Rumänien: Macht der Medienmogule

Ein Teil der rumänischen Medienunternehmer ist wegen Korruption im Gefängnis gelandet. Ihre Medien stecken in einer tiefen Wirtschafts- und Glaubwürdigkeitskrise.

Unterstützer des Privatsenders Antena 3 demonstrieren am 19. Februar 2016 in Bukarest, nachdem die Fernsehstudios der Intact-Gruppe vom Staat konfisziert wurden. Hintergrund ist das Geldwäsche-Urteil gegen Intact-Besitzer Dan Voiculescu.
Unterstützer des Privatsenders Antena 3 demonstrieren am 19. Februar 2016 in Bukarest, nachdem die Fernsehstudios der Intact-Gruppe vom Staat konfisziert wurden. Hintergrund ist das Geldwäsche-Urteil gegen Intact-Besitzer Dan Voiculescu.
Jede Woche sendet der private Fernsehsender Antena 3 Berichte, in denen die rumänische Anti-Korruptionsbehörde DNA angegriffen und ihre Arbeit als politisch gesteuert dargestellt wird. Die penetrante Wiederholung dieser Anschuldigungen hat längst dazu geführt, dass viele Rumänen nicht mehr an einen unabhängigen Korruptionskampf in ihrem Land glauben.

Diese Berichterstattung spielt Liviu Dragnea, Chef der sozialdemokratischen Regierungspartei PSD und selbst im Visier der Anti-Korruptionsermittler, in die Hände. Er ist auch die führende Kraft im Parlament, wenn es darum geht, Gesetze aufzuweichen, damit der Kampf gegen Korruption vor allem in den Reihen der Politik erschwert wird.

Doch nicht nur der private Fernsehsender Antena 3 steht Dragnea dabei medial zur Seite. Auch vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk kommt kaum Widerstand. 2017 schaffte das Parlament die Rundfunkgebühren ab, seither werden Fernsehen und Hörfunk aus dem Staatshaushalt finanziert. Medienexperten fürchten, dass der Öffentlich-rechtliche von nun an vor allem regierungsnah berichten wird.

Eine unparteiische Berichterstattung in der Fernseh- und Zeitungsbranche findet sich nur schwerlich in Rumänien. Unternehmer und Politiker gründeten in den 1990er-Jahren Fernsehkanäle und Blätter, um damit Politik und Geschäfte zu betreiben und reich, mächtig und einflussreich zu werden. Ein Großteil namhafter Medienunternehmer musste sich inzwischen dank des Antikorruptionskampfes im Land juristisch verantworten, wie beispielsweise Dan Voiculescu, zu dessen Medientrust Intact der private Fernsehsender Antena 3 gehört. Voiculescu saß wegen Geldwäsche und Betrugs fast drei Jahre lang im Gefängnis.

Noch diktieren Medienunternehmer wie Dan Voiculescu das Geschäft. Doch haben sie mit den Jahren Konkurrenz auf dem Medienmarkt bekommen, der jedoch unter einem enormen wirtschaftlichen Druck steht. Die Werbeeinnahmen sind in den vergangenen Jahren drastisch zurückgegangen, ein Teil der Medienfirmen meldete Insolvenz an. Verspätete Gehaltszahlungen gehören in fast allen Redaktionen zum Alltag. Vor diesem Hintergrund werden Journalisten in Rumänien laut der Medienorganisation Active Watch häufig bestochen: Behörden und Firmen geben ihnen Geld, damit sie nicht kritisch über sie berichten. Lokalbehörden und Privatfirmen können auf diese Weise die gesamte Presse einer Stadt kontrollieren und sich aufführen wie Lokalbarone.

Ein Großteil der Redaktionen steckt damit nicht nur in einer Wirtschafts-, sondern auch in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise. Zeitungen, die kurz nach der Revolution 1989 noch ein Millionenpublikum erreichten und in der wiedererlangten Pressefreiheit zu Leitmedien wurden, mussten in den vergangenen Jahren einen drastischen Auflageverlust hinnehmen. "Nach Ansicht vieler Leser muss man kein Geld für Presseprodukte ausgeben, wenn sie ohnehin manipuliert sind", sagt Medienjournalist Petrişor Obae. Die Auflage namhafter Tageszeitungen liegt oft unter 10.000 Exemplaren, nur aufgrund ihrer kostenlosen Onlineauftritte spielen sie überhaupt noch eine Rolle in der Medienlandschaft.

Längst hat sich im Netz eine Blog-Community etabliert: Sie ist die einzige ernstzunehmende Alternative zur Berichterstattung der parteiischen Medien. Sie finanziert sich mit Hilfe von Crowdfunding, Spenden und anderen Projektmitteln und veröffentlicht auf Blogportalen wie G4 Media, Contributors oder CriticAtac und Baricada kritische Kommentare. Mit dem Rise Project ist zudem ein Onlineportal für investigative Berichterstattung entstanden.

Rangliste der Pressefreiheit (Reporter ohne Grenzen):
Platz 44 (2018)

Stand: Mai 2018
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