Slowenien: Sparen auf Kosten der Qualität

Sloweniens kleine Medienlandschaft ist durch eine hohe Konzentration von Medien gekennzeichnet. In den vergangenen zwei Jahren ist der Privatisierungsprozess der großen slowenischen Tageszeitungen zum Abschluss gekommen, nachdem diese nach dem Zerfall Jugoslawiens nur teilweise privatisiert worden waren.

Zeitungsleser in Piran. (Flickr, Greta Hughson, CC BY-NC 2.0)
Zeitungsleser in Piran. (Flickr, Greta Hughson, CC BY-NC 2.0)
Generell verliefen Verkäufe von Printmedien in Slowenien nicht immer transparent ab, weshalb sich Angestellte von Zeitungen häufig um ihre Zukunft sorgen. In den vergangenen zwei Jahren sind bei den großen Tageszeitungen, vor allem bei Delo und auch Večer Journalisten entlassen worden, um Kosten zu senken. Viele Journalisten fürchten deshalb, dass weiter auf Kosten des investigativen Journalismus und der Qualität gespart wird. Ein weiteres Problem ist der soziale Status von Journalisten, die in die Selbstständigkeit gezwungen werden, da sie für die Eigentümer der Printmedien, aber auch beim Radio und Fernsehen für weniger Lohn und ohne soziale Absicherung arbeiten.

Auch die Wirtschaftskrise macht vor den großen Tageszeitungen nicht halt, seit einigen Jahren verzeichnen sie einen Rückgang bei den verkauften Exemplaren. Gleichzeitig versuchen meinungsbildende Tageszeitungen wie Delo, Dnevnik und auch Večer mit Hilfe von Angeboten im Internet ihre Leserzahl zu erhöhen. Die meisten journalistischen Inhalte auf den Onlineportalen sind inzwischen kostenpflichtig.

Das Kulturministerium hat eine Strategie zur Entwicklung der Medien in Slowenien bis zum Jahr 2024 vorgelegt, die deren Situation verbessern soll. Diese Strategie wird jedoch von der Journalistengewerkschaft in ihrer jetzigen Form abgelehnt. Die Gewerkschaft bezeichnet die Strategie als "inkonsistente Mischung strategischer Ziele, systemischer und gesetzgebender Veränderungen, sowie Maßnahmen der Medienpolitik."

Der Fernsehmarkt besteht aus dem staatlichen Rundfunk RTV und mehreren Privatsendern. Seit dem 1. März 2016 gibt es den neuen Fernsehsender Nova24 TV, sowie ein dazugehöriges Onlineportal. Zu den Gründern zählen der ehemalige Regierungschef und jetzige Oppositionspolitiker Janez Janša und zahlreiche einflussreiche Mitglieder seiner konservativen Partei SDS. Der Sender bietet ausschließlich Informationsprogramme an, auch das Onlineportal beschäftigt sich hauptsächlich mit informativen, politischen Inhalten. Das Medienhaus ist, nach Angaben des Direktors Boris Tomašič rechts-konservativ, steht allerdings keiner Partei nahe.

Trotz zahlreicher privater Radiosender, die nach der Unabhängigkeit Sloweniens gegründet wurden, gehören die zwei öffentlich-rechtlichen Kanäle Val 202 und Ra SLO1 noch immer zu den am meisten gehörten Programmen im Land. Zeitweise existierten bis zu 90 Radiostationen, viele kleine, lokale Stationen sind mittlerweile jedoch von den größeren Radionetzwerken aufgekauft worden, die landesweit senden.

Ranglisten der Pressefreiheit:

Reporter ohne Grenzen: Platz 37 (2017)
Freedom House: Platz 33 – Status: frei (2016)

Stand: Mai 2017
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