Finnland möchte Atomwaffenverbot aufheben
In Finnland ist nach der aktuellen Gesetzeslage die Einfuhr, Herstellung, Besitz und Zündung von nuklearen Sprengsätzen verboten – sogar im Kriegsfall. Drei Jahre nach dem Nato-Beitritt Finnlands hat die Regierung nun angekündigt, diese Beschränkungen aufzuheben, um "die Abschreckungs- und kollektive Verteidigungskraft der Nato voll auszuschöpfen", so Verteidigungsminister Antti Häkkänen. Pläne zur Stationierung von Atomwaffen gibt es dabei in Helsinki nicht.
Keine Bedrohung, sondern Abschreckung
Atomwaffen sind ein defensives Mittel, so Iltalehti:
„Im Grunde geht es auch hier um Abschreckung. Dies haben wir schon lange vor dem Nato-Beitritt immer wieder betont. Es geht nicht darum, Russland zu bedrohen oder einzuschüchtern, sondern darum, mit allen defensiven Mitteln und Vorkehrungen die Schwelle für einen Einmarsch in Finnland unüberwindbar zu machen. Dazu gehört auch, dass wir in Bezug auf Atomwaffen eine zeitgemäße Gesetzgebung haben. Die nukleare Komponente der Nato ist die höchste Stufe der Abschreckung, die auch allen Atomwaffenstaaten, einschließlich Russlands, verständlich ist.“
Nicht dem Kreml in die Hände spielen
Die finnischen Parteien sollten jetzt an einem Strang ziehen, mahnt Lapin Kansa:
„Die größten Parteien im finnischen Parlament waren sich traditionell einig über die Grundzüge der finnischen Außen- und Sicherheitspolitik. ... Diese Einigkeit sollte beibehalten werden, denn sie ist unsere beste Waffe gegen die Bedrohung aus dem Osten. Russland freut sich bereits über die Uneinigkeit und wird dies zweifellos in seiner Propaganda ausnutzen. Es ist an der Zeit, dass unsere politischen Entscheidungsträger sich zusammenreißen. Auch wenn man mit unbegründeten Schreckensszenarien Stimmen gewinnen kann, sind solche rhetorischen Spielchen weit entfernt von Patriotismus. Angstmacherei mit Finnland als Atommacht dient nur den Interessen des Kremls.“
Russische Strategie hat Gegenteil bewirkt
Luftfahrtexperte Wadim Lukaschewitsch spricht in einem von Echo übernommenen Facebook-Post sarkastisch von einem Triumph der Kreml-Strategie:
„Während wir in der Ukraine ein Jahr lang das Problem der Annäherung der Nato an unsere Grenzen behandelten, verlängerte sich diese Grenze zur Nato mittels Finnland auf einen Schlag um 1340 Kilometer. ... Das war unser erster sorgfältig geplanter strategischer Erfolg des Ukraine-Feldzugs. ... Dieser Tage hat Finnland das Verbot der Lagerung von Atomwaffen auf seinem Staatsgebiet aufgehoben. ... Entsprechend sieht unser zweiter strategischer Erfolg der Ukraine-Kampagne, wenn nicht gar überwältigender Triumph, so aus: Die Flugzeit vom Nato-Gebiet nach St. Petersburg hat sich für ballistische taktische Raketen auf 3-6 Minuten und für Hyperschallraketen auf 1-2 Minuten verkürzt.“