Lettland: Wenig Vertrauen in die Presse

Die lettische Medienlandschaft ist zwar klein aber dennoch unübersichtlich. Das gilt besonders für die Struktur der Eigentumsverhältnisse von Medienunternehmen. Erst seit 2011 müssen diese offengelegt werden.

Lettische Zeitungen (© picture-alliance/dpa)
Lettische Zeitungen (© picture-alliance/dpa)
Die Wirtschaftskrise und die neuen Medien haben dem Medienmarkt Lettlands arg zugesetzt. Die meisten Medien haben ihren Umsatz von 2008 noch immer nicht wieder erreicht. Am härtesten traf es die Printmedien: Bei der Tageszeitung Diena etwa sank die Zahl der Abonnements um 75 Prozent. Die Werbeeinnahmen gingen dramatisch zurück – auch durch den steigenden Einfluss der Onlinemedien. Ohne finanzielle Verluste hat lediglich die zweitpopulärste Tageszeitung Latvijas Avize gearbeitet.

Das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Medien nimmt immer mehr ab. Da die Eigentumsverhältnisse undurchsichtig sind, können Leser oft nur erahnen, wer hinter einer Zeitung oder einem TV-Sender steht. Häufige Eigentümerwechsel und die Tatsache, dass vereinzelte Besitzer ihre Medien zum Sprachrohr eigener Interessen machen, erschüttern den Glauben an eine unabhängige Berichterstattung.

Laut der internationalen NGO Freedom House sind zu viele Medien in den Händen von nur einem Besitzer – auch eine Folge der Medienkrise. Beim Fernsehen ist diese Konzentration am deutlichsten zu beobachten. Ein Drittel der 15 beliebtesten TV-Kanäle gehört der Baltijas mediju alianse (Medienallianz des Baltikums), ein weiteres Drittel dem schwedischen Konzern MTG. Dennoch herrscht bei den meisten lettischsprachigen Medien redaktionelle Autonomie gegenüber dem Verleger oder dem Eigentümer.

Bei den russischsprachigen Medien ist das anders. Sie geben tendenziell in innen- und außenpolitischen Fragen die staatlichen Positionen Russlands wieder. Enge personelle und inhaltliche Verbindungen pflegten sie mit dem bis 2014 existierenden Parteienbündnis Saskaņas (Harmonie). Die einflussreichste russischsprachige Zeitung ist Vesti (Nachrichten). Ein Drittel der Einwohner Lettlands spricht Russisch, somit werden die russischsprachigen Medien sehr häufig gelesen. Die MK Latvija ist Lettlands populärste russischsprachige Wochenzeitung.

In jüngster Zeit übte die Organisation Reporter ohne Grenzen Kritik an der lettischen Justiz. Das Verfahren gegen den Investigativ-Journalisten Leonids Jakobsons sollte 2014 unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt werden.

Die Rigaer Polizei ging Ende Januar 2015 bei einer Demonstration wegen des Ukrainekriegs vor der Russischen Botschaft gegen einen Kameramann des öffentlich-rechtlichen Fernsehens vor. Ihm wurde ein Ordnungsverstoß vorgeworfen, woraufhin die Sicherheitskräfte ihn für drei Stunden inhaftierten.

Im Jahr 2012 wurde das investigative Recherchebüro re:baltica in Riga gegründet, um die unabhängige Berichterstattung im Baltikum zu fördern. Mittlerweile beliefern dessen Journalisten alle wichtigen lettischen Zeitungen und Onlineportale mit Berichten.

Die Auflagen der Wochenzeitungen und Magazine sind stabil geblieben, während die der Tageszeitungen bis zum Jahr 2014 um bis zu 60 Prozent eingebrochen sind. Die lettische Kommunikationswissenschaftlerin Anda Rožukalne vertritt die Ansicht, dass die lettische Tagespresse nur noch eine marginale Rolle spielt und Onlineportale das Informationsbedürfnis der Leser vollständig bedienen.

Ranglisten der Pressefreiheit:
Reporter ohne Grenzen: Platz 28 (2017)
Freedom House: Platz 84 – Status: teilweise frei (2016)

Stand: Mai 2017
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