Krankenpfleger mit fertigen Spritzen zur Impfung in Paris am 22. Januar. (© picture-alliance/dpa)

  Corona-Pandemie 2021

  62 Debatten

In Dänemark ist es seit vergangenen Freitag so weit: Alle Einschränkungen zur Infektionskontrolle wurden aufgehoben. Da 96 Prozent der Menschen über 60 geimpft seien, stelle das Virus keine Gefahr mehr für die Gesellschaft dar, hatte Gesundheitmsinister Heunicke erklärt. Kommentatoren in anderen Ländern fragen sich nun, wann es wohl bei ihnen so weit sein wird.

Was Experten seit Beginn der Pandemie voraussagten, hat sich inzwischen auch bei weiten Teilen der Normalbevölkerung als Erkenntnis durchgesetzt: SARS-Cov-2 ist gekommen, um zu bleiben. Angesichts stagnierender Impfquoten und hochansteckender Varianten wie Delta fragen sich Kommentatoren nun, wie lange es noch dauert, bis das Virus keine epidemiologische Sonderbehandlung mehr benötigt.

In vielen Ländern Europas hat am 1. September das neue Schuljahr begonnen - von dem viele gehofft hatten, es würde nach eineinhalb Jahren mit Schließungen, Homeschooling, Test- und Maskenpflicht wieder normal ablaufen. Aber die Delta-Variante treibt die Infektionszahlen hoch, gerade unter den weitgehend ungeimpften Kindern. Die Kommentarspalten spiegeln Unmut und Ratlosigkeit - und die Sorge wegen noch größerer Probleme.

In mehreren französischen Städten haben am Wochenende erneut Menschen gegen die Impfpflicht im Gesundheitssektor und gegen den Gesundheitspass protestiert. Laut Innenministerium waren es rund 240.000. Der Verfassungsrat hatte die Maßnahmen zuvor gebilligt. Doch bei den Demonstrationen geht es um mehr als den Gegensatz zwischen Pandemiebekämpfung und persönlicher Freiheit, beobachten Kommentatoren.

Frankreichs Nationalversammlung hat die Einführung des Gesundheitspasses gebilligt. Die Impf- und Testpflicht fällt nun allerdings weniger restriktiv aus, als die Regierung zuvor wollte. Diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen, bezeichnete Macron als verantwortungslos und egoistisch. Der Vorwurf, dass der Präsident selbst die Pandemie ausnutzt, um seine Macht auszubauen, wird von vielen erhoben.

Seit Beginn der Corona-Pandemie wird in Europa darüber diskutiert, ob Arbeit und Leben dadurch auch langfristig verändert werden könnten und das Home Office zum Beispiel die Regel sein sollte. Zumindest für diejenigen, die ihre Arbeit nach Hause verlegen können, also je nach EU-Land etwa zwischen 20 und 40 Prozent der Erwerbstätigen. Nach über einem Jahr sagen Kommentatoren eindeutig Ja zur Telearbeit.

In Frankreich haben am Wochenende 160.000 Menschen gegen neue Corona-Beschränkungen demonstriert, auch in Italien und Griechenland gab es Großdemos. Athen und Paris hatten eine Impfpflicht im Gesundheitswesen verhängt, in Italien sollen Kinos und Restaurants, in Frankreich Einkaufszentren und Öffentlicher Verkehr nur noch Geimpften und Getesteten offenstehen. Aber um konkrete Maßnahmen geht es wohl gar nicht so sehr, meint Europas Presse.

In England sind am Montag fast alle Corona-Restriktionen gefallen, häufig wird in den Medien vom "Freedom Day" gesprochen. Premier Boris Johnson appelliert an die Eigenverantwortung der Bürger - entgegen dem Rat vieler Experten, ist doch die Zahl der Infektionen zuletzt vor allem unter jungen Menschen stark angestiegen. Handelt die Regierung verantwortungslos oder weitsichtig?

