Dänemark: Medien unter Spardruck

Seit Jahren streiten die Parteien Dänemarks über die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks DR. Noch immer ist unklar, wo eingespart werden soll – die Folge ist eine andauernde Unsicherheit für die Medienschaffenden. Und auch die Corona-Krise beutelt die Medien schwer.

Dänemarks Premierministerin Mette Frederiksen will die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks neu verhandeln.
Dänemarks Premierministerin Mette Frederiksen will die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks neu verhandeln.
Eigentlich hatte sich die Vorgängerregierung aus Konservativen und Rechtspopulisten 2018 darauf verständigt, 20 Prozent am Budget zu sparen, gleichzeitig wollten sie die Qualität verbessern. Der Verkauf des zweiten Fernsehkanals an einen privaten Besitzer sollte vorbereitet und die Rundfunkgebühren ab 2022 über die Steuern eingezogen werden. Mit dem Wechsel zu einer sozialdemokratischen Minderheitsregierung stehen diese Vorhaben aber wieder zur Debatte und niemand rechnet damit, dass die Verhandlungen über ein neues Konzept vor dem Spätsommer 2020 beginnen werden.

Die Auflagenzahlen gehen in fast allen Bereichen der Printmedien kontinuierlich zurück, einige Publikationen trotzen allerdings diesem Trend. Viele große dänische Medien melden ihre Zahlen deshalb nicht mehr an die Auflagenkontrolle, sondern setzen stattdessen auf die vom Medien- und Meinungsforschungsinstitut Gallup ermittelten Leserzahlen, die die Reichweite angeben.

Artikel lassen sich jetzt auch als Geschenk verschicken

Als eine der ersten Zeitungen hat Der Nordschleswiger, die deutschsprachige Tageszeitung in Dänemark, bereits ein Datum gesetzt, ab dem das Medium ausschließlich online erscheinen wird: Am 2. Februar 2021 soll die letzte gedruckte Zeitung erscheinen – genau 75 Jahre nach der ersten Ausgabe.

Im Internet werden bekannte Medien, bei denen die Leser für einzelne Beiträge zahlen, wie zum Beispiel zetland.dk, stark nachgefragt. Das Medium finanziert sich ausschließlich aus der daraus anfallenden Summe. Den Kunden ist es möglich, den von ihnen bezahlten Artikel zum Beispiel auf Facebook zu teilen, so dass andere ihn dann auch lesen können. Diesem Prinzip folgt auch Politiken. Hier kann man Artikel per Mail als Geschenk an andere verschicken. Reine Onlinemedien, wie altinget.dk, bleiben vorerst ein Nischenprodukt.

Corona-Hilfsprogramm für Medienhäuser

Die große Masse der Leser ziehen die großen Zeitungen BT, Jyllands-Posten, Politiken oder Berlingske auf ihre Websites. Sie sind ebenso wie die Website von Danmarks Radio (DR) stark nachgefragt. Das gilt insbesondere seit Beginn der Corona-Krise, als die Hörer des seriösen, informationsorientierten Nachrichtenprogramms P1 durchsetzten, dass die Zusammenlegung mit dem Schlager-orientierten Programm P4 zurückgenommen wird. Die Zusammenlegung wurde laut DR notwendig, weil wegen der Corona-Krise so viele Mitarbeiter ins Homeoffice mussten.

Der Bedarf an soliden Nachrichten in der Krise ist groß - allerdings auch der Bedarf der Medienhäuser an staatlicher Unterstützung wegen wegbrechender Anzeigeneinnahmen. Die Regierung hat ein entsprechendes Hilfsprogramm aufgelegt. Trotzdem haben Medien wie Altinget bereits Mitarbeitern gekündigt. Die Lokalzeitung Helsingør Dagblad steht vor dem Konkurs.

Die Dänen nutzten 2019 täglich mehr als sieben Stunden Medien, so DR in seinem Jahresbericht. Dabei werden oftmals mehrere Medienkanäle gleichzeitig konsumiert, man hat zum Beispiel den eigenen Facebook News Feed ständig im Blick, während nebenbei Serien über den Bildschirm oder das Tablet flimmern. Streaming nimmt mit einem Viertel der Mediennutzung vor allem bei den Jüngeren einen immer größeren Raum ein. Aber auch die Altersgruppe der über 45-Jährigen holt hier auf. Viel Raum wird auch den Podcasts gegeben. 24 Prozent der Bevölkerung hören sie wöchentlich. Die Nutzung von Facebook und Co. war 2019, nach einem leichten Rückgang 2018, stabil: Etwa 78 Prozent konsumieren täglich Soziale Medien.

Twitter wird von Journalisten und Politikern genutzt, allerdings ohne eine viel zitierte Quelle zu sein. Eine ernstzunehmende politische Bloglandschaft gibt es in Dänemark nicht, allenfalls von Politikern und anderen Debattenteilnehmern auf den Websites der großen Zeitungen.

Im Rundfunkbereich etablierten sich neben den öffentlich-rechtlichen rund 15 private Radiosender. Im ganzen Land erfolgreich war Radio24syv, das vom Medienverlag Berlingske Media betrieben wurde und auf Wortbeiträge setzte. Die Sendelizenz lief allerdings 2019 aus. Bei einer Ausschreibung gewann trotz intensiver Proteste ein neuer Sender, Radio Loud, der vor allem junge Hörer ansprechen soll.

Rangliste der Pressefreiheit (Reporter ohne Grenzen): Platz 3 (2020)

Stand: April 2020
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