Dänemark: Parteien geben die Richtung vor

Zu Beginn des Jahres 2018 streiten die dänischen Parteien über die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Danmarks Radio (DR). Dies ist Bestandteil des sogenannten Medienvergleichs. In Dänemark gehen Parteien für viele Politikbereiche Vergleiche ("forlig") ein, in denen sie sich über Parteigrenzen hinweg auf eine politische Ausrichtung einigen. Daran halten sie fest, bis ein Vergleich erneuert wird oder wegfällt - und zwar ungeachtet der jeweiligen Regierungskoalitionen, die sich durchaus ändern können.

Ein Übertragungswagen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Danmarks Radio (DR).
Ein Übertragungswagen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Danmarks Radio (DR).
Die bürgerliche Minderheitsregierung und ihre rechtspopulistische Unterstützerpartei Dansk Folkeparti hatten sich zunächst intern darauf verständigt, 20 Prozent bei DR einzusparen und gleichzeitig die Qualität zu verbessern. Die Gebühren werden künftig über die Steuer eingezogen. Der Verkauf des zweiten Fernsehsenders TV2 an Private soll vorbereitet werden - das ist allerdings schon seit vielen Jahren der Fall, ohne dass es realisiert wurde.

Weiterhin könnte eine Befreiung der Onlinemedien von der Mehrwertsteuer, wie es bei den Printmedien der Fall ist, Bestandteil des neuen Medienvergleichs werden. Im Konkurrenzkampf um Leser und Klicks fühlen diese sich bisher durch die verschiedenen Steuermodelle benachteiligt. Daneben fordern die Sozialdemokraten sogar, dass sich Global Player wie Google oder Netflix an den Kosten der dänischen Medien beteiligen sollen.

Als Reaktion auf diese Debatte kündigte der größte Medienkonzern Berlingske im Februar 2018 an, bis zum Jahresende Dänemarks führendes digitales Medienhaus zu werden, wie Konzernchef Anders Krab-Johansen es formulierte. Jedes Blatt des Hauses soll auf seinem Gebiet die digitale Nummer eins werden. Nach 269 Jahren mit den Printmedien als Kerngeschäft des Konzerns richtet sich der Fokus jetzt auf eine digitale journalistische Zukunft. Das gesamte Layout der Printmedien wird an eine externe Firma vergeben, von knapp 900 Konzernstellen werden 93 gestrichen, davon 23 im journalistischen Bereich. Andere Medienhäuser haben derartige Pläne und Investitionen derzeit noch nicht verkündet.

Die Auflagenzahlen gehen in fast allen Bereichen kontinuierlich zurück, allerdings konnten einige Printmedien im vergangenen Jahr Zuwächse bei den Leserzahlen vermelden. Viele große dänische Medien melden ihre Zahlen nicht mehr an die Auflagenkontrolle, sondern setzen stattdessen auf die vom Medien- und Meinungsforschungsinstitut Gallup ermittelten Leserzahlen, die die Reichweite angeben.

Im Internet entstehen derzeit neue Qualitätsmedien, wie zum Beispiel zetland.dk, bei dem die Leser für einzelne Beiträge zahlen. Das Medium finanziert sich ausschließlich aus der daraus anfallenden Summe. Dem Kunden ist es möglich, den von ihm bezahlten Artikel zum Beispiel auf Facebook zu teilen, so dass andere ihn dann lesen können.

Im Bereich Medienkonsum zeichnet sich ab, dass immer mehr junge Menschen immer weniger fernsehen – die zwölf- bis 18-Jährigen zum Beispiel nur noch 49 Minuten am Tag, während die über 55-Jährigen 262 Minuten täglich vor dem Fernseher sitzen. Dafür lesen diese weniger Zeitung. Zunehmend mehr Dänen informieren sich via Smartphone über die aktuelle Lage.

Twitter wird von Journalisten und Politikern genutzt, allerdings ohne eine viel zitierte Quelle zu sein. Eine ernstzunehmende politische Bloglandschaft gibt es in Dänemark nicht, allenfalls von Politikern und anderen Debattenteilnehmern auf den Websites der großen Zeitungen. Auf der Liste der viel gelesenen Blogs finden sich vor allem Mode- und Gourmetseiten.

Im Rundfunkbereich etablierten sich neben den öffentlich-rechtlichen rund 15 private Radiosender. Im ganzen Land erfolgreich ist Radio24syv, das vom Medienverlag Berlingske Media betrieben wird und für das nach den Ankündigungen des Konzerns im Februar 2018 auch ein neues Konzept gefunden werden soll, um Einnahmen durch Podcasts zu generieren.

Rangliste der Pressefreiheit (Reporter ohne Grenzen):
Platz 9 (2018)

Stand: Mai 2018


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