wird. Dieser Widerspruch kann nicht bleiben, wollen die Europäer ernst genommen werden, wenn sie für internationale Regierungsreformen werben. Anstatt abstrakt über eine einzige EU-Stimme zu sprechen, sollten Europäer pragmatische Arrangements schmieden, um ihre externe Repräsentation zu vereinfachen und effektiver zu machen." (20.11.2008)

Delo - Slowenien | 19.11.2008

Barbara Kramžar über Nationalismus in Osteuropa

Anlässlich der zunehmenden Spannungen zwischen Ungarn und der Slowakei, fragt Barbara Kramžar in der Tageszeitung Delo, warum der Nationalismus in den beiden Ländern zunimmt. "Die Wut der ungarischen Minderheit in der Slowakei ... ist groß, doch Ministerpräsident Fico regiert weiter in einer Koalition mit einem extremen Nationalisten. ... auch Ungarn ist nicht ganz unschuldig ... Vor allem aber rutscht das Land in eine wirtschaftliche Flaute, deren Ende nicht in Sicht ist. Die Schulden allein wären nichts Schlimmes, ... doch da in Ungarn schon seit einiger Zeit nur die Schulden wachsen, bräuchte das Land mutige Politiker, die in schweren Zeiten zusammenarbeiten könnten. Stattdessen verlassen die Oppositionspolitiker den Parlamentsaal, sobald der Ministerpräsident anfängt zu reden. Doch auch Ferenc Gyurcsány hat Dreck am Stecken. ... Bei solchen Politikern sucht das Volk offensichtlich Zuflucht bei Extremisten, die ungehindert ihren Hass propagieren. ... Der slowakische Ministerpräsident erwartet auch in der Krise ein Wachstum von fünf Prozent ... Doch was wird aus denen, denen es schlechter gehen wird, die sich gleichzeitig aber noch nicht von den sozialen Utopien befreit haben, die in Europa sehr schnell ins Nationalistische abdriften? Ein Jahrzehnt der Entbehrung hat für den kometenhaften Anstieg des serbischen Nationalismus gereicht, der zum Krieg in Jugoslawien geführt hat. ... Die Demokratie in Europa, so ist zu hoffen, wird leichter eine Lösung finden." (19.11.2008)

Information - Dänemark | 19.11.2008

Strømberg Hansen über ein neues Gesellschaftssystem

Die Klima- und Finanzkrise lassen den Bedarf nach einem neuen Gesellschaftssystem, einem rechtsdemokratischen, offen zu Tage treten, meint der selbstständige Investor und Mitglied des dänischen Rechtsverbandes Strømberg Hansen in der Tageszeitung Information: "Der zentrale Punkt des jetzigen Systems ist doch die unsoziale Verteilungspolitik. Einkommen durch Arbeit wird hoch besteuert, während Einkommen ohne Arbeit und der Besitz von Eigentum kaum besteuert werden. ... Die rechtsdemokratische Ideologie grenzt sich klar von sowohl von linker und rechter Politik, als auch von der Politik der Mitte ab. ... Wo die wirtschaftliche Gleichheit in sozialistischen Systemen liegt und wo die Ungleichheit von Liberalen angestrebt wird, ist vom rechtsdemokratischen Prinzip gesehen bedeutungslos. Aber wenn es um die Gleichheit vor dem Gesetz und die gleichen Möglichkeiten für alle, unabhängig von Geschlecht, Rasse und Religion, geht, ist der Gleichheitsbegriff zentral. ... Mitten in der globalen Wirtschaftskrise steht die Frage: Warum? Eine zentrale Antwort muss die Finanzblase der Unternehmen nennen. Die Abschreibung von Kapital hat gigantische Möglichkeiten eröffnet, Werte ohne Produktion zu schaffen. Das würde ein rechtsdemokratisches Gesellschaftssystem nicht zulassen." (19.11.2008)


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