Tschechien: Schwänzt der Präsident die Wahlen?
Tschechien wählt am Freitag und Samstag neue Kommunalparlamente – doch Präsident Petr Pavel wird seine Stimme nicht abgeben. Wegen eines Planungsfehlers fällt der Wahltermin in seinen Motorradurlaub in Marokko. Der Staatschef bedauert den Fehler, will seine Reise aber nicht abbrechen. Tschechische Medien kritisieren, dass ausgerechnet der Präsident bei der Wahl fehlt.
Schwerer Fauxpas
Forum24 spricht von einem schweren Fauxpas:
„Der Präsident muss an den Wahlen teilnehmen und sich zum Zeitpunkt der Ergebnisbekanntgabe in Tschechien aufhalten. Man könnte denken, jedem unterläuft mal ein Fehler. Doch in diesem Fall ist es etwas seltsam. Schließlich ist es der Präsident selbst, der den Wahltermin bekannt gibt. Und derselbe Präsident bucht seinen Urlaub sicher nicht nach ein paar Bieren auf einem Portal mit Billigflügen, sondern plant ihn gemeinsam mit anderen unter Berücksichtigung des restlichen Programms und der Sicherheitsvorkehrungen. Ein solcher Fauxpas darf einfach nicht passieren.“
Sympathie ist flüchtig
Hospodářské noviny fürchtet, dass der Vorfall die Chancen Pavels für seine Wiederwahl als Präsident in zwei Jahren schmälern könnte:
„Es ist großartig, einen Präsidenten zu haben, der sein Mandat erfüllt und dabei auch noch cool wirkt. Wenn jedoch der Eindruck überwiegt, dass er vor allem cool wirken will und seine Pflichten als Präsident und Politiker, wie beispielsweise die Teilnahme an Wahlen, etwas vernachlässigt, kann die Sympathie schnell schwinden. Petr Pavel täte gut daran, seinen Urlaub zu verkürzen, am Freitag von Marrakesch oder Agadir [nach Prag] zu fliegen und am Samstag in [seinem Heimatdorf] Černoušek an der Wahlurne zu stehen. Er könnte problemlos auch mit dem Motorrad dorthin gelangen. Tschechien ist schließlich auch schön zum Motorradfahren.“