WM der Frauen im Fußball: Endlich im Rampenlicht?

In Frankreich läuft derzeit die Fußball-WM der Frauen. Doch die Medien berichten nur zaghaft. Und selbst in großen Städten ist es schwer, Kneipen zu finden, in denen die Spiele übertragen werden. Nicht nur in diesen Bereichen müssen Fußball spielende Frauen noch immer um Anerkennung kämpfen, klagen Kommentatoren.

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Libération (FR) /

Nicht nur eine Ersatzdisziplin

Allein die Bezeichnung der Sportart ist eine Frechheit, findet Libération:

„Niemandem käme es in den Sinn, von 'Männerfussball' zu sprechen. Wenn man das Wort 'Frauen' vor Fußball setzt, verbreitet man damit die Idee, dass die beiden Geschlechter nicht wirklich das gleiche Spiel spielen. Die Fußballerinnen, so könnte man meinen, praktizieren einen Sport, der extra für Frauen erfunden wurde, eine Ersatzdisziplin. Was ist der Unterschied zwischen einem Fußballer und einer Fußballerin? Ein Fußballer ist ein Mann, der Fußball spielt. Eine Fußballerin ist eine Person, die Frauenfußball spielt. Auf der einen Seite gibt es Fußball, den richtigen, echten, und auf der anderen Seite das Weiberding. Man denkt an Frauen, die in Stöckelschuhen auf einem kleinen Spielfeld herumrennen und Handtaschen herumkicken, bis eine versehentlich ins Netz geht.“

Upsala Nya Tidning (SE) /

Auch Frauen müssen mit Fußball verdienen können

Dass die Frauenteams im Fußball noch immer unterfinanziert ist und Spielerinnen kaum Prämien bekommen, hält Upsala Nya Tidning für einen Skandal:

„Bei den Teamsportarten hinkt die Gleichstellung hinterher. Die Korrespondenten des Schwedischen Fernsehens reisten vor der WM nach Kamerun, Brasilien und Wales und trafen dort auf junge Frauen, die um ihr Recht kämpfen, Fußball zu spielen. In allen drei Ländern wurde ihnen gesagt, es sei 'ein Sport für Männer'. Könnten sie nicht stattdessen über [einen weiblicheren Sport wie] Hockey berichten? ... Es ist bizarr, dass das so weitergeht. ... Aber es gibt Hoffnung. Das Eröffnungsspiel Frankreich-Südkorea haben 45.000 Menschen im Stade de France [sic] und elf Millionen Franzosen vor dem Fernseher gesehen. Es war klar, dass das höchstklassiger Sport ist und dafür bezahlt werden muss.“

Neue Zürcher Zeitung (CH) /

Fairer, sauberer, unverdorbener

Pure Begeisterung über die WM drückt der Schweizer Autor Bänz Friedli in der Neuen Zürcher Zeitung aus:

„Frauenfussball ist der bessere Fussball: fairer, sauberer, unverdorbener. 'Weil es um nichts geht.' Ich höre den Einwand schon. Sobald mehr Geld im Spiel sei, werde dies auch den Frauenfussball korrumpieren. Nein. Just die wenigen Millionärinnen, die der Fussball hervorgebracht hat, engagieren sich am ausgeprägtesten in gesellschaftlichen Fragen und betreiben wohltätige Stiftungen. Die Medien schliesslich sollen über die Fussballerinnen endlich als Spitzenathletinnen berichten statt immer nur über deren sexuelle Ausrichtung. Ich freue mich auf die WM! Und auf den Tag, da vor einer Endrunde der Frauen kein Plädoyer in der Zeitung mehr nötig sein wird, schon gar nicht eines, das ein Mann geschrieben hat.“

El Periódico de Catalunya (ES) /

In die Öffentlichkeit gedribbelt

Medien und Zuschauer beginnen endlich, sich für den Frauensport zu interessieren, bemerkt El Periódico de Catalunya:

„Die Frauenfußball-WM beginnt und es lässt sich nicht übersehen, dass es bei dem Event nicht allein um den Sport geht. Seit der WM in Canada 2015 hat sich das Panorama merklich verändert. Der Frauenfußball wächst unaufhaltsam. Mehr Sponsoren, mehr Sendezeit und steigende Zuschauerquoten beweisen den Boom. Lang vorbei scheinen die Zeiten der völligen Unsichtbarkeit, mit permanent leeren Zuschauertribünen und ohne jegliche Beachtung in den Nachrichten. Die Fortschritte sind groß, obwohl die Entwicklung nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass die Gleichberechtigung auf den Fußballfeldern noch weit entfernt ist.“