Litauen: Onlinemedien als Krisenprofiteure

In Litauen wird in den Redaktionen der Tageszeitungen derzeit über den großen Kahlschlag nachgedacht: Sie könnten, wenn überhaupt, künftig nur noch einmal pro Woche eine Printausgabe veröffentlichen und ansonsten ausschließlich Bezahlinhalte für ihre Onlineportale produzieren. Dabei war die Lage für litauische Medien nicht immer so miserabel.

Kiosk in Litauen (Flickr, Andreas Lehner (CC BY 2.0))
Kiosk in Litauen (Flickr, Andreas Lehner (CC BY 2.0))
Denn noch vor der Unabhängigkeitserklärung 1990 war in Litauen die Zensur aufgehoben worden, wodurch den Medien eine große Rolle im Kampf für staatliche Souveränität zukam. Die Bürger sehnten sich nach einer freien Presse und der Einfluss der Medien war in den 1990er Jahren groß. Damals waren Auflagen von 100.000 Exemplaren keine Seltenheit.

Doch nach der weltweiten Wirtschaftskrise blieben nur noch vier überregionale Tageszeitungen mit Redaktionssitz in Vilnius übrig: Lietuvos rytas, Lietuvos žinios, Vakaro žinios und Verslo žinios. Die wichtigsten Regionalzeitungen sind Kauno diena aus der zweitgrößten Stadt Kaunas, sowie Klaipėda und Vakarų ekspresas aus der Hafenstadt Klaipėda. Die Zeitungen Vakaro žinios und Klaipėda erscheinen auch in einer russischsprachigen Version.

Aber auch politische Entscheidungen haben der Medienlandschaft Litauens herbe Schläge versetzt. Der größte war 2009 die Erhöhung der Mehrwertsteuer für Printmedien von fünf auf 21 Prozent. Im Jahr 2013 wurde sie dann zwar wieder auf neun Prozent gesenkt, was viele Zeitungen jedoch nicht mehr retten konnte. Seit 2014 verzichten alle überregionalen Tageszeitungen bereits aus Spargründen auf die Montagsausgabe. Die Auflagen vieler Zeitungen sind in den vergangenen zehn Jahren auf bis zu ein Drittel geschrumpft.

Von der Krise im Printgeschäft profitierten vor allem die Onlinemedien. Das größte Portal Delfi, das auch eine russische Version hat, wurde zum erfolgreichsten Internetmedium. 15min und Lrytas sind ebenfalls stark besuchte Onlineportale. Die traditionellen Medien versuchen durch die Stärkung ihrer Onlineversionen an diesen Erfolg anzuschließen, doch Bezahlmodelle und eine Blog-Kultur setzen sich bislang nur schwer durch.

Die Wirtschaftskrise hat zu mehreren Eigentümerwechseln geführt. Der norwegische Konzern Schibsted verließ den litauischen Markt und verkaufte 2013 das Portal 15min an den estnischen Konzern Eesti Media. Der litauische Konzern Achema verkaufte 2013 den Fernsehsender BTV an den anderen branchenübergreifenden litauischen Konzern MG Baltic, dem auch der Fernsehsender LNK gehört, der aber 2017 das Portal Alfa verkaufte. 2017 gab es auch einen Besitzerwechsel beim Fernsehsender TV3, dem auch das gut besuchte Portal Tv3 gehört. Der schwedische Konzern Modern Times Group verkaufte seine Medien im Baltikum an den US-Fonds Providence Equity. Weitere dominante ausländische Konzerne sind die schwedische Bonnier Business Press AB (Verslo žinios) und die estnische Ekspress Group (Delfi).

Unter den litauischen Medienkonzernen sind die Mediengruppen Lietuvos rytas und Respublikos leidiniai am stärksten. Den Medien der litauischen Eigentümer wird häufig die Einflussnahme durch Wirtschaft und Politik vorgeworfen. Gegen den Chefredakteur und Inhaber der Zeitung Lietuvos rytas, Gedvydas Vainauskas, läuft ein Verfahren, in dem er der Korruption beschuldigt wird.

Es gibt immer wieder Versuche seitens der Regierung, die Medien stärker zu kontrollieren, etwa durch die Verschärfung des Jugendschutzgesetzes. Im Jahr 2013 hörte die Staatsanwaltschaft die Telefone von 17 Journalisten der Nachrichtenagentur BNS ab. Dies wurde später vor Gericht als gesetzeswidrig beurteilt.

Rangliste der Pressefreiheit (Reporter ohne Grenzen):
Platz 36 (2018)

Stand: Mai 2018
Zur Mediensuche

Medien aus Litauen bei euro|topics

Zur Mediensuche