Portugal: Pfandsystem wird zum Müllproblem
Mit der Einführung des Pfandflaschen-Systems Volta im April hat Portugal die EU-Richtlinie über Einwegkunststoffe (SUPD) umgesetzt. Doch nun gibt es Kritik an dem System: Lissabons Bürgermeister Carlos Moedas forderte von der Regierung, es rückgängig zu machen, weil in Lissabon Obdachlose Müllcontainer auf der Suche nach Pfandflaschen häufig durchwühlen und dabei Müll überall auf der Straße verteilt wird.
Die Armut wird nun sichtbarer
Das Problem ist nicht das Recyclingsystem, betont Jornal de Notícias:
„Das Ende von Volta wird keine einzige Zahl in den Statistiken zur Obdachlosigkeit und zur Armut in Portugal verändern. Man könnte argumentieren, dass Volta das Phänomen des Müllsammelns – das bereits vor allem im Bereich der Metallsammlung bestand – sichtbarer gemacht hat, mit entsprechenden Folgen für die Stadtreinigung. Wer keine andere Einkommensquelle hat, sucht die garantierten Cents, die man als Pfand für jede Flasche oder Dose erhält, die andere weggeworfen und nicht einmal dem Recycling zugeführt haben. ... Volta ist kein Wundermittel. Doch in einem Land mit beschämend niedrigen Recyclingquoten für Kunststoff leisten die Pfandautomaten einen wichtigen Beitrag.“
Wo bleibt das Wahlversprechen des Bürgermeisters?
Der Müll ist in Lissabon ein strukturelles Problem, das Moedas nicht gelöst hat, schreibt Público:
„Es ist nun an Carlos Moedas, das bereits bestehende Problem zu lösen, für das er im Wahlkampf ein Versprechen abgegeben hat: die Abholung von unsortiertem Müll an sechs Tagen pro Woche in der gesamten Stadt, was in einigen Gebieten eine Verdopplung der Abholtage bedeutet. Diese Maßnahme liegt in der Zuständigkeit der Stadtverwaltung und wurde bisher aufgrund fehlender Mittel noch nicht umgesetzt. Carlos Moedas hat die Anschaffung von Müllwagen sowie die Einstellung von Fahrern und Straßenreinigern angekündigt. Nun muss nur noch die entscheidende Frage geklärt werden: Ab wann wird der Müll, wie angekündigt, täglich in der gesamten Stadt abgeholt?“