Iran-Krieg: Gibt es Wege aus der Energiekrise?

Die eskalierende Lage in Nahost und die Blockade der Straße von Hormus lassen weltweit die Energiepreise steigen. Auch nach den Andeutungen von Donald Trump am Montag über ein möglicherweise schnelles Kriegsende und Beratungen der G7-Staaten über ein Zurückgreifen auf strategische Ölreserven liegen die Preise deutlich über dem Stand von Ende Februar. Europas Presse bewertet Ursachen, Folgen und Lösungsansätze.

Alle Zitate öffnen/schließen
Irish Independent (IE) /

Benzinpreise nur die Spitze des Eisbergs

Bei einem länger anhaltenden Krieg befürchtet Irish Independent eine Spiralwirkung:

„Ölpreise gehen nach oben, dadurch steigen die Kosten für die Wirtschaft. Das wiederum führt zu höherer Inflation mit dem Potenzial für Wachstumseinbußen, Jobverluste und somit wachsende Arbeitslosigkeit. Um die Inflation zu bekämpfen, erhöhen die Zentralbanken die Zinsen, was wiederum die Kreditzinsen für Immobilien in die Höhe treibt. Die Dauer dieses Konflikts wird sich unmittelbar auf die Wirtschaft auswirken. Nicht nur die Benzinpreise an den Zapfsäulen werden steigen.“

De Standaard (BE) /

Reserven sind ein heikles Instrument

Angesichts der ausbleibenden Öllieferungen aus der Golfregion erwägen die G7-Staaten, strategische Ölreserven einzusetzen. Das ist besorgniserregend, warnt De Standaard:

„Das Problem ist, dass eine solche Notmaßnahme zur Beruhigung der Märkte nur bestätigt, wie akut die Energieknappheit zu werden droht. Die Internationale Energieagentur hat in den letzten 50 Jahren nur fünfmal auf diese Reserven zurückgegriffen; die letzten beiden Male geschah dies nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine. Durch diesen Energieschock hat die europäische Industrie einen fast uneinholbaren Rückstand gegenüber ihren chinesischen und amerikanischen Konkurrenten erlitten.“

El Mundo (ES) /

EU muss schnell zusammenrücken

Dringend muss Europa nun vertrödelte Reformen angehen, mahnt El Mundo:

„Anders als die USA, die Nettoexporteur von Kohlenwasserstoffen sind und einen längeren Versorgungsengpass besser abfedern können, bleibt der alte Kontinent ein Energiedefizitmarkt und ist anfällig für jegliche Angebotsschocks. … Seit 2022 hätte die EU deutlich mehr Fortschritte bei der Integration ihrer Märkte, der Energieunabhängigkeit, der Wettbewerbsfähigkeit und der Entwicklung einer gemeinsamen Sicherheitsstrategie erzielen müssen. Sie hat dies nicht mit der nötigen Dringlichkeit getan. Nun zahlt sie den Preis für diese Verzögerung. … Der einzige Weg nach vorn für Europa ist Einigkeit, um anstehende Reformen zu beschleunigen.“

Polityka (PL) /

Abkehr von fossilen Brennstoffen

Polityka fordert mehr energiepolitische Unabhängigkeit:

„Die erneute Energiekrise zeigt, wie wenig wir aus der letzten gelernt haben. Viele Politiker meinen immer noch, dass wir weiterhin komplett von Öl und Gas abhängig bleiben sollten, und betrachten alle Versuche, erneuerbare Energiequellen auszubauen, als ideologischen Unsinn. ... Die Elektrifizierung des Verkehrs oder der Wärmeversorgung wurde bisher hauptsächlich als Methode zur Reduzierung der CO2-Emissionen dargestellt. Dabei ermöglicht die Umstellung auf Wärmepumpen oder Elektroautos – auch wenn sie kostspielig ist und ihre Nachteile hat – den Aufbau von Energieunabhängigkeit. Andernfalls werden wir, Polen und Europa, immer wieder für Kriege bezahlen müssen, die andere angezettelt haben.“

Contributors (RO) /

Abhängigkeit von Meerenge überwinden

Auf lange Sicht braucht es eine logistische Alternative zur Straße von Hormus, gibt Contributors zu bedenken:

„Mit Blick auf die Zukunft ist es unwahrscheinlich, dass die Straße von Hormus in den kommenden Jahrzehnten an Bedeutung verlieren wird. Selbst in einem optimistischen Szenario der Energiewende werden Öl und Gas aus dem Persischen Golf weiterhin durch diesen Kanal transportiert werden, und Krisen wie die von 2026 wird es damit weiter geben können. Genau deshalb besteht eine der großen intellektuellen und politischen Herausforderungen des 21. Jahrhundert darin, ein globales Energiesystem aufzubauen, das nicht existenziell von einer einzigen Meerenge abhängig ist.“

Magyar Nemzet (HU) /

Wieder russische Importe zulassen

Der EU-Ausstieg aus russischem Öl und Gas war ein Fehler, erklärt die regierungsnahe Magyar Nemzet:

„Da die Europäische Union zuvor den Import russischer Energieträger verboten hatte, sind die Auswirkungen des Nahostkrieges auf Europa im Energiebereich um ein Mehrfaches größer, zumal in Europa nicht nur wegen des Kriegs Öl und andere Energieträger fehlen, sondern auch weil aufgrund des Ausschlusses Russlands weniger auf dem europäischen Markt verfügbar ist als früher. ... Die Lösung liegt auf der Hand: Die Unterstützung des Krieges in der Ukraine soll beendet werden, russisches Öl und Gas sollen zugelassen werden, und man sollte sich auf die Wettbewerbsfähigkeit Europas konzentrieren.“