Finnland: Steuern machen Medien das Leben schwer

Finnland steht im Ranking von Reporter ohne Grenzen zwar auf dem vierten Platz, doch auch hier gab es in den vergangenen Jahren einen Fall politischer Einflussnahme.

Medienhaus Sanoma in Helsinki (© picture-alliance/dpa)
Medienhaus Sanoma in Helsinki (© picture-alliance/dpa)
In eine schwere Krise geriet die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Yle Ende 2016: Der Sender hatte über eine staatliche Geldspritze für den finanziell angeschlagenen Terrafame-Konzern berichtet. Bei dieser Entscheidung hätte sich - so auch die Berichterstattung anderer Medien - Premier Sipilä eigentlich für befangen erklären müssen. Weitere kritische Berichte zu dem Thema ließ die Yle-Chefredaktion dann nicht mehr zu. Dies soll auf Druck von Sipilä geschehen sein, der aber jegliche Einflussnahme bestreitet. Mehrere bekannte Yle-Journalisten kündigten daraufhin. Im Mai 2017 musste dann der Yle-Chefredakteur seinen Hut nehmen.

Die Medienkrise und der Umbruch der Medienlandschaft sind Dauerthemen in Finnland. Zwei umstrittene Steuerentscheidungen haben die Debatte befeuert: die Einführung der Mehrwertsteuer für Printprodukte 2012 - zunächst neun, mittlerweile zehn Prozent - und ein Jahr später die Einführung der sogenannten Yle-Steuer, benannt nach der finnischen Rundfunkanstalt. Die Zeitungsverlage machen die Mehrwertsteuereinführung mitverantwortlich für den fortschreitenden Auflagenrückgang.

Die Einführung der Mehrwertsteuer auf Printprodukte hat sich auch für den Staat als Fehler erwiesen. Spülte die Steuer 2013 noch 31 Millionen Euro in die Staatskasse, waren es 2015 nur noch 15 Millionen. Die Steuer lässt sich nämlich umgehen. So verschicken mittlerweile die beiden Medienunternehmen A-Lehdet und Sanoma ihre Zeitschriften von Norwegen aus. Werden die Zeitschriften aus einem Nicht-EU-Land versendet, ist das Abo mehrwertsteuerfrei.

Trotz des Auflagenrückgangs sind die Finnen im internationalen Vergleich weiterhin eifrige Zeitungsleser. Auf 1.000 Einwohner kommen laut der Seite medialandscapes.org 298 Zeitungsexemplare (2014). Finnland rangiert damit weltweit an fünfter Stelle.

Kennzeichnend für die finnische Medienlandschaft ist eine hohe Konzentration. Zwei Medienkonzerne, Sanoma und Alma Media, kontrollieren einen großen Teil der Tageszeitungsauflage. Beide Unternehmen sind darüber hinaus noch im Fernsehen, Hörfunk und Internet engagiert. Die mit Abstand auflagenstärkste und einflussreichste Tageszeitung ist die vom Sanoma Konzern herausgegebene Helsingin Sanomat. Neben den finnischsprachigen Zeitungen gibt es eine Reihe schwedischsprachiger Zeitungen, die sich an die schwedischsprachige Minderheit richten.

In den vergangenen Jahren haben die Verlage ihre Zusammenarbeit verstärkt, um Kosten zu senken. 2014 schlossen zwölf Regionalzeitungen eine Kooperationsvereinbarung, die die gemeinsame Produktion von Inhalten für Print- und Internet vorsieht. Darüber hinaus haben die Verlagshäuser ihre Internetaktivitäten deutlich ausgebaut, verzeichnen eine kräftige Zunahme der Internet-Werbeeinnahmen und bieten Inhalte teilweise oder vollständig nur noch gegen Bezahlung an. So konnte Helsingin Sanomat 2017 seine Verbreitung nach jahrelangem Rückgang erstmals wieder steigern. Der weitere Rückgang der Printauflage wurde durch neue Online-Abonnenten aufgefangen. Im selben Maße wie Verlagshäuser und Privatfernsehanstalten ihre Position im Internet stärken, wächst die Kritik an der steuerfinanzierten Rundfunkanstalt Yle, die mit ihren online angebotenen kostenlosen Nachrichten und Filmen den Privatunternehmen Konkurrenz macht.

Rangliste der Pressefreiheit (Reporter ohne Grenzen):
Platz 4 (2018)

Stand: Mai 2018
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