Wahlkampf in Ungarn geht in entscheidende Phase

Vier Wochen vor der Parlamentswahl in Ungarn haben sowohl das Regierungslager als auch die Opposition Großdemonstrationen in Budapest abgehalten. Aktuell liegt die Tisza-Partei von Péter Magyar in den meisten unabhängigen Umfragen vorn. Bei einem Sieg müssten Premier Viktor Orbán und seine Partei Fidesz nach 16 Jahren die Regierungsmacht abgeben. Kommentatoren glauben jedoch, dass noch alles möglich ist.

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Pravda (SK) /

Noch ist Orbán nicht besiegt

Pravda warnt davor, Orbán voreilig abzuschreiben:

„Bis zu den Wahlen ist noch ein Monat Zeit, und bis dahin wird der derzeit in den Umfragen zurückliegende Orbán alle möglichen Mittel einsetzen, um das Ergebnis zu kippen. Obwohl es so aussieht, als hätten die Ungarn ihre Entscheidung bereits getroffen, wissen wir aus der Slowakei und anderen Ländern, dass Entscheidungen oft erst in den letzten zwei Wochen fallen – und zwar häufig sehr überraschend. Es wird spannend sein zu beobachten, welche Schritte Orbán unternehmen wird, um um jeden Preis an der Macht zu bleiben.“

Magyar Hang (HU) /

Fidesz fehlt die Wunderwaffe

Die Unterstützung für die Opposition scheint stabil zu sein, beobachtet der Publizist Szabolcs Szerető in Magyar Hang:

„Aus den unterschiedlichen Meinungsumfragen habe ich als Laie vor allem den Schluss gezogen, dass die Tisza-Partei eine anhaltend hohe, sehr hohe Unterstützung hat. Möglicherweise erreicht diese langsam ihren Höhepunkt und wächst nicht weiter, aber Fidesz hat bisher noch keinen Weg gefunden, die Flutwelle einzudämmen. ... So versucht die Regierungspartei vor allem, so viele wie möglich aus dem verunsicherten, abtrünnigen Teil ihrer Wählerbasis aus dem Jahr 2022 zurückzugewinnen. Die Frage ist, ob das in einem Endspurt, der verrückt zu werden verspricht, ausreichen wird.“

Népszava (HU) /

Ungewohnte Volksnähe mit Risiko

Népszava sorgt sich um Orbáns Unversehrtheit im Wahlkampf:

„Es ist sicher, dass es in den letzten 16 Jahren keine derart turbulenten Umstände im politischen Leben Ungarns gegeben hat; es war nie notwendig, dass Viktor Orbán sich persönlich in diesem Ausmaß engagiert. ... Er besucht sogar sechs Orte und kündigt dabei – in einer bisher nicht erfahrenen Weise – Ort und Zeit im Voraus an. ... Hoffen wir, dass sich kein einziges zweifelhaftes Element in die Reihen des Publikums mischt und wir nicht befürchten müssen, dass der Ministerpräsident Opfer von Angriffen oder Anschlägen wird. Wir leben in heiklen Zeiten, auch russische Manipulatoren wandeln unter uns, und wer weiß, welche Absichten sie leiten.“