Italien: Fernsehen dominiert die öffentliche Meinung

Politische und wirtschaftliche Interessengruppen sowie die organisierte Kriminalität beeinflussen die italienische Medienlandschaft nachhaltig, die von Medienkonzentration und der Macht des Fernsehens geprägt ist.

Silvio Berlusconi (© picture-alliance/dpa)
Silvio Berlusconi (© picture-alliance/dpa)
Besonders im Süden des Landes üben Journalisten Selbstzensur, um nicht ins Visier der Mafia zu geraten. Doch auch die italienische Politik beeinträchtigt die Pressefreiheit: Zwar ist der Einfluss von Ex-Premier Berlusconi seit seinem Rücktritt 2011 gesunken. Doch das Konzerngeflecht, das er seit den 1980er Jahren aufgebaut hat, bedroht den Medienpluralismus noch immer. Zu seinem Imperium zählen unter anderem das größte Verlagshaus des Landes sowie die drei größten privaten Fernsehsender, die rund 60 Prozent aller Werbeinvestitionen auf dem italienischen Markt abschöpfen.

2010 rechnete die internationale NGO Freedom House Italien erstmals zu den Ländern, in denen die Presse nicht mehr "frei", sondern nur noch "bedingt frei" ist. Das Institut bemängelte zum einen die Monopolstellung weniger Medienunternehmen und zum anderen die Tendenz die Pressefreiheit politisch einzuschränken. Auf dem Index von Reporter ohne Grenzen liegt Italien 2016 auf Platz 77 - hinter der Republik Moldau.

Besonders in den vier Amtszeiten von Berlusconi als Premier wurden Veränderungen der Gesetze zu Lasten der Pressefreiheit eingeleitet. Eine Folge war 2012 die Verschärfung des Diffamierungsgesetzes. Ein Gesetz, das Journalisten, die abgehörte Gespräche veröffentlichen, mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestrafen könnte, wurde bislang nur vom Senat verabschiedet. Das Parlament muss noch zustimmen. Der Enthüllungsskandal um den Vatikan (Vatileaks) im Jahr 2011 wie auch der sogenannten Vatileaks-2-Prozess im Juni 2016 haben die Debatte um Veröffentlichung geheimer Dokumente wieder belebt.

Die Übernahme und Fusion von Medienunternehmen ist ein Dauerthema in Italien. So tobt seit Jahren der Machtkampf um Italiens größtes Blatt, die liberal-konservative Tageszeitung Corriere della Sera. Italienische Großunternehmen wie der Autobauer Fiat und der Modekonzern Tod´s besitzen Anteile an dem Verlag. Seit Juli 2016 kontrolliert nun der Medienunternehmer und Berlusconi-Schützling Urbano Cairo fast die Hälfte der Aktien. Zu seinem Konzern Cairo Communication gehören auch Boulevardblätter sowie Männermagazine, Koch-, Garten-, Reisehefte und der Fernsehsender La7.

Zwei weitere große italienische Verlagshäuser, Gruppo editoriale L’Espresso und Editrice Italiana (Itedi), haben 2016 ein Memorandum unterzeichnet, um die Gründung einer der größten italienischen Verlagsgruppe zu ermöglichen. Nach der Fusion würden einige der wichtigsten Tageszeitungen Italiens wie La Repubblica und La Stampa vom selben Medienhaus herausgegeben werden. Die Fusion soll Anfang 2017 umgesetzt werden, die italienische Kartellbehörde muss noch zustimmen.

Die Auflagen der italienischen Zeitungen sanken im Laufe der Medienkrise stetig und gingen in den vergangenen zehn Jahren um gut ein Drittel zurück. Die meisten Zeitungen versuchen mit Online-Bezahlmodellen, die Verluste aufzufangen. Dabei kommt ihnen zugute, dass die Kommentarkultur in Italien eine große Tradition besitzt. In den Medien wird viel und ausgiebig kommentiert, je blumiger desto besser. Das Internet hat diese Tradition neu aufleben lassen, es gibt Blogs wie Sand am Meer.

Die bevorzugte Bühne der Kommentatoren ist aber weiter das Fernsehen, das die Medienlandschaft komplett beherrscht. Neben dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen und Berlusconi Mediaset hat sich als dritter Spieler der private Sender La7 profiliert, der seit 2013 im Besitz des Verlegers Urbano Cairo ist.

Ranglisten der Pressefreiheit:
Reporter ohne Grenzen: Platz 52 (2017)
Freedom House: Platz 63 – Status: teilweise frei (2016)

Stand: Mai 2017
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