Österreich: Rundfunkchef tritt zurück
Der Intendant des Österreichischen Rundfunks (ORF), Roland Weißmann, ist zurückgetreten. Eine Mitarbeiterin hatte ihn der sexuellen Belästigung beschuldigt. Weißmann weist den Vorwurf zwar zurück, will laut seinem Anwalt aber Schaden vom Unternehmen abwenden. Landesmedien sehen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk einmal mehr angeschlagen.
Öffentlich-Rechtliche europaweit in der Defensive
Der Kurier setzt die jüngsten Geschehnisse beim ORF in einen internationalen Kontext:
„Die öffentlich-rechtlichen Sender sind europaweit in der Defensive. ... Fake-News-Vorwürfe, die Gebühren ... – all das wird im politischen Seitenwechsel, den wir gerade erleben, gegen die Öffentlich-Rechtlichen in Stellung gebracht. Wenn diese sich dann auch noch, wie zuletzt die BBC (Trump-Doku) und das ZDF (KI-Bilder), schwere Blößen leisten, geht eine brandgefährliche politische Flanke auf, die schwer wieder zu schließen ist. Das ist beim ORF nicht anders. Der Rücktritt und auch die angekündigte ORF-interne Aufarbeitung bezüglich anderer Fälle werden politisch ausgeschlachtet werden.“
Übernimmt nun eine Frau?
Die Politik sollte sich vom ORF fernhalten, fordert Der Standard:
„Medienminister Andreas Babler hat dem Stiftungsrat umgehend ausgerichtet, was nach solchen Vorwürfen absehbar und klug ist: Er wünscht sich eine Generaldirektorin. Noch wichtiger ist festzuhalten, dass dies nun die einzige und letzte Chance des Medienministers ist, den Rundfunk und sein Management politikferner denn je neu aufzustellen. Dem ORF Zukunft zu geben heißt, vor allem für die Politik und ihre Erfüllungsgehilfen im Stiftungsrat, loszulassen.“