Vor drei Wochen hatten die Niederlande fast alle Corona-Beschränkungen aufgehoben. So durften auch Clubs und Discos erstmals seit über einem Jahr wieder öffnen. Dann meldete die Gesundheitsbehörde vergangenen Samstag 10.000 Neuinfektionen und Premier Mark Rutte sah sich gezwungen, zurückzurudern. Er und Gesundheitsminister Hugo de Jonge entschuldigten sich am Montag für die "Jojo-Politik".

Zum 19. Juli sollen in Großbritannien quasi alle noch bestehenden Coronaregeln fallen. Die Infektionszahlen stiegen in den vergangenen Wochen zwar stark an, die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 259. Doch die Zahl der Krankenhauseinweisungen und Todesfälle blieb bislang relativ niedrig. Gesundheitsminister Sajid Javid sagte: „Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben.“ Ist die britische Regierung auf dem richtigen Weg?

670 Tote pro Tag: Die Zahl der Menschen, die am oder mit dem Coronavirus sterben, ist in Russland höher als je zuvor, unter anderem wegen der Delta-Variante. Außer Beschränkungen im Grenzverkehr hat das Land seit einem Jahr keine strengen Eindämmungsmaßnahmen angeordnet. Auch mit dem Impfen geht es nur zäh voran - erst zwölf Prozent haben vollen Schutz. Woran liegt's und wohin soll das führen?

Am heutigen 1. Juli tritt das EU-weite digitale Covid-Zertifikat in Kraft, das Reisen für Geimpfte und Genesene erleichtern soll. Allerdings gibt es in mehreren Staaten noch Probleme mit der Ausstellung oder der Kontrolle des Impfpasses. Kommentatoren sehen weitere Hürden auf dem Weg zurück zur unbeschränkten Reisefreiheit, würdigen das Zertifikat aber auch als integrierende Errungenschaft.

Die Delta-Variante des Coronavirus treibt die Infektionszahlen in mehreren Ländern nach oben. In Europa sind Großbritannien, Russland und Portugal besonders betroffen. Auch in Staaten mit niedriger Inzidenz steigt der Anteil der Mutation, mit der sich offenbar auch mehr Geimpfte anstecken. Kommentatoren diskutieren, was jetzt passieren muss, und fragen sich, ob Politik und Bevölkerung die Bedrohung ernst genug nehmen.

Mit den weiter sinkenden Inzidenzen in den meisten europäischen Ländern fallen auch immer mehr Corona-Beschränkungen. Mehrere Kommentatoren beklagen nun einen mangelnden Gestaltungswillen der Politik, über eine Rückkehr zur alten Normalität hinauszuzielen. Aus ihrer Sicht eine verpasste Chance – und obendrein riskant.

Anders als im Großteil der europäischen Länder gab es in Russland monatelang kaum Corona-Einschränkungen. Geimpft sind aber bislang weniger als 10 Prozent der Bevölkerung und nun steigen die Fallzahlen deutlich. Entsprechend diskutiert man mittlerweile eine Impfpflicht (in Moskau wurden Firmen bereits verpflichtet, für 60 Prozent geimpfte Mitarbeiter zu sorgen) - und vor allem die Gründe des Desasters.

In fast allen europäischen Ländern sinken die Covid-Zahlen derzeit kontinuierlich. Ist nach den Lockerungen bei den Ladengeschäften, in der Gastronomie und teilweise in der Kultur die Zeit gekommen, auch die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes schrittweise aufzuheben? In den Kommentarspalten ist man sich nicht einig.

Die estnische Premierministerin Kaja Kallas hat in einem offenen Brief an ihre finnische Amtskollegin Sanna Marin eine Lösung im Streit um Berufspendler gefordert. Helsinki erlaubt die Einreise ohne Quarantäne derzeit nur aus Malta und Island. Tausende Esten müssen deshalb seit Anfang des Jahres, als die Regeln verschärft wurden, wählen zwischen ihrem Job auf der einen und ihren Familien auf der anderen Seite der Grenze.

