Taylor Swifts Verlobung: Triumph alter Werte?
Pop-Superstar Taylor Swift und Football-Profi Travis Kelce haben sich in Missouri verlobt. Dieses Privatereignis, das eigentlich als Thema auf Boulevardmedien und Fan-Kreise beschränkt sein sollte, beschäftigt jedoch weite Kreise, bis hinauf zum US-Präsidenten. Und auch Europas Presse fragt sich: Was kann man daraus für unsere Gesellschaft und unsere Zeit herauslesen?
Endlich Glamour statt Desaster
Warum die Verlobung alles andere als nebensächlich ist, erklärt die taz:
„US-Republikaner sahen einen Punktsieg in ihrem Kulturkampf: [D]ie geradezu monarchische Aura, die Taylor Swift auf westliche Gesellschaften ausstrahlt, ... macht alles, was sie tut, zu einem potenziellen Anlass. ... Dass die Ehe Swift 'konservativer machen' und 'deradikalisieren' möge, hoffte etwa der Aktivist und Trump-Vertraute Charlie Kirk. Swift-Fans wiederum sind entzückt bis schockiert: Als stolze 'kinderlose Katzenfrau' hatten sie die Musikerin zur liberalfeministischen Ikone emporstilisiert. Nun sind Projektionen in Gefahr. Für einen Moment hat der Westen aber wieder dringend benötigten Glamour. Der faschistische Staatsumbau, die Beihilfe zu Kriegsverbrechen, das ökologische Desaster – so was ist unsexy und lässt sich schlecht vermarkten.“
Romantik ohne jeden Rechtsrutsch
Polityka schreibt der Verlobung gesellschaftliche Signalwirkung zu:
„Die Verlobung von Kelce und Swift ist ein wichtiges kulturelles Ereignis, das Teil der Diskussion über die Rückkehr zu traditionellen Werten ist. Bei näherer Betrachtung offenbart es viele Spannungen und ungelöste Konflikte. ... Nichts deutet darauf hin, dass Swift sich in eine Ikone der Rechten verwandeln würde, ganz im Gegenteil: Travis Kelce präsentiert ein Modell nicht-toxischer Männlichkeit, und seine Achtung vor den Erfolgen und der Arbeit seiner Verlobten steht in völligem Widerspruch zu den Einstellungen verschiedener Gurus der 'Mannosphäre'.“