Tradwife-Trend: Muss der Staat warnen?
Irlands Regierung startet eine Kampagne, die junge Frauen vor dem Tradwife-Trend warnen soll. Dieser verbreitet sich in Social Media und propagiert das Ideal von Frauen, die sich bewusst für ein konservatives Rollenbild entscheiden sowie die alleinige Übernahme von Haushalt und Kindererziehung. Für irische Medien geht die Kampagne jedoch am Problem vorbei.
Eine absurde Kampagne
Das Problem sind nicht die Tradwives im Netz, sondern ein gesellschaftliches Missverhältnis, glaubt The Irish Times:
„Der Grund, warum Frauen sich aus dem Beruf zurückziehen und wirtschaftliche Chancen ausschlagen, liegt nicht darin, dass man ihnen eingeredet hat, sie würden ihre Tage lieber in einer karierten Schürze verbringen und liebevoll eine mit Butter bestrichene Käsescheibe über ein Brathähnchen legen. Es liegt daran, dass wir in einer Gesellschaft leben, die von uns erwartet, dass wir Kinder erziehen, als hätten wir keinen Beruf, und zu arbeiten, als hätten wir keine Kinder. … Frauen davor zu warnen, rückständige Botschaften zum Thema Care-Arbeit zu schlucken, erscheint ein wenig absurd, wenn die Wirtschaft darauf basiert, dass Frauen genau das Gegenteil tun.“
Die falsche Zielgruppe
Frauen wird mit dieser Kampagne ein weiteres Problem aufgehalst, mahnt Irish Independent:
„Sollten die Zielgruppen nicht in erster Linie Männer und Jungen sein, da sie am anfälligsten und empfänglichsten für die schädlichen Einflüsse von [dem frauenfeindlichen Influencer] Andrew Tate und seinesgleichen sind? Sie sind es, die Pornos konsumieren und pornografisch geprägte Geschlechterrollen sowie gefährliche Sexualpraktiken verinnerlichen – oft schon ab dem Moment, in dem sie sich mit dem Geld zur Kommunion ihr erstes Smartphone kaufen. Ist es nicht geradezu die Definition von Täter-Opfer-Umkehr, Frauen darin zu unterweisen, wie sie mit den Folgen dysfunktionalen männlichen Verhaltens umgehen sollen?“