Portugal war seit Mitte Mai das einzige klassische Reiseland Europas, das die Briten besuchen durften, sogar zum Champions-League-Finale. Doch nun hat Großbritannien Portugal auf die "gelbe Liste" gesetzt und für alle Rückkehrer ab Dienstag Quarantäne verordnet - wegen der Verdopplung des Inzidenzwerts auf 66 und der neuen Variante Delta+K417N. Lissabon warf London Gesundheitsfundamentalismus vor.

Viele Länder Europas beraten derzeit, wie die durch Homeschooling entstandenen Bildungsprobleme behoben werden sollen. In Großbritannien trat der Bildungssanierungsbeauftragte Kevan Collins zurück, nachdem statt der von ihm geforderten 15 Milliarden Pfund nur 1,4 bewilligt wurden - eine Summe, die auch die Landespresse diskutiert. Derweil regt sich in den Niederlanden Kritik an einem größeren Finanzpaket.

Beim Champions-League-Finale in Porto genossen die angereisten Fußballfans der britischen Clubs Manchester City und FC Chelsea Freiheiten, die der allgemeinen portugiesischen Bevölkerung zur Zeit wegen der Corona-Restriktionen noch verwehrt sind. Das war zumindest schlecht kommuniziert, wenn nicht sogar total daneben, kritisieren nationale Medien.

"Katastrophales Versagen" zu Beginn der Pandemie - das hat Dominic Cummings der britischen Regierung vorgeworfen, damals wichtigster Berater des Premiers. Boris Johnson habe das Virus nicht ernst genommen, es habe keinen Plan gegeben, Zehntausende Menschenleben hätten durch schnelleres Handeln gerettet werden können. Für Kommentatoren liefert die Anhörung vor dem Unterhaus bittere Erkenntnisse.

Das Wall Street Journal hat die Theorie befeuert, dass Sars-Cov-2 aus einem chinesischen Labor stammen könnte. Grundlage ist ein unveröffentlichter US-Geheimdienstbericht. Demnach habe es schon im November 2019 auffällige Erkrankungen bei Mitarbeitern des Wuhan Institute of Virology gegeben. US-Präsident Biden forciert nun die Aufklärung und will neue Geheimdienst-Untersuchungen sowie einen Bericht binnen 90 Tagen.

Frankreich hat gemäß seinem Stufenplan, der schrittweise Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen seit dem 3. Mai vorsieht, weitere Einschränkungen aufgehoben. So dürfen seit Mittwoch Restaurant-Terrassen, Geschäfte und Kultureinrichtungen wieder öffnen; die 7-Tage-Inzidenz liegt derzeit bei 149 (Stand 20. Mai). Kommentatoren sind erleichtert.

Trotz immer noch verhältnismäßig hoher Corona-Zahlen (7-Tage-Inzidenz vom 14. Mai: 156), ist der strenge Lockdown in Griechenland nach rund sechs Monaten größtenteils aufgehoben. Auch öffnete das Land am Samstag seine Pforten offiziell wieder für Touristen. Griechische Medien mit einem Stimmungsbarometer.

Mit zunehmendem Impfschutz wächst auch die Hoffnung auf ein Ende vieler Restriktionen und die Rückkehr des vermissten Alltags. Doch die Pandemie hat noch ganz andere Wunden aufgerissen, die uns auch dann noch schmerzen werden, wenn die Inzidenzwerte in unseren Breiten wieder unter Kontrolle sind, stellt Europas Presse fest.

In Griechenland hat die Regierungspartei Nea Dimokratia Straffreiheit für diejenigen beschlossen, die besonders in den Kampf gegen die Pandemie involviert sind. Demnach sollen Wissenschaftler, Politiker und Beamte, die beispielsweise in wegen Corona gegründeten Komitees arbeiten, für Äußerungen oder Entscheidungen im Rahmen ihrer Tätigkeit nicht belangt werden können. Dies stößt auf teils heftige Kritik.

