Irland: Hohe Medienkonzentration

Im Dezember 2017 wurden die Weichen für eine weitere Konzentration auf dem irischen Medienmarkt gestellt: Die älteste Tageszeitung des Landes, die 1859 gegründete The Irish Times kündigte an, die viertgrößte Tageszeitung des Landes, Irish Examiner, übernehmen zu wollen.

Irlands älteste Zeitung (© picture-alliance/dpa)
Irlands älteste Zeitung (© picture-alliance/dpa)
Kritiker fordern schon lange, dass die Regierung gegen die hohe Medienkonzentration im Land vorgeht. Denn besonders im Printbereich ist diese in Irland im Vergleich zu anderen westeuropäischen Staaten besonders hoch. Fast die Hälfte des Marktes für Tages- und Sonntagszeitungen befindet sich in der Hand der Independent News and Media Group (INM). Flaggschiff der Gruppe ist die am meisten gelesene Tageszeitung des Landes, The Irish Independent. INM-Mehrheitseigentümer Denis O’Brien kontrolliert zudem eine Reihe von Radiostationen.

Laut einer Studie der irischen Zeitungsverleger lesen immer noch 70 Prozent der Iren regelmäßig Zeitung. Doch auch Online-Nachrichtenportale wie beispielsweise thejournal.ieerfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Die Iren sind überdies begeisterte Radiohörer: Rund 85 Prozent der Bevölkerung hören regelmäßig einen der englisch- und gälischsprachigen Sender. RTE ist die halbstaatliche öffentlich-rechtliche Rundfunkgesellschaft in Irland. Sie betreibt verschiedene Radio- und Fernsehsender, ist aber auch online sehr präsent. Die Angebote von RTE werden durch eine Rundfunkgebühr, aber zum Teil auch durch Werbung finanziert.

Gälische Publikationen sind die Ausnahme und werden meist staatlich subventioniert, um den Erhalt der irischen Landessprache zu fördern, die nur noch von 40 Prozent der Bevölkerung beherrscht wird. Das öffentlich-rechtlich Fernsehen TG4 und sechs Radiostationen senden ausschließlich auf Gälisch. Im Dezember 2008 wurde jedoch die letzte gälischsprachige Tageszeitung, LáNua, eingestellt.

Dem angelsächsischen Vorbild des liberalen Medienmodells folgend haben politische Parteien in Irland kaum Einfluss auf die Presse. Traditionell stehen kommerzielle Interessen im Vordergrund. Sowohl in der Republik Irland als auch in Nordirland sind britische Medien weit verbreitet, die ihren Inhalt geringfügig einem irischen Publikum anpassen.

Der 30 Jahre währende Nordirlandkonflikt zwischen pro-britischen Unionisten und pro-irischen Republikanern sorgte zeitweise für Einschränkungen der Pressefreiheit, von denen besonders die Republik Irland betroffen war. Seit der Konflikt mit dem Karfreitagsabkommen 1998 weitgehend beigelegt wurde, ist die Pressefreiheit garantiert.

Rangliste der Pressefreiheit (Reporter ohne Grenzen):
Platz 16 (2018)

Stand: Mai 2018
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