Rumänien: Macht der Medienmogule

Ein Teil der rumänischen Medienoligarchen ist in jüngster Vergangenheit wegen Korruption im Gefängnis gelandet. Ihre Medien stecken in einer tiefen Wirtschafts- und Glaubwürdigkeitskrise.

Medienmogul Dan Voiculescu. (© picture-alliance/dpa)
Medienmogul Dan Voiculescu. (© picture-alliance/dpa)
Mit einer Welle von Falschmeldungen hatte der private Fernsehsender Antena 3 Ende 2016 auf drastische Art und Weise versucht, den damals amtierenden rumänischen Premier Dacian Ciolos als "Agent ausländischer Interessen" zu diskreditieren. Ciolos, einer der beliebtesten Politiker in Rumänien, reagierte souverän. In einer Talkshow des parteiischen Senders erklärte er ausführlich, warum all die Meldungen nicht stimmen können. Für die Zuschauer von Antena 3 war dies eine Sternstunde des Journalismus: Sie bekamen endlich mal die Gelegenheit, sich ihre eigene Meinung zu bilden.

Doch um eine eigene Meinungsbildung oder gar eine freie, unparteiische Berichterstattung geht es den rumänischen Oligarchen mit ihren Medien gar nicht - im Gegenteil. Sie gründeten in den 1990er-Jahren Fernsehkanäle und Zeitungen, um damit Politik und Geschäfte zu betreiben und reich, mächtig und einflussreich zu werden. Umso bemerkenswerter ist, dass sich ein Großteil der Mogule, inzwischen für ihre dubiosen Geschäftspraktiken juristisch verantworten muss. Darunter ist auch Dan Voiculescu, zu dessen Medientrust Intact der Privatsender Antena 3 gehört.

Verschwunden sind die Oligarchen aus dem Mediengeschäft aber nicht. Sie dirigieren die Geschäfte vom Gefängnis aus. Aber sie haben Konkurrenz auf dem Medienmarkt bekommen, der unter einem enormen wirtschaftlichen Druck steht. Die Werbeeinnahmen sind in den vergangenen Jahren drastisch zurückgegangen, ein Teil der Medienfirmen meldete Insolvenz an. Verspätete Gehaltszahlungen gehören in fast allen Redaktionen zum Alltag. Vor diesem Hintergrund werden Journalisten in Rumänien laut der Medienorganisation Active Watch häufig bestochen: Behörden und Firmen geben ihnen Geld, damit sie nicht kritisch über sie berichten. Lokalbehörden und Privatfirmen können auf diese Weise die gesamte Presse einer Stadt kontrollieren und sich aufführen wie Lokalbarone.

Deshalb steckt ein Großteil der Redaktionen nicht nur in einer Wirtschaftskrise, sondern auch in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise. Zeitungen, die kurz nach der Revolution 1989 noch ein Millionenpublikum erreichten und in der wiedererlangten Pressefreiheit zu Leitmedien wurden, mussten zuletzt einen dramatischen Auflageverlust hinnehmen. "Nach Ansicht vieler Leser muss man kein Geld für Presseprodukte ausgeben, wenn sie ohnehin manipuliert sind", sagt Medienjournalist Petrişor Obae. Die Auflage namhafter Tageszeitungen liegt oft unter 10.000 Exemplaren, nur aufgrund ihrer kostenlosen Onlineauftritte spielen sie überhaupt noch eine Rolle in der Medienlandschaft.

Längst hat sich im Netz auch eine Blog-Community etabliert: Oft ist sie die einzige seriöse Alternative zur Berichterstattung in den herkömmlichen Medien. Sie finanziert sich mit Hilfe von Crowdfunding, Spenden und anderen Projektmitteln und veröffentlicht auf Blogportalen wie Contributors oder CriticAtac kritische Kommentare fernab des Mainstreams. Mit dem Rise Project ist zudem ein Onlineportal für investigative Berichterstattung entstanden.

Ranglisten der Pressefreiheit:
Reportern ohne Grenzen: Platz 46 (2017)
Freedom House: Platz 74 – Status: teilweise frei (2016)

Stand: Mai 2017
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