Das Europaparlament hat am Donnerstag der Einführung des Grünen EU-Zertifikats zugestimmt, das diesen Sommer vor allem Reisen wieder vereinfachen soll. Details verhandeln nun im Europäischen Rat die Mitgliedstaaten, die das Zertifikat mit ihren nationalen Impfnachweisen und Systemen in Einklang bringen sollen. Kommentatoren debattieren lebhaft, ob eine unfaire Diskriminierung Nichtgeimpfter droht.

Am 25. April feiert Portugal den Tag der Freiheit, im Gedenken an die Nelkenrevolution von 1974. Damals führte ein von der klaren Bevölkerungsmehrheit unterstützter Militärputsch fast gewaltlos zum Ende der Salazar-Diktatur. Anders als 2020 versammelten sich dieses Jahr trotz Pandemie mehrere Tausend Menschen auf der Lissaboner Avenida da Libertade. Das bewerten Kommentatoren völlig gegensätzlich.

Indien ist das aktuelle Epizentrum der Pandemie. In den Krankenhäusern fehlen Betten, Medikamente und vor allem Sauerstoff, die Menschen sterben dort, zu Hause und auf der Straße. Inzwischen haben mehr als 40 Länder Hilfslieferungen zugesagt. Mitten in dieser Situation fanden in mehreren Bundesstaaten Wahlen statt. Beobachter erheben schwere Vorwürfe gegen die Regierung und mahnen, dass Hilfe das Gebot der Stunde ist.

In Griechenland soll ab dem 15. Mai der Tourismus wieder hochgefahren werden. Das kündigte Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis am Mittwochabend in einer Fernsehansprache an. Entsprechend werden die Corona-Beschränkungen in den nächsten Wochen gelockert, so dürfen Restaurants und Cafés ab dem 3. Mai wieder öffnen. Kommentatoren sind alles andere als begeistert.

Am Dienstag hat für Muslime weltweit der muslimische Fastenmonat Ramadan begonnen. Erwachsene und gesunde Gläubige sind dazu angehalten, von Sonnenaufgang bis -untergang nichts zu essen oder zu trinken. Wegen der Pandemie muss gemeinschaftliches Fastenbrechen auch in diesem Jahr wieder weitgehend ausfallen. Dafür gibt es mehr Zeit für innere Einkehr und Reflexion, erklären Kommentatoren.

Am Montag sind in einem mobilen Lkw-Container im Hof eines Bukarester Krankenhauses drei Covid-19-Patienten gestorben, die beatmet werden mussten. Vermutlich war wegen eines technischen Defekts die Sauerstoffzufuhr ausgefallen. Die Container waren im April vorigen Jahres angeschafft worden, um überfüllte Krankenhäuser zu entlasten. Für Kommentatoren ist der Vorfall nur die Spitze des Eisbergs.

Stark gesunkene Infektionszahlen durch eine erfolgreiche Impfkampagne machen es möglich: Nach drei Monaten im Lockdown haben in England am Montag Geschäfte, Fitnessstudios, Friseure, Zoos und die Außenbereiche der Gastronomie wieder geöffnet. Vielerorts nutzten die Menschen die neuen Freiheiten. Die anderen britischen Landesteile lockerten vorsichtiger. Wie wird sich Englands Vorpreschen auswirken?

Die aktuelle Ausnahmesituation der Pandemie führt auch indirekt zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen: Unter anderem soziale Beschränkungen belasten vor allem die Psyche der Menschen, bis hin zu einer registrierten Übersterblichkeit, die mit Covid-19-Erkrankungen nichts zu tun hat. Die Politik sollte das noch besser verstehen und reagieren, drängen Kommentatoren.

