Schweiz: Konzentration und Rechtsruck

Nur noch wenige Verlage teilen sich den einst so vielfältigen Schweizer Medienmarkt auf – und von denen sind einige in den vergangenen Jahren nach rechts gerückt. Doch es gibt auch eine Gegenbewegung.

Steht für den Rechtsruck in Schweizer Medien: Roger Köppel, Verleger und Chefredakteur der Weltwoche und SVP-Abgeordneter.
Steht für den Rechtsruck in Schweizer Medien: Roger Köppel, Verleger und Chefredakteur der Weltwoche und SVP-Abgeordneter.
Die Medienkonzentration hat in der Schweiz inzwischen dramatische Ausmaße angenommen: So lässt die Tamedia, die größte private Mediengruppe des Landes
(u. a. Tages-Anzeiger, Der Bund, Tribune de Genève) seit 2018 alle 14 Zeitungen von nur noch zwei Redaktionen, einer deutsch- und einer französischsprachigen produzieren. NZZ Regionalmedien (u. a. St. Galler Tagblatt) und AZ Medien (u. a. Aargauer Zeitung) kündigten Ende 2017 ihren Zusammenschluss an. Die Verlage Ringier und Axel Springer Schweiz hatten bereits zum 1. Januar 2016 fusioniert.

Ein weiteres Problem der Schweizer Medienlandschaft ist der Einfluss der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei (SVP): Die Somedia (Südostschweiz) kooperiert bereits mit den insgesamt rund 30 Zeitungen des reaktionären Milliardärs Christoph Blocher, langjährigem Mentor der SVP und Mitinhaber der Zeitungshaus AG (früher BaZ Holding AG). Roger Köppel, Verleger und Chefredakteur der Weltwoche und seit 2015 zugleich SVP-Abgeordneter im Bundesparlament, steht ebenso für den Rechtsruck der etablierten Medien. Im April 2018 wurde bekannt, dass Blocher sich außerdem Beteiligungen an verschiedenen Gratiszeitungen in Zürich und der Westschweiz gesichert hat.

Als eine Art Gegenbewegung etablieren sich zunehmend alternative Medien neben der linksalternativen WOZ. Das erst im Januar 2018 gegründete Onlinemagazin Republik wird von mehr als 20.000 Genossen getragen. Die ambitioniert als linkes Gegenmodell zur Basler Zeitung gestartete TagesWoche kämpft dagegen um ihr Überleben.

Ungebrochen erfolgreich sind Gratiszeitungen. 20 Minuten war als erstes in den Städten präsent. Etablierte Verleger sprangen auf den Zug auf, wie etwa der Verlag der Boulevardzeitung Blick, der in den Ballungszentren den Blick am Abend verteilt. Die Sonntagszeitungen, die auf Lesekultur und lange Stücke setzen, sind dagegen ebenfalls zusammengelegt worden. Die Auflagen schwächeln weiter. Stabil sind vor allem Zeitungen wie die WOZ, die kaum durch Werbung finanziert wird.

Im März 2018 scheiterte der Versuch, dem öffentlich-rechtlichen Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) durch eine Volksabstimmung zur Abschaffung der Rundfunkgebühren („No Billag“) die Finanzierungsgrundlage zu entziehen. Unter dem Druck wurde aber ein straffes Sparprogramm angekündigt, die jährliche Gebühr soll ab 2019 um ein Fünftel sinken. Welche Folgen das für den 1931 gegründeten Rundfunk hat, wird sich zeigen.

Seit den 1980er Jahren ist der private Rundfunk zugelassen. Dadurch erhielt der Konzentrationsprozess der Medien einen neuen Schub. Wenige multimediale Medienkonzerne dominieren heute den Markt.

Die Bedeutung von Blogs, Onlineportalen und Apps wächst, viele von ihnen gehören zu den Tageszeitungen. Doch auch unabhängige Internetformate sind im Kommen. Erfolgreiche Seiten wie Watson.ch (AZ Medien) profilieren sich als reißerische Angebote jenseits des traditionellen Journalismus. Etablierte Medien schlagen indes zurück: so wie die NZZ, die seit 2014 alle seit dem Jahr 1780 erschienenen Artikel im Netz verfügbar macht – als Bezahlinhalt.

Rangliste der Pressefreiheit (Reporter ohne Grenzen):
Platz 5 (2018)

Stand: Mai 2018
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