Prager Stadionschlacht bringt Fußball in die Krise

Am Samstag haben hunderte Hardcore-Fans des Prager Clubs Slavia mit brennenden Bengalos das Spielfeld gestürmt und Team und Fans des Lokalrivalen Sparta attackiert. Die 3:2-Führung kurz vor Abpfiff hätte ihrem Club die Meisterschaft eingebracht. Aber das Spiel wurde abgebrochen, der Gegner zum Sieger erklärt. Slavia muss zusätzlich vier Heimspiele unter Ausschluss von Zuschauern absolvieren und eine empfindliche Strafe bezahlen.

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Sme (SK) /

Reputationsverlust auch für den Sponsor

Sme beklagt:

„Das alles passiert zu einer Zeit, in der Tschechiens Fußball scheinbar zivilisiertes Niveau erreichte: Die reichsten Tschechen stiegen in die Vereine ein. Nicht wegen der Aussicht auf hohe Gewinne, sondern vielmehr, um ihr Image zu verbessern. Der Besitzer von Slavia Prag, Pavel Tykač, ist der siebtreichste Tscheche, der hauptsächlich im Energiesektor tätig ist – und nicht im umweltfreundlichsten. Slavia, jahrelang im Schatten des erfolgreicheren Prager Rivalen Sparta stehend, versuchte sich als europäischer Spitzenklub zu präsentieren, dessen Spiele nicht nur von eingefleischten Fans, sondern bedenkenlos auch von Familien mit Kindern besucht werden konnten. Dieses mühsam aufgebaute Image zerbrach innerhalb weniger Minuten.“

Hospodářské noviny (CZ) /

Gesichtserkennung nicht mehr nur am Flughafen?

Sportminister Boris Šťastný setzt sich nun für die rasche Einführung von Gesichtserkennungs-Technologie in Stadien ein, schreibt Hospodářské noviny:

„Derzeit dürfen Kamerasysteme, die Personen auch aus großer Entfernung identifizieren können, nur am Prager Flughafen eingesetzt werden. Jede andere Nutzung ist durch die Datenschutz-Grundverordnung verboten. 'Wenn personenbezogene Daten sicher verwahrt, Missbrauch minimiert und das System präventiv eingesetzt wird, unterstütze ich es gern', so Minister Šťastný. 'Auch Slavia Prag verfügt über diese Technologie und könnte sie sofort einsetzen.' ... Dies würde den Vereinen vor allem dabei helfen, dass bereits zuvor bestrafte Randalierer tatsächlich keinen Zutritt zum Stadion mehr erhalten.“

Deník N (CZ) /

Spiegel einer sich radikalisierenden Gesellschaft

Laut Deník N fokussieren sich in Fußballstadien soziale Entwicklungen:

„Fußball spiegelt die Gesellschaft wider und ist, wie alle anderen Bereiche auch, von Radikalisierung betroffen. Dies ist nicht nur in Tschechien, sondern weltweit ein Thema. Ein ähnlicher Vorfall, wenn auch ohne Angriff auf einen Spieler, ereignete sich vor einem Monat in Deutschland. Gewalt wird seit Jahren mit Fußball in Verbindung gebracht, doch wenn gewalttätige und entmenschlichende Rhetorik in die Gesellschaft zurückkehrt, tritt sie im Fußball besonders deutlich zutage.“