Die Impfkampagne gegen Covid-19 nimmt in einigen EU-Ländern inzwischen Fahrt auf, trotzdem sind die Impfquoten im Vergleich zu den USA und Großbritannien immer noch gering. Der Wiederaufbauplan Next Generation EU für die Corona-geschwächte Wirtschaft wurde letztes Jahr zwar schnell verabschiedet, bisher floss aber kein einziger Euro. Grund für Selbstzweifel bei der EU? Kommentatoren sind uneins.

Nach massivem Druck von Präsident Miloš Zeman ist am Mittwoch der bisherige tschechische Gesundheitsminister Jan Blatný nach nur fünfmonatiger Amtszeit durch Petr Arenberger ersetzt worden. Blatný hatte sich gegen die klinische Erprobung und Einführung von Sputnik V in Tschechien gesperrt, die Zeman vehement fordert. Kommentatoren sind vom Machtspiel Zemans wie Russlands wenig begeistert.

Frankreich ist nun doch in den Lockdown gegangen - es ist der dritte. Auch in Deutschland wird diskutiert, die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus erneut zu verschärfen. Portugal hingegen hofft nach harten zwei Monaten auf ein bisschen mehr Freiheit. Europas Kommentatoren beschreiben, wie die Pandemie Geduld und Nerven der Menschen weiterhin strapaziert.

Das paneuropäische Hin und Her bei den Corona-Maßnahmen geht weiter. Einige Länder - wie Frankreich - verschärfen angesichts der steigenden Infektionszahlen ihre Maßnahmen, andere zögern oder lockern sie sogar - wie Griechenland. Europas Presse sieht überwiegend nur noch einen Ausweg.

Bundespräsident Steinmeier darf das Gesetz über das EU-Corona-Konjunkturprogramm vorerst nicht unterzeichnen. Dies beschloss das Bundesverfassungsgericht, weil ein Eilantrag gegen die deutsche Beteiligung vorliegt. Geklagt hat eine Gruppe um Ex-AfD-Chef Bernd Lucke, die eine gemeinschaftliche Schuldenaufnahme der EU für gesetzeswidrig hält. Mehr als eine reine Formsache erkennen europäische Journalisten.

Die Covid-Krise hat Armut, Arbeitslosigkeit und soziale Ungleichheit in ganz Europa und darüber hinaus erhöht. Besonders betroffen sind junge Menschen, Kultur, Gastronomie und Tourismus sowie Gruppen, die bereits vor der Pandemie strukturell benachteiligt waren. Kommentatoren zeichnen ein düsteres Bild und fordern dringend effektive Maßnahmen.

Die wenigsten Regierungen Europas wollen ihren Bürgerinnen und Bürgern noch mehr Lockdowns und Schutzmaßnahmen zumuten, sehen sich angesichts steigender Infektionszahlen aber außer Stande, darauf zu verzichten. Um so wichtiger wäre es, die geltenden Regelungen nachvollziehbar und logisch zu gestalten - woran es laut Kommentatoren aber gewaltig hapert.

In Frankreich liegt die 7-Tage-Inzidenz bei 252,5 (Stand vom 17.03.). Trotzdem plant die Politik derzeit keinen neuen harten Lockdown, Geschäfte bleiben offen, in den Schulen herrscht überwiegend Normalbetrieb. Stattdessen will man auf eine strenge Maskenpflicht, Ausgangssperren und Tests setzen, bis ein Großteil der Bevölkerung geimpft ist. Kommentatoren finden das durchaus nachvollziehbar.

Mitte März 2020 schlossen in vielen Ländern Europas die meisten Geschäfte, Kitas und Schulen, erste Staaten machten ihre Grenzen dicht. Diverse Einschränkungen bürgerlicher Freiheiten folgten und konnten seitdem nur teilweise und vorübergehend aufgehoben werden. Ein Jahr später ziehen Beobachter ein ernüchtertes Fazit und fürchten, dass einige Veränderungen über die Pandemie hinaus bleiben könnten.

