Italien: Drohungen von Mafia und Politik

Politische und wirtschaftliche Interessengruppen sowie die organisierte Kriminalität beeinflussen die italienische Medienlandschaft nachhaltig, die von Medienkonzentration geprägt ist.

Die Mediengruppe L'Espresso bringt La Repubblica, La Stampa und Il Secolo XIX unter ein Dach.
Die Mediengruppe L'Espresso bringt La Repubblica, La Stampa und Il Secolo XIX unter ein Dach.
In Italien sind derzeit 20 Journalisten unter ständigem Polizeischutz. Nicht nur die Mafia arbeitet mit massiven Einschüchterungsmethoden, vor denen Journalisten wie Bestseller- Autor Roberto Saviano geschützt werden müssen. Auch rechtsradikale Gruppen haben seit 2017 mit Gewalt versucht, freie Berichterstattung zu unterbinden. Doch auch die italienische Politik beeinträchtigt die Arbeit der Presse: Einerseits ist sie bevorzugte Zielscheibe der verbalen Attacken des Gründers der Partei Movimento Cinque Stelle, Beppe Grillo. Andererseits ist sie noch heute Opfer der Medienpolitik von Ex-Premier Silvio Berlusconi.

Das Konzerngeflecht, das er seit den 1980er Jahren aufgebaut hat, bedroht den Medienpluralismus noch immer. Zu seinem Imperium zählen unter anderem das größte Verlagshaus des Landes sowie die drei größten privaten Fernsehsender, die rund 60 Prozent aller Werbeinvestitionen auf dem italienischen Markt abschöpfen.

2010 rechnete die internationale NGO Freedom House Italien erstmals zu den Ländern, in denen die Presse nicht mehr "frei", sondern nur noch "bedingt frei" ist. Das Institut bemängelte zum einen die Monopolstellung weniger Medienunternehmen und zum anderen die Tendenz, die Pressefreiheit politisch einzuschränken. Auf dem Index von Reporter ohne Grenzen liegt Italien 2018 auf Platz 46. Damit macht das Land einige Positionen wett, denn 2017 war es noch auf Platz 52 zu finden, 2016 sogar auf Platz 77.

Besonders in den vier Amtszeiten von Berlusconi als Premier wurden Veränderungen der Gesetze zu Lasten der Pressefreiheit eingeleitet. Eine Folge war 2012 die Verschärfung des Diffamierungsgesetzes, welches zu Gefängnisstrafen bei der Verunglimpfung höherer Beamter führen kann. Nach jahrelangen Debatten wurde zudem Ende 2017 ein weiteres Gesetz verabschiedet, wodurch Journalisten, die abgehörte Gespräche veröffentlichen, mit bis zu vier Jahren Gefängnis bestraft werden. Die Regelung ist seit dem 26. Januar 2018 rechtskräftig. Seither müssen "irrelevante" Auszüge, die nichts mit der Erforschung des Sachverhalts, beziehungsweise der mutmaßlichen Straftat zu tun haben, geheim bleiben, unabhängig von ihrem Nachrichtenwert. Konnte früher die Presse selbst entscheiden, was relevant ist und was nicht, tun dies nun Anwälte.

Die Übernahme und Fusion von Medienunternehmen ist ebenfalls ein Dauerthema in Italien. So tobt seit Jahren der Machtkampf um Italiens größtes Blatt, die liberal-konservative Tageszeitung Corriere della Sera. Seit Juli 2016 kontrolliert der Medienunternehmer und Berlusconi-Schützling Urbano Cairo über die Hälfte der Aktien der Verlagsgruppe RCS, zu der neben Corriere della Sera auch die Sportzeitung Corriere dello Sport, Boulevardblätter sowie Männermagazine, Koch-, Garten-, Reisehefte gehören.

Zwei weitere große italienische Verlagshäuser, Gruppo editoriale L’Espresso und Editrice Italiana (Itedi), haben im April 2017 fusioniert. Das neue Medienhaus, Gedi - eine der größten italienischen Verlagsgruppen - gibt einige der wichtigsten Tageszeitungen Italiens wie La Repubblica und La Stampa heraus. Neben dem Unternehmer Carlo De Benedetti ist Hauptaktionär die Investmentgesellschaft Exor, die im Besitz der Familie Agnelli ist. Exor ist unter anderem Hauptaktionär des Autobauers Fiat Chrysler und liegt im Umsatzvolumen auf Platz Nummer Eins in Italien. Ihren Steuersitz hat die Gruppe derweil in den Niederlanden.

Die Auflagen der italienischen Zeitungen sanken im Laufe der Medienkrise stetig und gingen in den vergangenen zehn Jahren um gut ein Drittel zurück. Die meisten Zeitungen versuchen mit Online-Bezahlmodellen, die Verluste aufzufangen. Dabei kommt ihnen zugute, dass die Kommentarkultur in Italien eine große Tradition besitzt. In den Medien wird viel und ausgiebig kommentiert, je blumiger desto besser. Das Internet hat diese Tradition neu aufleben lassen, es gibt Blogs wie Sand am Meer.

Die bevorzugte Bühne der Kommentatoren ist aber weiter das Fernsehen, das die Medienlandschaft komplett beherrscht. Neben dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen und Berlusconi Mediaset hat sich als dritter Spieler der private Sender La7 profiliert, der seit 2013 im Besitz des Verlegers Urbano Cairo ist.

Rangliste der Pressefreiheit (Reporter ohne Grenzen):
Platz 46 (2018)

Stand: Mai 2018
Zur Mediensuche

Medien aus Italien bei euro|topics

Zur Mediensuche