Es ist mit umgerechnet 1,6 Billionen Euro eines der größten Konjunkturprogramme aller Zeiten: Nach dem Ja des Repräsentantenhauses konnte US-Präsident Biden seinen "American Rescue Plan" gegen die Covid-Krise am Donnerstag unterzeichnen. Das schuldenfinanzierte Paket soll vor allem Armen, Familien, Kommunen und Schulen helfen. Europas Presse ist mehrheitlich angetan und hofft auf positive Effekte diesseits des Atlantiks.

Wissenschaftliche Studien zeigen, wie die seit einem Jahr anhaltende Pandemie erhebliche Auswirkungen auf die mentale Gesundheit hat: Viele Menschen leiden angesichts der Einschränkungen, der individuellen Verantwortung und dennoch steigender Fallzahlen. Massive gesundheitliche Verschlechterungen treten bei Menschen mit depressiven Vorerkrankungen auf. Wie soll die Gesellschaft damit umgehen?

Im Kontext der Corona-Krise ist die Geburtenrate in vielen europäischen Ländern sowie unter anderem den USA und China stark eingebrochen. In Spanien beispielsweise wurden im Januar 22,6 Prozent weniger Geburten im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet, in Frankreich 13 Prozent. Kommentatoren überlegen, was Abhilfe schaffen könnte und verweisen besorgt auf die gegenteilige Entwicklung in ärmeren Ländern.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet mit einem globalen Wachstum von 5,6 Prozent in diesem Jahr. Wachstumstreiber sind insbesondere China mit 7,8 und die USA mit 6,5 Prozent Wachstum. Aber auch die Eurozone liegt mit einem erwarteten Plus von 3,9 Prozent im Trend. Die Sorgenfalten der Kommentatoren glätten sich damit aber noch nicht.

In Dänemark stellen Migranten 23 Prozent der Corona-Infizierten, obgleich ihr Anteil an der Bevölkerung nur bei 8,9 Prozent liegt. In relevanten Wohngebieten gehen Mitarbeiter der Kommunen nun von Tür zu Tür, klären auf und bieten Tests an. Die Presse begrüßt den Vorstoß und fordert gleichzeitig von den Zugewanderten mehr Engagement.

Von den 2,5 Millionen Corona-Toten weltweit bisher stammten 2,2 Millionen aus Ländern mit vergleichsweise vielen Fettleibigen, zeigt eine diese Woche vorgestellte Studie der World Obesity Federation. Auch frühere Studien bringen schwere Covid-Verläufe mit Adipositas in Zusammenhang. Sollte das Anlass sein, stärker als bisher gegen Fettleibigkeit vorzugehen? Und wenn ja, wie? Kommentatoren sind gespalten.

Italien hat am Dienstag beschlossen, seine Anti-Corona-Beschränkungen teilweise zu verschärfen. Unter anderem werden in den besonders betroffenen roten Zonen wieder alle Schulen geschlossen. Am selben Tag erschien ein Unicef-Bericht, der von einer riesigen Bildungskrise spricht: 168 Millionen Kinder weltweit seien derzeit vom Unterricht ausgeschlossen. Sind die Schließungen trotzdem richtig?

Schatzkanzler Rishi Sunak hat erklärt, wie Großbritannien den Ausweg aus der Corona-Krise und den Schuldenabbau bewerkstelligen will. Kurzfristig soll es weitere Hilfsmaßnahmen in Höhe von 65 Milliarden Pfund (gut 75 Milliarden Euro) geben. Ab April 2023 sollen Unternehmensgewinne mit 25 statt 19 Prozent besteuert werden. Kommentatoren schenken den Plänen viel Beachtung, zumal sie für viele eine Kehrtwende markieren.

Nach Wochen und teils Monaten weitreichender Einschränkungen des öffentlichen Lebens in vielen Ländern Europas werden die Rufe nach Lockerungen der Schutzmaßnahmen vielerorts immer lauter. Gleichzeitig sorgen die neuen Virusvarianten dafür, dass die Maßnahmen nur beschränkt wirken. Europas Presse spiegelt das Dilemma, in dem sich die Regierenden befinden.

Aus Sorge vor der Verbreitung der neuen Virusvarianten hat Deutschland am Wochenende die Einreise aus Tirol und Tschechien beschränkt. Allein wer in Deutschland arbeiten muss oder enge Angehörige besucht, darf die Grenze überqueren - mit negativem Corona-Test und anschließender Quarantäne. Während einige Pressestimmen sich über den Ton in der Debatte ärgern, befürworten andere regionalere Maßnahmen.

Firmen am Rande des Ruins, Bürger am Rande der Erschöpfung: Die seit Monaten strengen Corona-Auflagen haben gravierende Folgen. Auch deshalb werden insbesondere dort, wo die Fallzahlen sinken, Forderungen nach Lockerungen laut. Doch die Politik zögert – und trifft Entscheidungen dabei oft hinter verschlossenen Türen. Nicht nur deshalb üben Journalisten Kritik.

Der tschechische Gesundheitsminister Jan Blatný hat das Angebot aus Deutschland ausgeschlagen, überforderte tschechische Kliniken im Grenzgebiet durch den Transport von Corona-Patienten nach Bayern und Sachsen zu entlasten: Das erwecke den Eindruck, Tschechien könne sich nicht selbst um seine Bürger kümmern. Völlig unverständlich, finden Prager Kommentatoren.

In vielen europäischen Ländern sind Geschäfte und Schulen schon wieder seit Wochen geschlossen, um die Zahl der Corona-Infektionen zu drücken; die Menschen sind zunehmend ermüdet. Gleichzeitig dämpfen der schleppende Impf-Forstschritt und neue Virusvarianten die Hoffnung auf baldige Besserung der Situation. Europas Presse erörtert, was jetzt noch helfen könnte.

Der griechische Premierminister Mitsotakis und seine Mitarbeiter sind am Samstag bei einer offiziellen Reise auf die Insel Ikaria beim Mittagessen in einer Tischgesellschaft von 30 Personen gefilmt worden. Er verstieß nicht zum ersten Mal gegen die von seiner eigenen Regierung festgelegten Corona-Regeln. Ein vielsagender Skandal oder alles halb so wild?

Langsam steigt die Zahl der gegen das Coronavirus geimpften Menschen. Sollen diese Personen dank Impfpässen bald wieder in ein normaleres Leben zurückkehren können, wie es beispielsweise Dänemark plant - vielleicht sogar, bevor andere Bevölkerungsgruppen überhaupt die Chance auf eine Impfung hatten? Für die europäische Presse geht Solidarität hier mehrheitlich über individuelle Freiheit.

Die Sorge vor einer Ausbreitung der Virus-Mutationen aus Großbritannien und Südafrika stellt die Politik vor neue Herausforderungen. Grenzschließungen wie während der ersten Welle der Pandemie will die EU bislang verhindern. Doch viele Länder führen nun im Alleingang strenge Grenzkontrollen, Flugverbote und neue Quarantäneregeln ein. Kommentatoren nehmen mögliche Maßnahmen unter die Lupe.

Bereits zum Frühstück bekommen viele Menschen die Zahlen der Corona-Toten als Eilmeldung auf ihr Smartphone oder hören sie im Radio. So bringt sich der Tod wieder stärker ins Bewusstsein - auch bei denen, die bisher keine Angehörigen oder Freunde an das Virus verloren haben. Was macht das mit der Gesellschaft? Und ist es nicht auch legitim, den Tod zu verdrängen?

In vielen Ländern Europas sind Schulen und Unis nach den Weihnachtsferien ganz oder teilweise geschlossen geblieben. Die Entscheidung darüber, wann und in welchem Umfang wieder Präsenzunterricht stattfindet, wird meist nach dem aktuellen Infektionsgeschehen getroffen. Viele Kommentatoren halten den Umgang mit Kindern und jungen Menschen für ignorant.